KIT Digitalisierung: Mehr Geld für Politikberatung

Der Bundestag gibt für die Beratung rund 2,6 Mio. Euro aus.

Seit 26 Jahren berät das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des KIT den Deutschen Bundestag. Jetzt bekommen die Wissenschaftler mehr Geld. Die Mittel wurden um 25 % erhöht. Die Digitalisierung fordert mehr Wissen.

Nachhaltige Energieversorgung und Mobilität, Gesundheit und alternde Gesellschaft, Digitalisierung und Zukunft der Arbeit – die Politik muss Antworten finden. Dabei vertrauen die Abgeordneten der Kompetenz des KIT aus Karlsruhe. Die Abgeordneten beschlossen nun in der letzten Haushaltssitzung, die Mittel für diese wissenschaftliche Beratung ab 2017 um 25 Prozent zu erhöhen.

Die Fragen an die Wissenschaftler sind sehr unterschiedlich. Könnte Climate Engineering als eine Art »Notfalltechnologie« beitragen, den Klimawandel zu verhindern oder seine Folgen einzudämmen? Welche Konsequenzen hätte ein flächendeckender und lang anhaltender Stromausfall für Infrastruktur und öffentliche Ordnung? Wo liegen die Chancen und die Risiken des Einsatzes von Robotern bei der Pflege älterer Menschen? »Wir beobachten, dass es immer mehr Fragen zu den Auswirkungen neuer Technologien gibt, für deren Beantwortung sich die Fraktionen des Bundestags eine unabhängige und wissenschaftlich fundierte Beratung wünschen«, sagt Prof. Armin Grunwald, der seit 1999 das Institut für Technikfogenabschätzung und Systemanalyse des KIT und seit 2002 auch das TAB leitet. »Die Verbesserung der finanziellen Voraussetzungen unserer Arbeit ist für uns ein deutliches Signal großer Wertschätzung und eine elementare Voraussetzung, um die gewachsenen Ansprüche an die wissenschaftliche Beratung auf hohem Niveau erfüllen zu können«, so Grunwald.

Chancen und Risiken abwägen

Seit 26 Jahren berät das TAB den Deutschen Bundestag in wesentlichen Fragen des wissenschaftlich-technologischen Wandels. Rund 200 Berichte für den Bundestag sind entstanden. In den parlamentarischen Beratungsprozess flossen zuletzt unter anderem Ergebnisse von Berichten zur Synthetischen Biologie, zu Modernen Stromnetzen als Schlüsselelement nachhaltiger Energieversorgung, zur Inwertsetzung von Biodiversität, zur Online-Bürgerbeteiligung an der Parlamentsarbeit oder zur Online-Mediensucht ein. Aktuell in der Vorbereitung sind unter anderem Analysen zur Robotik in der Pflege, zum Data-Mining und zu den Chancen und Risiken mobiler und digitaler Kommunikation in der Arbeitswelt, aber auch zu den Auswirkungen von Beobachtungstechnologien im Bereich der zivilen Sicherheit.

Den gewachsenen Aufgaben entsprechend bietet das TAB mittlerweile – neben umfangreichen Arbeitsberichten – eine Reihe weiterer Arbeits-, Präsentations-, Diskussions- und Beteiligungsformate an: Zukunftsstudien mittels der Methode des Horizon-Scanning, Stake-holder Panel-Umfragen und -workshops oder öffentliche Fachgespräche richten sich nicht nur an die Abgeordneten und Parlamentsgremien, sondern auch an Interessierte aus Ministerien, Behörden, Bildungs- und Forschungseinrichtungen und nicht zuletzt an die Öffentlichkeit. Mit dem jetzigen Beschluss des Bundestages erhöht sich das Budget des TAB auf rund 2,6 Mio. Euro. Neben dem Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des KIT sind seit 2013 auch das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin, das Helmholtz-Institut für Umweltforschung (UFZ GmbH) in Leipzig sowie die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH (VDI/VDE-IT) in Berlin als Kooperationspartner am TAB beteiligt.