Digitalisierung in F&E Digitale Transformation ist vor allem ein Kulturthema

Wovon hängt der Erfolg der digitalen Transformation ab und was tun Unternehmen auf ihrem Weg dorthin? Die Managementberatung 3DSE hat dazu mit F&E-Vertretern aus Hochtechnologie-Unternehmen gesprochen. Die Antworten fallen sehr unterschiedlich aus.

Für ihre Studie »Digitalisierung – Chancen und Herausforderungen für die Forschung & Entwicklung 2021« befragte die Managementberatung 3DSE  76 Entscheider, Führungskräfte und Experten aus 60 Unternehmen in persönlichen Gesprächen im Zeitraum von Januar bis August 2016. Die teilnehmenden Unternehmen stammen u.a. aus den Branchen Automotive, Aerospace, Industrial, Electronics, Health Tech, Energy und Digital Economy. Ziel war es laut Geschäftsführer Dr. Stefan Wenzel, Erfolgsmuster der digitalen Zukunft im konkreten Bereich der F&E sowie Lösungsansätze herauszufinden. 

Die wesentlichen Erkenntnisse der Studie:

  • Der Fokus verschiebt sich auf Services, Produkte werden zu Service-Plattformen: 65 % der befragten Unternehmen der Old Economy und 69 % der befragten Unternehmen der Digital Economy sehen durch die Digitalisierung eine Verstärkung des Service-Fokus und heutige Produkte als Plattformen dafür.
  • Zukünftige Wettbewerbsvorteile entstehen durch schnelle, agile Entwicklung von Produkten und Services: Mit 19 % sieht die Mehrheit der befragten Unternehmen agile Arbeitsweisen als entscheidendes Mittel, die Geschwindigkeit in der F&E zu erhöhen.
  • Von den Unternehmen, die sich im Zuge der Digitalisierung für neue Methoden entscheiden, wählen zwei Drittel agile Ansätze.
  • Technologische Entscheidungen sind gegenüber strategischen und organisatorischen Entscheidungen sekundär: Nur 5 % der befragten Unternehmen halten technologische Entscheidungen für die Digitalisierung am wichtigsten. 58 % legen den Fokus auf strategische, 36 % auf organisatorische Entscheidungen.
  • Kritische Erfolgsfaktoren sind eher »weich« als »hart«: 37 % der befragten Unternehmen sehen kulturelle Faktoren als erfolgskritisch für die Digitalisierung, im Gegensatz dazu sehen nur 14 % »harte« Faktoren wie z.B. technologisches Know-how als erfolgskritisch.

Unabhängig von Unternehmensgröße, Umsatz, Nutzenerwartung und Zeitrahmen der Digitalisierung ließen sich aus der strategischen Ausrichtung und der F&E-Quote der Unternehmen sowie den Interviews vier Archetypen für das Thema Digitalisierung und F&E ableiten:

  • Der Abwartende Beobachter, wartet auf die ersten Ergebnisse der anderen
  • Der Mutige Keine klare Richtung, wenig Erfahrung, bleibt aber in Bewegung
  • Der Fokussierte Klare Richtung, erste Erfahrungen gesammelt, zeigt volle Leistung
  • Der Selbstbewusste Digitale Speerspitze, hält Vorsprung oder baut ihn aus

Als Lösungsansatz für die Digitalisierung der F&E empfiehlt 3DSE ein Vorgehen in drei Wellen:

  • Welle 1: Digital Readiness Erarbeitung eines Portfolios profitabler neuer Produkte und Dienstleistungen sowie Alignment der Führungsmannschaft.
  • Welle 2: Digital Breakthrough Gestaltung digitaler Durchbruchslösungen inklusive Umsetzungs-Roadmaps
  • Welle 3: Digital DNA Definition einer passenden Prozesslandschaft und agilen Organisation zur Befähigung kontinuierlicher digitaler Innovation

Die drei Wellen werden abhängig vom jeweiligen Archetyp sowie von der Unternehmensstrategie und den Gegebenheiten in der F&E individuell an jedes Unternehmen angepasst.

»Unabhängig davon, welchem Archetyp es zugeordnet werden kann, haben die meisten Unternehmen erkannt, wie wichtig es ist, ihre F&E auf die digitale Zukunft auszurichten«, sagt Dr. Armin Schulz, Geschäftsführer bei 3DSE. »Die Digitalisierung der F&E wird sich kontinuierlich weiterentwickeln und Auswirkungen auf Technologienutzung, Prozesse, Organisation und die Kultur der F&E haben. Deshalb wird das Thema auch in den kommenden Jahren von großer Bedeutung sein.«