Oliver-Wyman-Studie »Die Existenz einer ganzen Branche steht auf dem Spiel«

Chinesische Halbleiterhersteller arbeiten mit Hochdruck am Aufbau weiterer Kompetenzen und wollen in den nächsten sechs Jahren Taiwan eingeholt haben, zeigt eine Untersuchung der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Auch der neueste VDE-Trendreport sieht China durchstarten: 2020 soll bei Standardprodukten das Niveau europäischer Unternehmen erreicht sein.

China wird sich 2020 als Mikroelektronik-Standort an die Weltspitze setzen, so ein Ergebnis des VDE-Trendreports 2009. Das Ergebnis bestätigt die Diagnose des VDE, dass sich das Gravitationszentrum der Mikroelektronik-Produktion zu den stark subventionierten ostasiatischen Standorten verlagere. »Der Halbleiter-Standort Deutschland und Europa muss unbedingt gehalten werden. Wir müssen darum kämpfen, eine europäische Technologiestrategie entwickeln und die geplanten Infrastrukturprogramme um weitere Technologieschwerpunkte ergänzen«, fordert VDE-Vorstandsvorsitzender Zimmer.

Wenn das nicht gelänge und die Chip-Fabriken abwandern würden, könnten ganze Industriezweige wegbrechen, so die Sorge des Verbandes. Denn Mikroelektronik und Embedded Systems seien schließlich wichtige Motoren: Die Hälfte aller jemals hergestellten Transistoren wurden in den letzten 1,5 Jahren gefertigt. 50 Prozent des deutschen Exports 2007 (Volumen: 970 Mrd. Euro) waren abhängig von der Mikroelektronik, die auch die Nanotechnik antreibt.

Wichtig in der Krise: Die Nachfrage nach Embedded Systems wird Prognosen zufolge im Jahr 2009 stabil bei insgesamt gut 4 Milliarden Euro bleiben. Jede dritte technologische Entwicklung der Anwenderbranchen sei auf Innovationen der Elektroindustrie zurückzuführen, so die Branchen-Lobbyisten.

Warnung vor wachsender chinesischer Konkurrenz

Auch das Beratungsunternehmen Oliver Wyman (vormals Mercer Management Consulting) warnt vor einer wachsenden chinesischen Konkurrenz. Die Berufsstrategen sehen in Europas Halbleitermarkt großen Veränderungsbedarf und haben deshalb die Halbleiterindustrie in China und Taiwan sowie die Trends bis 2015 untersucht. Dabei wurden 100 asiatische Top-Unternehmer zu den Themen Attraktivität für Investitionen, Innovationspotenzial sowie Stärken und Schwächen lokaler Unternehmen im Vergleich zum Weltmarkt befragt.

Oliver Wymans Kassandra-Ruf klingt genauso dramatisch wie der des VDE: Europäische Chipunternehmen könnten bis 2015 in die Bedeutungslosigkeit abgleiten und rund 200.000 direkte und indirekte Arbeitnehmer freisetzen. China und Taiwan hätten sich in den vergangenen fünf Jahren zu bedeutenden Playern im weltweiten Halbleitergeschäft entwickelt, so die Beratungsgesellschaft.