Karrierewege Der Spielmacher

'Pixel Art" von Quercetti, die Serie für Erwachsene. Die 'Pixel' bestehen aus analogen Kunststoff-Stecknadeln
'Pixel Art" von Quercetti, die Serie für Erwachsene. Die 'Pixel' bestehen aus analogen Kunststoff-Stecknadeln

Kleine, bunte Plastiknadeln bescheren dem Turiner Elektroingenieur Stefano Quercetti gerade den Geschäftserfolg seines Lebens.

Dabei lockte es den 55-jährigen nach dem Studium zuerst nach Genf zu den Teilchenbeschleunigern des Cern, wo er in theoretischer Physik und Mathematik seinen Berufstraum sah. Aber dann trat der Ingenieur Quercetti doch die Nachfolge in der väterlichen Spielzeugfabrik an. 

Denn diese war für Stefano ebenfalls eine ideale Spielwiese. Sein Vater hatte einst das Steckspiel ‘Chiodini’ erfunden und patentieren lassen, das zum Spieleklassiker wurde und das die meisten noch aus dem Kindergarten kennen dürften: Die kleinen bunten Knöpfe, die man in ein weißes Brett mit Löchern zu bunten Bildern stecken kann. 

Die bunten, pilzförmigen Stecknadeln bescheren Quercetti gerade einen Auftragsboom. Die Produktion wurde 2016 um 50 Prozent auf 1,5 Milliarden gesteigert, weil inzwischen auch die Erwachsenen-Welt süchtig scheint nach den Steck-Puzzlen. Für sie gibt es seit 2013 ‘Pixel Art’:  Gitterschablonen, in denen man mit Hilfe von bis zu 100.000 Steckpilzen in mühevoller Kleinarbeit die Pixel eines Fotos nach steckt und damit Kunstwerke herstellt, die aus der Ferne wie Fotografien aussehen. 

Das analoge Geschäft mit den perforierten Platten und den bunten Kunststoffnägeln aus der Spritzgussmaschine macht ein Viertel des Umsatzes von 9,5 Mio. Euro aus. Inzwischen stellt Quercetti erfolgreich auch individuelle Steckanleitungen nach Kundenfotos her. ‘Wir fühlen uns von der Digitalisierung nicht bedroht’, sagt Quercetti.  

Quercetti macht damit eine ähnliche Erfahrung wie der  deutsche Spiele-Konkurrent Ravensburger: Mag die Games-Branche mit digitalen Neuheiten wie FIFA17 von Rekord zu Rekord eilen: Klassisches Spielzeug zum Anfassen und be-greifen bleibt bei Eltern wie Kindern beliebt. Vielleicht gerade, weil es die Generationen am Spieltisch vereint, über alle digitalen Generationengräben hinweg.