(Nicht nur) für Frauen Der Arbeitgeber-Schnell-Check

Arbeitgeber-Rankings gibt es wie Sand am Meer, immer mehr Unternehmen tragen mit inflationärer Tendenz Plaketten, dass sie ein toller Arbeitgeber sind. Woran können Frauen (und Männer) einen attraktiven Arbeitgeber erkennen?

Die Antworten hat Melanie Vogel, Initiatorin der women&work, Deutschlands größter Karrieremesse für Frauen, in einem “7-Punkte-Schnell-Check” zusammen gefasst.

1.    Check: Das Unternehmen
Die Wahl des richtigen Unternehmens hängt – um auf Langfristigkeit zu setzen –  entscheidenden vom Standort des Unternehmens ab, von den Produkten und Dienstleistungen, die es anbietet, von generellen Einstiegs-, Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten und davon, wie krisensicher das Unternehmen aufgestellt ist. Diese Grunddaten sollten eruiert werden, um ein generelles Gefühl von dem zukünftigen Arbeitgeber zu bekommen, mit dem man sich in den kommenden Jahren als Mitarbeiterin identifizieren möchte.

2.    Check: Arbeitszeiten
Je höher Frauen und Männer auf der Karriereleiter nach oben steigen, umso ungeregelter werden die Arbeitszeiten und umso höher ist das Arbeitspensum. Dennoch bieten mehr und mehr Unternehmen flexible Arbeitszeitmodelle, die es Männern und Frauen ermöglichen, die Arbeitslast individuell aufzuteilen oder einen Teil der Arbeit in Home-Offices oder per Telearbeit abzuleisten, um mehr Zeit für die Familie zu haben oder den Ansprüchen nach Work-Life-Balance gerecht zu werden. Schlagworte sind hier Vertrauensarbeitszeit, Teilzeitmodelle für Führungskräfte, Job-Sharing, Home-Office/Telearbeit. Selbst wenn für Frauen diese Arbeitszeitmodelle am Berufsanfang noch nicht relevant sind, so eröffnet ein Arbeitgeber mit felxiblen Arbeitszeitmodellen Perspektiven und Sicherheit, wenn irgendwann der Kinderwunsch im Raum steht und Frauen nicht vor die “Entweder-oder-Entscheidung” gestellt werden wollen, sondern Beruf und Familie kombinieren möchten.

3.    Check: Vergütung
Dass Frauen immer noch weniger verdienen als Männer, ist bekannt. Umso wichtiger ist es für Frauen, sich den potentiellen Arbeitgeber vor allem bei der Gehaltsfrage vozuknöpfen und in Erfahrung zu bringen, welche Gehaltsmodelle es gibt, wie die Gehaltsentwicklung in den letzten Jahren ausgesehen hat, welche Sozial- und Nebenleistungen das Unternehmen anbietet und ob sich das Unternehmen im Bereich Equal Payment engagiert.

4.    Check: Social Responsability

Viele Unternehmen engagieren sich in den Bereichen Umwelt und Gesellschaft. Auch wenn dieses Engagement nicht per se über die Qualität des Unternehmens als Arbeitgeber entscheidet, so gibt ein soziales oder gesellschaftliches Engagement doch einen guten Einblick in die Unternehmensführung und in die Verantwortung, die das Unternehmen als Teil der Gesellschaft zu übernehmen bereit ist. Ein solches Engagement kann sich auch auf die eigene Motivation ausüben, wenn man sich selbst als Teil dieser sozialen und gesellschaftlichen Mission sieht, der sich das Unternehmen verschrieben hat.

5.    Check: Unternehmens-Kultur und Umgangsformen

Frauen sollten so viele Chancen wie möglich nutzen, sich auf Veranstaltungen mit Unternehmensvertretern zu unterhalten um herauszufinden, welchen Stellenwert Mitarbeiter im Unternehmen haben. Wie stellt sich das Betriebsklima dar? Was tut das Unternehmen im Bereich Work-Life-Balance? Wie hoch ist der Frauenanteil im Unternehmen generell und in Führungspositionen? All diese Fragen sind Indikatoren dafür, wie leicht oder schwer es Frauen im Unternehmen gemacht wird, Karriereambitionen umzusetzen.

6.    Check: Familienfreundlichkeit
    Familienfreundlichkeit ist vor allem für die Frauen entscheidend, die schon mit einem konkreten Kinderwunsch in den Beruf einsteigen. Auch hier trennt sich bei den Unternehmen die Spreu vom Weizen und Frauen sind gut beraten, Unternehmen zu wählen, die Programme anbieten, die es Frauen (und Männern) ermöglichen, Beruf und Familie zu kombinieren. Die Bandbreite der Angebote in den Unternehmen ist hier sehr groß, die Umsetzung von Familienfreundlichkeit sehr individuell und oft mit spanndenen Lösungsansätzen umgesetzt. Frauen müssen hier individuell und aufgrund der persönlichen Lebenssituation entscheiden, welchen Programmen sie den Vorzug geben.

7.    Check: Frauenkarrieren

Ein Unternehmen kommt als potentieller Arbeitgeber tatsächlich nur dann in Frage, wenn neben allen Sonder- und Sozialleistungen und aller propagierten Familienfreundlichkeit im Unternehmen selbst auch die Möglichkeiten geschaffen werden, dass Frauen gleichberechtigt Karriere machen können und das Talentmanagement von Einstiegspositionen bis hin zum oberen Management transparent und “frauendurchlässig” ist. Dazu gehört vor allem eine faire und neutrale Leistungsbewertung von Mitarbeitern. Frauenfördernd sind aber auch Mentorenprogramme, unternehmenseigene Frauennetzwerke, Patenschaften, Integrationsveranstaltungen und Wiedereinstiegsoptionen nach Elternzeit.

„Ich empfehle Frauen, im Bewerbungsgespräch mutig zu sein und Unternehmen an ihren Versprechungen zu testen. Je besser Frauen das Unternehmen im Vorfeld auf Herz und Nieren prüfen, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen zufrieden zur Arbeit gehen und erfolgreich im Job sind“, resümiert Melanie Vogel.