Jobwechsel in der Embedded Branche "Das Risiko ist äußerst gering"

Thomas Hegger, Hegger, Riemann&Partner: "Das Risiko der erneuten Probezeit ist in der Embedded-Branche als äußerst gering anzusehen."
Thomas Hegger, Hegger, Riemann&Partner: "Das Risiko der erneuten Probezeit ist in der Embedded-Branche als äußerst gering anzusehen."

Kann man derzeit ruhigen Gewissens als Embedded-Systems-Ingenieur den Job wechseln? Wie groß ist das Risiko angesichts der wirtschaftlichen Lage, die Probezeit nicht zu überstehen? Worauf man achten sollte, rät Personalberater Thomas Hegger von Hegger, Riemann&Partner.

Softwareentwickler Holger N. hat einen unbefristeten Job bei einer großen Firma in München.  Leider hat er mehr mit Administration zu tun als mit Entwicklung von Embedded Software. Soll er das Angebot eines  Mittelständlers aus dem Bereich hardwarenahe SW-Entwicklung annehmen, das zwar schlechter bezahlt, dafür aber näher am Wohnort ist? Oder lieber das Risiko einer erneuten Probezeit meiden angesichts der aktuellen Wirtschaftslage?

Lieber Herr N.,

vielen Dank für Ihre Frage, die auch für andere Bewerber, die über einen Stellenwechsel nachdenken, sicherlich interessante Aspekte beinhaltet. Positiv ist aus meiner Sicht, dass Sie sich intensiv Gedanken darüber gemacht haben, was Ihnen in Ihrer aktuellen Tätigkeit fehlt und was Sie eigentlich wollen, zurück in die hardwarenahe SW-Entwicklung.

Sie haben sich mit Ihrer Vorstellung embedded Entwicklung (gilt für HW und SW gleichermaßen) für ein Feld entschieden, welches wachstumsorientiert ist und in den unterschiedlichsten Branchen, wie beispielsweise Automation, Automotive, Medizintechnik, Consumer etc., zum Einsatz kommt. Es sind Märkte mit sehr guten Perspektiven. Die Wirtschaftslage würde ich in Ihrem Falle, da Sie in der Entwicklung bleiben wollen, nicht als entscheidendes Kriterium ansehen. Gesunde Unternehmen investieren gerade in Krisenzeiten in die Entwicklung neue Produkte, damit diese zum wirtschaftlichen Aufschwung marktreif sind.

Des Weiteren haben wir den Eindruck, dass sich die wirtschaftliche Lage zunehmend positiv gestaltet und das Risiko der erneuten Probezeit als äußerst gering anzusehen ist.
Eine ebenfalls wichtige Frage, die Sie sich beantworten sollten ist, ob Sie lieber in einem Großunternehmen mit festen Strukturen und i.d.R. klar vorgegeben Entscheidungs- und Karrierewegen (Fach- oder Führungskarriere), oder in einem KMU (Kleine und mittlere Unternehmen) arbeiten wollen, mit kurzen und zum Teil unkonventionellen Entscheidungswegen und wo Sie oftmals schneller Verantwortung übernehmen können.

Wir haben die Erfahrung gemacht das KMUs oftmals für eine vergleichbare Aufgabe niedrigere Gehälter zahlen. Andererseits können Sie in einem KMU schneller Verantwortung übernehmen und dadurch entsprechende Gehaltssteigerungen erzielen. In Ihrem speziellen Falle spielt sicherlich noch der Standort mit hinein. Sie reduzieren deutlich Ihren Arbeitsweg. Was ein nicht zu unterschätzender Faktor sein kann, als Stichwort sei hier Work-Life Balance genannt. Wenn Sie den Eindruck gewonnen haben, dass die Ihnen angebotene Aufgabe und Perspektive Ihren beruflichen Vorstellungen für die nächsten Jahre entspricht und Sie einen positiven Eindruck vom Unternehmen gewonnen haben (Atmosphäre, wirtschaftliche Situation und Position am Markt), spricht nichts gegen einen Wechsel, unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage.

Von Vorteil ist, dass Sie sich aus einer ungekündigten Position heraus verändern möchten. Wenn Sie Zweifel haben oder Ihnen das Risiko zu groß erscheint, dann bleibt Ihnen die Möglichkeit sich innerhalb Ihres jetzigen Arbeitgebers zu verändern.