Elektrotechnik-Studium Das muss ein E-Technik-Bachelor können

Auf der Festveranstaltung zum 40-jährigen Bestehen des FBTEI am 20. Juni an der Fachhochschule Frankfurt wies VDE-Vorstandsmitglied Professor Helmut Klausing auf die stets engen Beziehungen zwischen FBTEI und VDE hin. Der Dialog der Vertreter von Fachhochschulen, Universitäten und der Industrie wird im VDE-Ausschuss „Ingenieurausbildung“ gepflegt.
Auf der Festveranstaltung zum 40-jährigen Bestehen des FBTEI am 20. Juni an der Fachhochschule Frankfurt wies VDE-Vorstandsmitglied Professor Helmut Klausing auf die stets engen Beziehungen zwischen FBTEI und VDE hin. Der Dialog der Vertreter von Fachhochschulen, Universitäten und der Industrie wird im VDE-Ausschuss „Ingenieurausbildung“ gepflegt.

Was lernen Bachelor-Studenten während der ersten drei Semester Elektrotechnik an Deutschlands Fachhochschulen? Das hat der Fachbereichstag Elektrotechnik und Informationstechnik (FBTEI e.V.) ermittelt. Die Ergebnisse sollen nun nicht nur eine Richtschnur für alle Mitgliedshochschulen sein, sondern auch für künftige Studierende.

Der „Fachbereichstags Elektrotechnik“ hat anhand einer Umfrage unter 90 Hochschulen ermittelt, welche Lehrinhalte die ersten 3 Semester des Bachelorstudiums Elektrotechnik haben. In einer bundesweiten Umfrage unter Professorinnen und Professoren der 90 Mitgliedshochschulen wurde die Frage nach den Lehrinhalten für die ersten 90 Credits – sprich etwa 3 Semester – im Bachelor untersucht.

Der Fragebogen umfasste an die 100 Wissensbausteine, die hinsichtlich ihrer Tiefe in vier Kategorien bewertet wurde. Den Bogen haben mehr als 420 Lehrende beantwortet, das sind über 26 Prozent aller fachnah tätigen Professoren von 68 der deutschen Fachhochschulen.

Ermittelt wurde so die „Top 12“ der Kerngebiete: unter anderem Gleichstromlehre (Kirchhoff, Quellen, Teiler, Brücken), Wechselstromlehre, Periodische Anregung, höhere Programmiersprache, die Messung elektrischer Größen, Integral- und Differenzialrechnung, Information und Codierung, digitale Signalverarbeitung, Regelkreise, Boolesche Funktionen und Algebra. Aber auch die Lösung linearer Gleichungssysteme, Einheiten und Umrechnungen, dynamische Systeme, zeitkontinuierliche Filter, die Beschaltung von Operationsverstärkern, Taylor-Reihenentwicklung und Nachrichtentechnik (Signale, Verzerrung, Modulation). Die komplette Struktur finden Sie am Ende von Seite 2 zum Downdload.

Auf ihrer Vollversammlung Ende Juni beschlossen die Delegierten des FBTEI einstimmig, dieses „Kerncurriculum“ ihren Mitgliedern zu empfehlen, um die Lehrqualität im Bachelor, die Verlässlichkeit der Ausbildung und die Identität des Fachgebietes zu unterstützen.

Denn die Qualität der Bachelor-Ausbildung dürfe nicht sinken. Dieser Meinung ist nicht nur der Vorsitzende des Ausschusses Ingenieurausbildung im VDE, Prof. Dr. Michael Berger. Leider seien die Abbruchquoten hoch, vor allem bei Technikern und Meistern, die seit einigen Jahren auch ohne Abitur studieren können. Und oft an Mathe scheitern: „Aktuell ist in der Ausbildung das Problem die fehlende Vorbildung. Die Hochschulen versuchen mit Brückenkursen und Tutorien den Stand zu halten, stoßen hier aber oft an ihre Grenzen. Wir würden gerne viele Leute ausbilden und dabei auch unbedingt den Standard halten.“, erklärt Berger.

Nur dann müsse die Politik den Hochschulen auch entgegenkommen und zum Beispiel längere Studiendauern akzeptieren und bezahlen sowie für eine bessere finanzielle Absicherung der Studierenden sorgen. „Mit dem Kerncurriculum, dass die Fachbereiche der Fachhochschulen verabschiedet haben, definiert man klar die Identität der Elektro- und Informationstechnik und gibt den Unternehmen und Studierenden die Garantie: So werden die Fachleute ausgebildet. Das gibt Orientierungshilfe und sichert die Professionalität dieser Ingenieurbranche und kann - neben anderen Aspekten - auch zu einem klareren Bild vom Bachelor führen.“

Die Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt sei auch jetzt schon da, „nur wollen das einige nicht hören“, so Berger. Klar sei auch: Mit dieser Umfrage werde die Messlatte aufgelegt, was mindestens zu lehren sei. „Damit ist dem Schwund nach unten eine Grenze gesetzt“.

Die Empfehlung des Fachbereichstages laute, sich im Grundlagenstudium an diesem Curriculum zu orientieren. „Und das Besondere daran: Es gibt nach unserem Kenntnisstand weltweit keine vergleichbare Untersuchung“, freut sich Berger.