Startschuss gefallen für hochqualifizierte Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten Blue card für Ingenieure ab 34.944 Euro Einkommen

Die neue Green Card heißt jetzt Blue Card: Mit ihr können seit 1. August hochqualifizierte Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten leichter in Deutschland arbeiten. Aber wollen Sie überhaupt?

Gut ausgebildete ausländische Fachkräften können ab sofort leichter einen Job in Deutschland finden - der Bundestag hatte im April das Gesetz dazu verabschiedet und damit mit einem Jahr Verspätung die Hochqualifizierten-Richtlinie der Europäischen Union umgesetzt.

Blue Card-Anwärter scheinen deutschen Arbeitgebern eher die gelbe Karte zu zeigen. „Zu bürokratisch ist der Ruf des Landes“, sagt Eva Wißler, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Partnerin bei Schmalz Rechtsanwälte in Frankfurt. Auch Unternehmen seien noch skeptisch. Dabei hält es Eva Wißler für höchste Zeit, sich zu fragen, wie attraktiv sie im Wettbewerb um hochqualifizierte ausländische Mitarbeiter und Uni-Absolventen sind.

Was steckt hinter der neuen Blue card? Für Arbeitgeber ist das Blue Card-Modell die Chance, hochqualifizierte ausländische  Fachkräfte für sich zu gewinnen. Ausländer mit einem anerkannten Hochschulabschluss, die einen Arbeitsplatz in Deutschland finden, erhalten die Blaue Karte EU und damit eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis, die zunächst auf höchstens vier Jahre befristet ist, sich mit entsprechenden Deutschkenntnissen in eine dauerhafte umwandeln lässt. Gelingt es dem Arbeitgeber, die ausländischen Mitarbeiter in der Anfangszeit zu überzeugen und sowohl im Unternehmen als auch im privaten Umfeld gut zu integrieren, bestehen gute Chancen, die ausländischen Fachkräfte langfristig an das Unternehmen zu binden.

Das Mindesteinkommen für Blue Card-Inhaber liegt bei 44.800 Euro Bruttojahresgehalt, in sogenannten Mangelberufen wie Ingenieure, Ärzte, IT-Fachkräfte, Naturwissenschaftler und Mathematiker sogar nur bei 34.944 Euro. So sieht es das Gesetz zur Umsetzung der Hochqualifizierten-Richtlinie der EU vor, das heute in Kraft tritt. Damit sollten die Hürden für Arbeitgeber gesenkt werden. Allerdings: Mit diesen Gehältern seien hochqualifizierte Zuwanderer oft nur schwer nach Deutschland zu locken, meint Eva Wißler. „Insbesondere Maschinenbau- oder IT-Unternehmen finden auf Blue Card-Lohnniveau oft auch im Ausland keine gut ausgebildeten Fachkräfte“, weiß Wißler aus der Beratungspraxis. Grund: Die Lebenshaltungskosten in Deutschland treffen auch Arbeitnehmer aus dem Ausland. Ihr Tipp: „Die Einkommensgrenze ist als formale Voraussetzung für die Erteilung der Blue Card zu sehen. Wer weiterdenkt und hochqualifizierten Zuwanderern über das Gehalt hinaus attraktive Bedingungen bietet, hat bessere Chancen sich gegen die Konkurrenz im eigenen und auch in den Nachbarländern durchzusetzen.“

Das Gehalt alleine sei nämlich nicht entscheidend: Wer sich um die neuen Mitarbeiter besonders kümmere, werde als attraktiverer Arbeitgeber wahrgenommen. Die höchsten Hürden für Ausländer sind ganz alltäglicher Natur: Wohnung und Kindergarten finden, Ämter und Ärzte oder die Jobsuche für den nachziehenden Partner. Manches Unternehmen hat eine eigene Relocation-Abteilung, um die Zuwanderer von Beginn an und auch fortlaufend zu unterstützen. Auch einige Gemeinden bieten hier einen guten Service an, auf den der Arbeitgeber die neu zugezogenen Mitarbeiter hinweisen kann. „Wichtig ist eine Vertrauensperson für Blue Card-Mitarbeiter, die z. B. bei Behördengängen unterstützt, insbesondere wenn es anfangs Sprachbarrieren gibt“, empfiehlt Eva Wißler von Schmalz Rechtsanwälte. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, Arbeitsverträge nicht nur in Deutsch, sondern zumindest auch in Englisch zur Verfügung zu stellen, wobei diese auf die besondere Situation der Blue-Card Inhaber zugeschnitten sein sollten.

Die neue Blue Card könne für Arbeitgeber eine Chance bieten, hochqualifizierte Zuwanderer zu gewinnen. Gerade weil auch Familienangehörige von Blue Card Inhabern Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt haben, sollte ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet werden, dass es ihnen gelingt, eine Existenz für sich und die Familie aufzubauen. Je fester die ausländischen Mitarbeiter im beruflichen und privaten Umfeld verwurzelt seien, desto eher bestünde die Chance zu einer dauerhaften Bindung an den Arbeitgeber, bekräftigt Wißler. Für Arbeitgeber sei das zwar eine gewiss große Herausforderung kulturell und sprachlich, die aber auch neue Wege erlaube und für die deutschen Arbeitnehmer ein interessantes internationales Umfeld schaffen könne.