Personalbeschaffung Billiger wird's nicht

2007 stiegen die Umsätze der Personalberater um rund 20 Prozent, Ende 2008 dürften immerhin noch einmal im Schnitt 15 Prozent dazugekommen sein. Wie es im nächsten Jahr aussehen wird, lässt sich einstweilen nur aus dem Kaffeesatz ablesen, aber so viel steht fest: Der Fachkräftemangel spielt den Menschenmaklern direkt in die Hände. Billiger wird die Personalbeschaffung für die Elektronikwirtschaft bestimmt nicht.

Es sei denn, die HR-Verantwortlichen schauen sich die Geschäftsmodelle der Headhunter gründlich an und kupfern ab. Das geht durchaus, und daran haben die Berater – ein Treppenwitz der Marktwirtschaft – selbst Schuld. Denn die Geschäftsprozesse und Vorgehensweisen in der einst geheimnisumwitterten Branche sind sowohl standardisiert wie auch bekannt.

Die Informationstechnologie erleichtert die Datensammlung und -pflege. Weil der Fachkräftemangel die Wirtschaft auch künftig in Atem halten wird, überschneiden sich auch die Herausforderungen: Potenzielle Mitarbeiter sind für die Personaler heute ebenso wertvoll wie für die Kopfjäger. Umso besser doch, wenn man sie mit eigenen Ressourcen anlocken und zum Andocken veranlassen kann.

Die voranschreitende Industrialisierung der Personalberatung erleichtert das Vorhaben immens. Das Headhunting der alten Schule war gestern: Es bestand aus jahrelang gewachsenen Netzwerken, verschwiegenen Treffen an feinen, aber diskreten Orten, Männerbünden und Altherrenclubs. Ein großer Teil der in Betracht kommenden Kandidaten steckte in den Köpfen erfahrener Berater, die Datenbanken waren mager und schlecht gepflegt. »Das lag auch daran«, plaudert Anselm Görres aus dem Nähkästchen, »dass viele Partner nur einen Teil ihrer wertvollen Kunden- und Kandidatenkontakte überhaupt in die zentrale Datenbank einpflegten, den besten Teil aber für sich behielten.« Gut bezahltes Herrschaftswissen nannte man das.

Ironisch vergleicht der Chef des Interim Management-Dienstleisters ZMM in München die Personalberatung von anno dazumal, also gerade mal von vor 20 Jahren, mit dem Geist und Gehabe vornehmer Handwerksmeister. Erst hat die Industrialisierung daraus eine florierende Industrie gemacht, dann haben Standardisierung und Miniaturisierung die Zeitmesserfunktion als erfreuliches Add-on in artfremde Produkte einfließen lassen: Uhren stecken heute in Lichtschaltern, Kinderspielzeugen, Sportgeräten, Backöfen, Radios, Kugelschreibern, TV-Geräten, Telefonen und unzähligen anderen Geräten.