Leadership und Digitalisierung Bedingt einsatzbereit

Das Gros der deutschen Führungskräfte hat den Veränderungsbedarf durch Digitalisierung zwar erkannt, sie wissen aber mehrheitlich nicht, wie sie sich in ihrer Führungsrolle ändern müssen. Das erhöht die Aufstiegschancen für junge Manager.

»Das Gros der deutschen Führungskräfte hat den Veränderungsbedarf zwar erkannt, weiß aber leider mehrheitlich nicht, wie sich Leadership in Zeiten des digitalen Wandels ändern muss«, sagt Studienleiter Jörg Kasten, Chairman der Boyden World Corporation und Managing Partner von Boyden Deutschland.

Das ist das Ergebnis einer neuen Marktstudie »Leadership in der digitalen Welt – wo stehen die deutschen Unternehmen?«, die in Kooperation von der Personalberatung Boyden Global Executive Search und der EBS Business School durchgeführt wurde.

Dafür wurden während des letzten Quartals 2016 186 Führungskräfte, Manager, Vorstände und Beiräte aus verschiedenen Branchen befragt, inwieweit Top-Manager von Konzernen für digitale Transformationsprozesse aufgestellt sind und ob Großunternehmen und führende Mittelständler die Anforderungen an immer digitaler werdende Prozesse erfüllen.

Im Idealfall sollten die Top-Manager mehrere Typen in sich vereinen: Gefragt sind Impulsgeber, die neue Wege einschlagen und in der Lage sind, neue Business-Modelle zu entwickeln (34%).

Fast gleichermaßen wichtig sind Change Manager-Typen, die das Unternehmen durch die betrieblichen Veränderungen führen können (28%) sowie Strategen mit Weitblick und digitaler Vision, die sich fachlich bestens auskennen und interne Prozesse effektiv gestalten können (27%).

»Die Digitalisierung verlangt quasi nach einem Hybrid aus starken Persönlichkeitsmerkmalen und fundamentalen Management-Skills. Empathie und Durchsetzungsstärke sind ebenso gefragt wie Progressivität und Innovationsgeist. Der neue Typ Manager muss auf Basis einer stark ausgeprägten Digitalkompetenz in der Lage sein künftige Geschäftsmodelle rationell zu bewerten, aufzubauen und letztlich zu verantworten«, so Jörg Kasten.

Diese neuen Manageranforderungen und die Implementierung neuer digitaler Unternehmensstrategien können den Studienergebnissen nach auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Führungsetagen haben. Jüngeren Top-Managern kann es gelingen, ihre Karriere zu beschleunigen und schneller in höhere Führungspositionen aufzusteigen. 62 Prozent der befragten Führungskräfte sind dieser Meinung.

38 Prozent glauben, dass sich die Führungsetagen nicht großartig verjüngen werden. Mit Blick auf die digitale Transformation unterscheidet sich der Führungsstil der jüngeren von der älteren Generation erheblich (64%).

Nur drei Prozent glauben, dass der Führungsstil jüngerer und älterer Manager gleich ist. Die meisten Unterschiede liegen in der Experimentierfreudigkeit sowie der Offenheit, sich mit Neuem auseinanderzusetzen. Um sich im Zuge der immer weiter voranschreitenden Digitalisierung stärker aufzustellen, benötigen deutsche Unternehmen laut der Studienteilnehmer besondere Management-Expertise in Transformationsprozessen (46%) sowie Identifikation mit und Antizipation von der heutigen Start-up-Kultur (23%).