Arbeitswelt der Zukunft Bayerische Wirtschaft will neues Arbeitsrecht

Die Arbeitswelt heute erfordert neue Arbeitszeitkonzepte.
Die Arbeitswelt erfordert heute nicht nur neue Arbeitszeitkonzepte. Auch das Arbeitsrecht sollte der Flexibilisierung angepasst werden, fordert u.a. die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V.

Neben Arbeitsrechtlern ruft auch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) den Gesetzgeber auf, die geltenden Arbeitszeitregelungen anzupassen. »Arbeit an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten Zeit zu erledigen« sei nicht mehr zeitgemäß, dazu soll u.a. die 10-Stunden-Regelung fallen.

Die bayerischen Arbeitgeberverbände nehmen die aktuell laufende ARD-Themenwoche »Zukunft der Arbeit« (noch bis 05. November in der ARD) zum Anlass,  auf einen Reformbedarf des Arbeitsrechts hinzuweisen.

»Wertschöpfungs- und Wissensketten innerhalb von Unternehmen sind weltweit standortübergreifend, aber auch unternehmensübergreifend aufgestellt. Durch neue Kommunikationsmittel, die Digitalisierung von Produktion und Dienstleistungen sowie die Vernetzung von Produktionsschritten entstehen neue Arbeitsformen und Tätigkeitsfelder. Die Digitalisierung ist integraler Bestandteil unserer Gesellschaft und unseres Wirtschaftslebens. Sie verändert unseren Lebensstil und führt zu einer stärkeren Individualisierung. Sie ermöglicht dabei eine noch stärkere Flexibilisierung hinsichtlich Arbeitszeit und Arbeitsort im Interesse der Beschäftigten und der Unternehmen. Sie führt auch zu einer stärkeren Orientierung an Arbeitsergebnissen«, sagt der Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., Bertram Brossardt.

Dies biete den Beschäftigten neue Möglichkeiten. Die Mitarbeiter können beispielsweise private Besorgungen, Pflegefälle oder Kinderbetreuung besser vom Arbeitsplatz aus organisieren. Brossardt: »Das lässt sich aber nur realisieren, wenn wir uns von dem Bild lösen, dass Arbeit an einem bestimmten Ort in einer bestimmten Zeit zu erledigen ist. Das ist nicht mehr zeitgemäß.«

So soll laut vbw vor allem die gesetzlich vorgeschriebene tägliche Höchstarbeitszeit von maximal zehn Stunden abgeschafft werden. Das sei nach europarechtlichen Vorgaben »ohne weiteres« möglich, solange die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 48 Stunden gewahrt bleibe. Das führe nicht zu mehr Arbeit, sondern zu mehr Flexibilität bei der Verteilung der Arbeitszeit, so die vbw. »Gegebenenfalls können die Sozialpartner gestaltend eingreifen. Zudem werden wie bisher für bestimmte Arbeitnehmergruppen Schutzbestimmungen durch Verordnungen festgelegt. Auch weitere Flexibilisierungsmöglichkeiten, die von der europäischen Arbeitszeitrichtlinie eingeräumt werden, müssen im deutschen Recht voll umgesetzt werden: Zum Beispiel muss die Ruhezeitregelung von elf Stunden so ausgelegt werden, dass kurze Unterbrechungen, etwa durch ein abendliches Telefonat, möglich sind, ohne dass der Beginn der Ruhephase sofort von vorn zu laufen beginnt«, ergänzt Brossardt.

Die vbw lege »Wert auf die Tatsache, dass mit der Flexibilisierung keine Erhöhung des Arbeitszeitvolumens einhergeht«. Die Art der Arbeit und die Verteilung der Arbeitszeit solle ändern, nicht aber die Gesamtlänge.