Siemens-Umstrukturierung Auf dem Weg zum »Flottenverbund«

Mit jungen 60 Jahren hat der frisch als Vorstandsvorsitzender von Siemens betätigte Josef (Joe) Käser genug Energie, um die Neuausrichtung von Siemens weiter voranzutreiben.

Anlässlich der Zahlen für das 3. Quartal 2017 kochten die Spekulationen über den weiteren Umbau des Siemens-Konzerns wieder hoch. Wir fragten dazu in München nach.

»Natürlich wird man eine starke Nummer 2 bauen müssen«, sagte der frisch vom Aufsichtsrat als Siemens-Konzernchef bestätigte Joe Kaeser angesichts der Fusion der beiden größten chinesischen Schienenfahrzeughersteller zum Weltmarktführer CRRC. Die zur Quartalspressekonferenz Q3 angestellten Spekulationen über eine Zusammenlegung der Siemens-Bahnsparte mit dem kanadischen Konzern Bombardier stellten sich allerdings als haltlos heraus. „Vorerst verschoben, aber nicht aufgehoben“, könnte das Fazit lauten, denn die Siemens Bahn-Sparte verdient momentan gutes Geld, während Bombardier noch an seinem Turnaround-Plan laboriert.

Dazu erklärt Siemens-Pressesprechen Wolfram Trost der Markt&Technik: »Bezüglich unseres Mobility-Geschäfts hatte Herr Kaeser auf der Q3-Pressekonferenz erwähnt, dass sich nun eine Reihe von Unternehmen im Bahngeschäft überlegen müssen, was die Fusion in China bedeutet und man eine starke Nummer 2 bauen müsse. Er hatte allerdings auch darauf hingewiesen, dass nicht klar sei, mit wem, und ob es überhaupt so schnell passieren würde.«

Dass die Siemens-Umstrukturierung unter Kaeser weitergeht, bestätigt uns Wolfram Trost allerdings: »Siemens wird ein Unternehmen sein, das aus Elementen besteht, die zueinander das Optimum bringen. Herr Kaeser hatte das verschiedentlich schon als „Flottenverbund“ bezeichnet.«

Schaut man sich die Historie Siemens’ mit dem Börsengang Infineons, der Trennung von der Licht-Sparte Osram und der Vereinigung der Siemens-Windsparte mit der spanischen Gamesa an, könnte man auf die Idee kommen, dass sich am Ende ein Verbund eigenverantwortlicher Töchter abzeichnet, über dem die Mutter Siemens als Beteiligungs-Holding steht.

Dazu Wolfram Trost: »Häufig ist in den Medien von der Bildung einer Holding zu lesen – das ist reine Spekulation. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir diese Spekulationen nicht kommentieren. Im Kern geht es darum, dass wir für unsere Geschäfte schauen, wie sie am besten aufgestellt sind, damit sie mit den Spezialisten ihrer jeweiligen Branche mithalten können – im Marktauftritt, in der Innovation und in der Fokussierung auf Kunden und Geschäfte.«

Für Siemens’ Medizintechniksparte „Healthineers“ ist der Börsengang für das erste Halbjahr 2018 geplant, um Kapital für weiteres Wachstum aufnehmen zu können. Von Kaeser sind in den nächsten Jahren weitere Aktivitäten zu erwarten, um den „Flottenverbund“ wirtschaftlich und organisatorisch fit zu machen, zum Beispiel für die Industrie 4.0, die Kaeser einmal als „Schicksalsfrage der deutschen Industrie“ bezeichnet hat.