Arbeitsrecht Arbeitsrechtler stöhnen über Gesetzesflut

Alexander Zumkeller, Präsident des Bundesverbands der Arbeitsrechtler in Unternehmen.
Alexander Zumkeller, Präsident des Bundesverbands der Arbeitsrechtler in Unternehmen.

Immer mehr Gesetze beschäftigen immer mehr Arbeitsrechtler, die offenbar schwer zu finden sind. Der Bundesverband der Arbeitsrechtler in Unternehmen (BVAU e.V.) hat das in einer Umfrage unter seinen Mitgliedern ermittelt.

Die Unternehmen in Deutschland rechnen für das Jahr 2017 mit zunehmenden Aufgaben für die Arbeitsrechtler. Nach einer Befragung des Bundesverbandes der Arbeitsrechtler in Unternehmen (BVAU) rechnen fast zwei Drittel aller befragten Unternehmen, dass die Aufgaben und Belastungen für arbeitsrechtliche Fragestellungen grösser, für viele sogar deutlich grösser werden.

»Nicht nur aufgrund der kommenden und noch in der Pipeline befindlichen arbeitsrechtlichen Gesetzesvorhaben überrascht das Ergebnis zum Arbeitsvolumen nicht«, erläutert BVAU-Präsident Alexander Zumkeller. »Dass im grossen Umfang keine personellen Kapazitäten geschaffen werden dürfen oder diese nicht zu finden sind, ist allerdings sehr bedenklich und sollte als deutliches Warnsignal erkannt werden!«, so Zumkeller weiter.

»Die Bedeutung der arbeitsrechtlichen Kompetenz in den Unternehmen muss erkannt und gefördert werden«, ergänzt BVAU-Vizepräsident Dr. Rupert Felder. »Es kann nicht sein, dass gerade die arbeitsrechtliche Regulierung in den Unternehmen stets zunimmt, andererseits qualifizierte Fachkräfte zur Umsetzung in den Betrieben immer häufiger fehlen.« Aus diesem Grund müssten auch an den Universitäten die arbeitsrechtlichen Kompetenzen gestärkt werden und nicht, wie in der Justizministerkonferenz beschlossen, verringert.

Mehr als die Hälfte der Befragten wollen das zunehmende Arbeitsvolumen über Neueinstellungen abfangen. »Die Berliner Arbeitsgesetze führen also in einem ersten Schritt zu einem boomenden Arbeitsmarkt für arbeitsrechtliche Experten« so die kritische Stimme von BVAU-Vizepräsident Rupert Felder. Selbst wenn eine Neueinstellung erfolgen kann, verweisen mehr als 60% der Unternehmen auf große Probleme bei der Stellenbesetzung mit berufserfahrenen Arbeitsrechtlern. Die Einstellung von Berufsanfängern fällt leichter, geschieht zum Teil aber eben auch nur, weil keine berufserfahrenen Kolleginnen und Kollegen gefunden werden, so die Umfrageergebnisse weiter.

»Es ist ein deutliches Signal dafür, dass wir den arbeitsrechtlichen Nachwuchs fördern müssen, wenn wir zunehmend Schwierigkeiten haben, geeignete Fachleute für Arbeitsrecht zu finden« erklärt BVAU-Präsident Alexander Zumkeller. Auch eine Arbeitsverdichtung bei den Arbeitsjuristen ist festzustellen: allein annähernd 40% der befragten, überwiegend leitenden Unternehmensarbeitsrechtler bekommen keine zusätzlichen Stellen genehmigt.