Alles über die Karriere beim Ingenieurdienstleister: Arbeitsmarkt zweiter Klasse oder echte Chance?

Ingenieurdienstleister erfreuen sich bester Geschäfte, was nur zum Teil mit dem anhaltenden Fachkräftebedarf zu tun hat. Für die Kunden wichtiger ist die versprochene Beschäftigungsflexibilität: Wenn die Projekte ausgehen, können die Zeitarbeiter nach Hause geschickt werden. Auf dem Sofa macht man aber keine Karriere. Woraus die Erkenntnis folgt: Rechtzeitig abspringen!

Dass die ersten Wochen beim neuen Arbeitgeber kein Zuckerschlecken sein würden, hatte der Uniabsolvent ja schon geahnt. Und dass er in der zwei Monate währenden Probezeit für ein Praktikantengehalt von gerade mal 1200 Euro arbeiten sollte, konnte er auch noch akzeptieren, zumal er danach fast auf OEM-Niveau gehievt wurde. Aber dass sein Arbeitsverhältnis nach gerade mal neun Monaten wegen Auftragsmangel gekündigt wurde, das tat seinem Ego überhaupt nicht gut. Er teilte seine bittere Schlussfolgerung mit den Foristen von www.microcontroller.net „Bei Bertrandt bist Du nur so lange gut, wie Dein Projekt läuft.“

„Menschenhändler“, „Ausbeuter“, „Dampfplauderer bei Versprechungen“ – vielen Ingenieuren schwillt der Kamm, wenn sie nach ihren Erfahrungen mit Ingenieurdienstleistern gefragt werden. Die Bezahlung sei unterdurchschnittlich bis miserabel, die im Vorstellungsgespräch zugesicherte Weiterbildung blanke Augenwischerei, Aufstiegschancen könne man gleich ganz vergessen, und wenn das Projekt ohne Folgeauftrag zu Ende ging, dann käme postwendend der blaue Brief mit der betriebsbedingten Kündigung. Nein, so der Tenor, davon sei dringend abzuraten.

Es gibt aber auch andere Stimmen. „Bertrandt ist sehr gut“, protestiert ein Leser, dessen Nickname „Gast“ ihn allerdings in die Nähe eines Trolls rücken. Trolle sind Firmenbeauftragte, die in Chats und Foren gute Stimmung verbreiten sollen, und Trolle sind ständig und überall anzutreffen. Doch auch Autor „Gregor“, ein unverdächtiger Elektroingenieur, findet die Arbeit bei Bertrandt, neben Brunel und Ferchau einer der drei Marktführer unter den Ingenieurdienstleistern, mehr als akzeptabel. „Ich bin top zufrieden“, schreibt er, „ich sitze neben meinem Paten und kann ihn alles fragen. Besser geht es nicht.“

Auch wer im Techniker-Forum (www.Techniker-Forum.de) nach dem Grad der Zufriedenheit mit Ingenieurdienstleistern stöbert, gewinnt kein klares Bild. „Wenn Dich der Arbeitgeber nicht mehr ausleihen kann, kann er Dich jederzeit entlassen“, kritisiert „Vespacracker. „Ich bin jetzt seit zwei Jahren bei Yacht-Teccon und mir gefällt’s immer noch“, erwidert Nutzer „Luesik“. „Der Verdienst ist übertariflich, Zweitwohnung und Kilometergeld werden bezahlt.“ Vier Schulungen habe er binnen zwei Jahren angeboten bekommen und absolviert. Doch das Wichtigste: „Man lernt viele verschiedene Arbeitsbereiche und später spezialisiert man sich auf einen Bereich mit sehr breitem Allgemeinwissen.“

Mit diesem Argument hat „Luesik“ eine Punktlandung hingelegt. Denn der größte Vorzug einer Tätigkeit bei einem Ingenieurdienstleister ist tatsächlich die Vielfalt der Aufgabengebiete, in die Hochschulabsolventen von heute auf morgen hineingestellt werden. Das ist anders als bei einer Festanstellung, die einem in Catia oder in Schalttechnik fitten Bewerber angeboten wird. Dort heißt es oft: einmal Catia, immer Catia, einmal Schalttechnik, immer Schalttechnik.