Arbeitslose Ingenieure Angebot und Nachfrage passen nicht zusammen

Der Ingenieurarbeitsmarkt blieb auch im Krisenjahr 2009 stabil. In den Zahlen sind Existenzgründer und Ingenieure in Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen allerdings nicht enthalten.

Um den Bedarf im Bereich der Elektro- und Informationstechnik zukünftig decken zu können, will fast jedes zweite befragte Unternehmen auf Absolventen verwandter Fächer zurückgreifen, z.B. auf Naturwissenschaftler und Informatiker. Doch warum gibt es dann überhaupt noch arbeitlose Elektroingenieure?

Sollte man nicht eher auf arbeitslose Elektroingenieure zurückgreifen, bevor man auf andere Fächer ausweicht? So einfach scheint das auch wieder nicht, wie »Rainer Strohmann« Anfang März auf www.mikrocontroller.net schreibt: »Hallo Forum, wir sind schon seit längerem auf der Suche nach Software-Entwicklern für Human-Machine-Interaction im Embedded-Bereich. Irgendwie scheint der Markt an dieser Stelle leergefegt zu sein. Am Gehalt kann es nicht liegen, dass sich einfach keine geeigneten Bewerber finden. Wir suchen Mitarbeiter mit 3-4 Jahren Berufserfahrung, da das Thema für Absolventen wahrscheinlich zu komplex ist.«

»Komplex«, weil es im Studium der Allermeisten wahrscheinlich nicht auf dem Stundenplan stand - dazu ist die Programmierung von berührungsempfindlichen Bildschirmen noch zu neu. Etwa ein Jahr benötigen Elektroingenieure oder Informatiker, um sich »on the job« in die Thematik einzuarbeiten. Diese Einarbeitungszeit können die wenigsten Firmen derzeit aber aus Zeit- und Kostengründen spendieren. Eine Form des »Fachkräftemangels«, die aus Sicht des suchenden Unternehmens verständlich scheint, aber verzweifelt jobsuchenden Elektroingenieuren Wuttränen in die Augen treibt.

Auch der VDI hält längst nicht alle arbeitslosen Ingenieure für vermittelbar, was Personalberater wie Renate Schuh-Eder aus Baldham bei München bestätigen. Oft hat sich so mancher in eine technologische Nische manövriert, die am Absterben ist. Oder man hält an überzogenen Gehaltsforderungen und der liebgewonnenen Heimat mit Haus und Hund fest. Vor allem jüngere Ingenieure sind längst nicht so mobil, wie es Arbeitgeber gerne hätten.