IT-/Engineering-Freelancer Als Selbstständiger in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen?

Lohnt sich die gesetzliche Rentenversicherung für Selbstständige? Die Personalagentur und Projektbörse für externe IT- und Engineering-Spezialisten Gulp hat gemeinsam mit dem Münchner Rentenberater Johann Walter die wichtigsten Vor- und Nachteile der gesetzlichen Altersvorsorge zusammengefasst.

Vorteile der freiwilligen gesetzlichen Rentenversicherung für Selbstständige

Jeder, der nicht pflichtversichert ist, kann freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Ob sich das lohnt, ist immer eine individuelle Entscheidung. Sie hängt vor allem davon ab, welche Ansprüche der Selbstständige bereits erworben hat und welche er noch erwerben wird. Jeder hat seine individuelle Versicherungsgeschichte.

1. Altersrente
Ein Anspruch auf Altersrente hat nur, wer fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat. Stehen Selbstständige kurz davor, kann es sich lohnen, die fünf Jahre voll zu machen.

2. Anspruch auf Erwerbsminderungsleistungen
Mit Hilfe der freiwilligen Beiträge ist es außerdem möglich, sich den Erwerbsminderungsschutz aufrechtzuerhalten. Wer vor 1984 bereits fünf Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat und wessen rentenrechtliche Zeit seitdem keine Lücken aufweist (Arbeitslosigkeit, Ausbildung, Mutterschutz etc. zählen zur rentenrechtlichen Zeit), dem ist es anzuraten, weiterhin in die Rentenversicherung einzuzahlen, um sich den Anspruch auf Erwerbsminderungsrente zu sichern.
Zahlt der Selbstständige in so einem Fall nicht weiter ein, verfallen seine bisher erworbenen Ansprüche auf Erwerbsminderungsleistungen. Der Mindestbeitrag reicht, denn der Vorteil besteht unabhängig von der Beitragshöhe.
„Die 85.000 bei GULP eingetragenen IT-/Engineering-Selbstständigen sind im Schnitt 46 Jahre alt. Einige davon werden diese doch sehr restriktiven Vorgaben erfüllen und einen Anspruch auf Erwerbsminderungsleistungen haben“, so Susanne Schödl von Gulp.

3. Wartezeit für vorzeitige Altersrente
Außerdem sollten Sie checken: Wie viele Beitragsjahre fehlen noch, bis der Freelancer die Wartezeit für vorzeitige Altersrente erreicht hat? Eine Grenze sind derzeit 35 Jahre: Wer zum Beispiel 1955 geboren ist und 35 Versicherungsjahre voll hat, kann bereits mit 63 Jahren in Rente gehen. Wer feststellt, dass ihm dazu nur noch ein oder zwei Jahre fehlen, sollte freiwillig den Mindestbeitrag weiterzahlen.
„Im Durchschnitt waren die 2.107 Teilnehmer an der letzten GULP Stundensatz-Umfrage bereits seit zehn Jahren selbstständig. Insgesamt blicken sie auf 21 Jahre Berufserfahrung zurück – Freelancer also im Mittel elf Jahre Berufserfahrung, bevor sie sich selbstständig machen. Da kommen einige Beitragsjahre zusammen und es lohnt sich, eine genaue Rechnung über die Altersvorsorge aufzustellen“, ergänzt Schödl.

4. Anspruch auf Rehabilitationsleistungen
Besonders für privat Krankenversicherte wichtig: Ab 15 Beitragsjahren in der GRV stehen dem Versicherten Rehabilitationsleistungen und Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben zu. Das heißt, er kann zum Beispiel auf Kosten der Rentenversicherung auf Kur gehen. Wenn Selbstständige diese 15 Jahre noch nicht erreicht haben, ist es ebenfalls in der Regel sinnvoll, freiwillig den Mindestbeitrag weiter zu zahlen.