Alle für den Fortschritt, aber jeder für sich

Die deutsche Industrie lebt von Innovationen, und die stammen meist von Ingenieuren und Technikern. Aber warum setzen sich Menschen eigentlich aus freien Stücken an Schaltpläne und knifflige Berechnungen? Hierzulande muss es an einer genetischen Prädisposition liegen. Denn in den allgemeinbildenden Schulen kommt Technik nur als Wahlfach vor. Das soll anders werden.

Wer im Moment überhaupt an den Kauf eines neuen Autos denkt, liebäugelt mit einem Hybridmodell. Das jedenfalls behaupten die glücklicheren Händler, die heute schon einen solchen Doppelburger im Angebot haben. Die entscheidende Wende im Verkaufsgespräch bewirkt nicht selten die Prognose des deutschen Automobilpapstes Ferdinand Dudenhöffer, der zufolge nach 2025 alle PKW zumindest zum Teil elektrisch angetrieben werden. Da möchte man doch gern zu den Pionieren gehören.

Doch während sich auch heute noch stadtauf, dorfab meist männliche Jugendliche stundenlang und mit dem Akkuschrauber in der Hand unter aufgeklappten Motorhauben vergnügen, gibt es Abiturienten – nicht zu knapp übrigens – die während ihrer gesamten Schulzeit keinen Plan von Elektromotoren haben.

Weil sie Physik gleich nach der Optik abgewählt haben. Weil sie später mal Manager werden wollen und deshalb auf dem sozialwissenschaftlichen Zweig des Gymnasiums tänzeln. Weil ihnen alles, was dampft und rattert, von Haus aus unheimlich ist. Oder weil sie mit Mathematik auf Kriegsfuß stehen und völlig zu Recht befürchten, dass Technik etwas damit zu tun haben könnte. Haltet durch, Händler und Werkstattbesitzer! Euch steht eine goldene Zukunft ins Haus.

Technik-Ignoranz im Mutterland der Motorenbauer

Zugegeben: Das Beispiel illustriert nur einen kleinen Ausschnitt all der Folgen, die mit der immer noch zunehmenden Technikignoranz im Mutterland der Motorenbauer einhergehen könnte. Aber es liefert einen Hinweis darauf, warum die ersten marktgängigen Hybridantriebe eben nicht hierzulande, sondern in Fernost das Licht der aufgehenden Sonne erblickt haben.

»Zwar ist das Handy mittlerweile eine Alltagstechnik und bei der Internetnutzung werden die Unterschiede zwischen Personen mit unterschiedlichen Bildungsabschlüssen immer geringer«, sagt Regina Buhr vom Institut für Innovation und Technik des VDI/ VDE-IT, »von einer entwickelten technischen Allgemeinbildung kann in Deutschland dennoch nicht gesprochen werden.« Zwar gäbe es durchaus viel versprechende Aktivitäten auf dem Gebiet der technischen Bildung. Aber daran, beklagt die Sozialwissenschaftlerin, sei wenig zu bemerken.