Exklusiv: Neue VDE-Studie zu Generation 55 plus Ältere Elektroingenieure vor Beschäftigungsboom

Prognose von Ersatzbedarf an Elektroingenieuren und Absolventen im Studium Elektrotechnik und Informationstechnik. Der erwartete zusätzliche Bedarf ist ohne Prognose.
Prognose von Ersatzbedarf an Elektroingenieuren und Absolventen im Studium Elektrotechnik und Informationstechnik. Der erwartete zusätzliche Bedarf ist ohne Prognose.

Frühverrentung und Abfindungsangebote für Ingenieure ab 50 sind immer noch an der Tagesordnung. Demographiegerechte Personalpolitik? Für 65 Prozent der Unternehmen noch ein Fremdwort. Doch diese Mehrheit unterschätzt die Welle, die gewaltig auf den deutschen Arbeitsmarkt zurollt, das belegen neue Zahlen des VDE.

2013 war das letzte Jahr mit hohen Schulabgängerzahlen – von nun an geht’s bergab. Ältere Elektroingenieure – 55 plus - werden bereits in wenigen Jahren vor einem Beschäftigungsboom stehen. Das belegen neue Zahlen des VDE. Die Unternehmen kümmert das aber noch wenig: 65 Prozent der Unternehmen haben noch keine besonderen Maßnahmen getroffen, um sich auf ältere Elektroingenieure einzustellen.

Und das, obwohl Arbeitslosenquote der Elektroingenieure seit Jahren nur noch einen Bruchteil der allgemeinen Arbeitslosenquote in Deutschland beträgt. In diesem Jahr hat sie den Niedrig-Rekordwert von nur noch 1,5 Prozent erreicht. Der Anteil Älterer darunter, das belegt ein Blick auf die Statistik,  schrumpfte seit 2001 von 62 Prozent auf 45 Prozent in 2010. Noch 2001 war das Risiko für ältere Elektroingenieure, arbeitslos zu werden, 7,3mal höher als für Absolventen. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben: das Verhältnis betrug im Jahr 2009 nur noch 1,7.   

Die Absolventen-Schwemme (rund 520.000 spülten die Universitäten in diesem Jahr auf den Arbeitsmarkt), mag so manches Unternehmen in Sicherheit gewiegt haben. Doch ist sie trügerisch, denn die Einmaleffekte G8 und Wegfall der Wehrpflicht, die dazu geführt haben, werden sich so nicht mehr wiederholen.

 

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Elektroingenieure 55 plus

Die VDE-Fachausschüsse haben die Situation älterer Elektroingenieure untersucht und geben Empfehlungen, wie Unternehmen sich demografiefest machen.

Schon im nächsten Jahr werden die Schulabgänger mit Fachhochschulreife und  Hochschulreife nur noch knapp 460.000 erreichen. Ab ca. 2020 dann geht es empfindlich nach unten, bis auf rund 415.000 Hochschulabgänger in 2025.

Gleichzeitig drückt die demographische Entwicklung von der anderen Seite und schiebt das Angebot an Fachkräften zusammen in Richtung einer immer älter werdenden Beschäftigtengeneration, die an den Rändern durch Ruheständler  - unumkehrbar – abbröckelt.

Das führt zu einem steigenden Ersatzbedarf. Der VDE rechnet damit, dass dieser Ersatzbedarf zwar noch durch Absolventen abgedeckt werde kann – nicht mehr jedoch der zu erwartende zusätzliche Bedarf durch Expansion. „Dies wird durch die wachsende Bedeutung der Elektrotechnik und Informationstechnik in der deutschen Wirtschaft induziert“, sagt der Autor der Studie Dr. Michael Schanz, Arbeitsmarktexperte beim VDE mit Blick auf Projekte wie Elektromobilität, Energiewende, Medizintechnik, Gebäudeautomatisierung, um nur einige zu nennen.

Der Anteil der über 50-Jährigen an den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Elektroingenieuren in Deutschland hatte bereits 2010 die Marke von 30 Prozent überschritten – und die Tendenz zeigt nach oben. Der Anteil der jüngeren liegt in dieser Berufsgruppe nur noch bei 18 Prozent – Tendenz fallend. „Damit haben sich die Anteile dieser Altersgruppen an den beschäftigten Elektroingenieuren im Zeitraum 1999 bis 2011 praktisch umgekehrt“, sagt Schanz.