Kommentar Wird Industrie 4.0 amerikanisch?

Karin Zühlke, Markt&Technik
Karin Zühlke, Leitende Redakteurin, Markt&Technik

Insider wussten es schon seit geraumer Zeit – seit Anfang März ist es auch offiziell bestätigt: Vertreter der Plattform Industrie 4.0 und des Industrial Internet Consortium haben sich auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Gibt die deutsche Plattform Industrie 4.0 damit das Heft aus der Hand?

Künftig sollen also beide Organisationen an einem Strang ziehen und bei der Standardisierung zusammenarbeiten. Ebenso sollen die beiden Architekturmodelle RAMI - das Referenzarchitekturmodel für Industrie 4.0 - und IIRA - die Industrial Internet Referenzarchitektur - miteinander harmonieren und interoperieren. Wie das im Detail gelingen soll, ist allerdings noch nicht klar. Eine Alternative wäre, die beiden Referenzmodelle zu einem zusammenzuführen.

Dass es nicht erfolgsversprechend sein konnte, wenn zwei Organisationen um die Vorherrschaft bei Industrie 4.0 buhlen, war klar; dass Industrie 4.0 international sein muss und nicht an Ländergrenzen halt machen darf, auch. Viele (Verbands-)Köche und politisches Kompetenzgerangel zwischen dem CDU-geführten Forschungsministerium und dem SPD-geführten Wirtschafts-Ressort führten allerdings dazu, dass der Start der Plattform Industrie 4.0 holprig verlief, und die dringend notwendige Neu-Organisation ebenso. An eine internationale Ausrichtung wurde dabei erst einmal gar nicht gedacht.

Das IIC hat sein Ziel erreicht und ist vom "Follower" zum gleichberechtigten starken Industrie-4.0-Partner avanciert. Richard Soley, Leiter des IIC, hat hervorragende Arbeit geleistet. Das Industrie-dominierte IIC hat es innerhalb kurzer Zeit geschafft, alle namhaften und für Industrie 4.0 wichtigen Firmen als Mitglieder zu gewinnen, darunter auch zahlreiche deutsche. Man konnte sogar zwischenzeitlich den Eindruck gewinnen, als ob das IIC die Fäden in die Hand nimmt und die Richtung vorgibt. Jedenfalls ist es dem IIC gelungen, der weiteren Entwicklung von Industrie 4.0 ihren Stempel aufzudrücken.

Und welchen Gewinn zieht die Plattform aus der Kooperation? Deutschland bzw. das exekutive Organ "Plattform Industrie 4.0" konnte den Vorsprung des "Erfinders" von Industrie 4.0 nicht für sich nutzen. Ob Industrie 4.0 nun seiner ursprünglichen Aufgabe - den Produktions-standort für die nächsten Dekaden zu sichern - Rechnung tragen wird, bleibt fragwürdig. Schönreden hilft da wenig. Denn am Ende fragt niemand mehr: "Wer hat's erfunden?"

P.S.: Damit Sie Ihren Vorsprung in punkto Industrie 4.0 und Digitalisierung nicht verpassen, möchten wir Sie schon jetzt herzlich zu unserem 4. Industrie 4.0 & Industrial Internet Summit am 20.&21. Oktober in München einladen. Wenn Sie das Programm aktiv mitgestalten möchten: Bis zum 8. April läuft noch unser Call-for-Papers. Mehr dazu auf der Veranstaltungsseite www.industrie4-summit.de.