Alter Hase holt Start-Up an Board »Wir wollen lernfähig bleiben«

Die Erfindung des Filterlüfters und der Blitzleuchte geht auf den Firmengründer Otto Pfannenberg, zurück. Sohn Andreas ist heute Vorsitzender der Geschäftsführung.
Die Erfindung des Filterlüfters und der Blitzleuchte geht auf den Firmengründer Otto Pfannenberg, zurück. Sohn Andreas ist heute Vorsitzender der Geschäftsführung.

Der Elektrotechnik-Hersteller Pfannenberg hat die Zeichen der Digitalisierung erkannt – und dazu in ein Start-up investiert. Die Firma Cybus entwickelt Software für den Industrie-4.0-Shopfloor.

Das Interesse an Industrie 4.0 ist im deutschen Mittelstand manchmal noch etwas zaghaft – bis zu dem Moment, in dem die essentiellen Vorteile wirklich verstanden werden.

Wenn beim Hamburger Elektrotechnik-Hersteller Pfannenberg Group der Chef Andreas Pfannenberg von »seinen Kühlgeräten am anderen Ende der Welt« spricht, dann weiß er, wovon er redet. Nicht nur weil er seine Produkte in- und auswendig kennt, sondern weil er weiß, wie und wo sie in diesem Augenblick eingesetzt werden, welche Umgebungstemperatur herrscht, wann sie das letzte Mal mit Stromschwankungen zu tun hatten und vieles mehr, alles durch einen schnellen Blick auf das eigene Produkt-Dashboard. Ermöglicht wird das Dank eines jungen Start-ups, in den Andreas Pfannenberg Mitte vergangenen Jahres eigenes Kapital investiert hat: Die Firma Cybus, ebenfalls in Hamburg ansässig, entwickelt für die Industrie 4.0 eine Connectware. Die Lösung erlaubt es, unabhängig von Maschine und Schnittstelle Daten aus der physischen Produktion in einer sicheren, lokalen IT-Umgebung zu sammeln und für Industrie-4.0-Anwendungen zu nutzen. Damit lassen sich auch Maschinen unterschiedlicher Protokolle, bei Bedarf auch an unterschiedlichen Standorten, zusammen überwachen, steuern und optimieren.

Gerade Hersteller von Industriegeräten und Komponenten können hieraus Vorteile ziehen, da Sie zum ersten Mal dank der Cybus-Lösung in die eigenen Produkte Einsicht haben. »Bisher wussten wir im Prinzip nichts über unsere Anlagen und Geräte, die beim Kunden im Einsatz waren. Wie er damit umgeht, unter welchen Bedingungen sie eingesetzt werden, wann und wieso sie vielleicht ausfallen«, so Andreas Pfannenberg.

Doch noch viel interessanter: Maschinenhersteller können darauf aufbauend den Kunden eigene digitale Geschäftsmodelle für ihre physischen Geräte bieten. Es wird dem Kunden nicht nur das Gerät geliefert, sondern zusätzlich ein Service für Fernwartung und -überwachung, Analyse und Alarm-Funktionen, automatische Updates der Maschinensoftware und vieles mehr.

Auf der anderen Seite stehen die Anwender: Produktionsbetriebe, die von eben diesen Industrie-4.0-Services profitieren. In den vergangenen 16 Monaten hat daher auch bei Fabrik- und Produktionsbetreibern ein Umdenken eingesetzt. Trotz voller Auftrags-bücher wird das Thema „Industrie 4.0“ immer weiter nach vorne gestellt. Das Interesse an Services durch Maschinen- und Gerätehersteller nimmt zu, ebenso die Nachfrage nach solchen Diensten. Viele Produzenten von Industriegeräten und Komponenten müssen nun auf die neue Marktsituation reagieren, um mit eigenen digitalen Services den derzeit noch guten Vorsprung in Deutschland sichern zu können.