Siemens und ID Consult »Wir wollen Digitalisierung greifbar machen«

Zentraler Dreh- und Angelpunkt im Lab ist der multifunktionale „Beratungstisch“.

Interdisziplinär die Digitalisierung von Produkten und Geschäftsmodellen voranbringen – das ist der Ansatz des neuen Innovation & Digitalization Lab von Siemens Industry Software und ID-Consult, eröffnet am 14. Juli in München.

»Am 1. März wurden die Räume in der Münchener Rupert-Meyer-Straße angemietet – vier Monate später folgt die Eröffnung«, berichtet Dr. Jan Göpfert, Geschäftsführer von ID-Consult. Auf knapp 400 m² stehen Equipment zur Visualisierung, 3D-Drucker und flexibel nutzbare „Working Spaces“ für Workshops und den Erfahrungsaustausch zur Verfügung.

Das Lab führt alle am Produktentstehungsprozess beteiligten Disziplinen systematisch zusammen, so der Anspruch. Kunden und Partner von Siemens und ID-Consult haben die Möglichkeit, den gesamten Entstehungsprozess ihres Produkts zu visualisieren, erleben und zu gestalten. »In unserem Innovation & Digitalization Lab ermöglichen wir es, Auswirkungen von Anforderungen und Produktarchitekturentscheidungen zu simulieren und über die Entwicklung bis hinein in die Produktionsprozesse nachzuverfolgen. So lassen sich Prozesse - falls nötig - frühzeitig korrigieren«, erläutert Dr. Göpfert. Anhand von Showcases, die sukzessive ebenfalls im Lab aufgebaut werden, soll Kunden künftig die durchgängige Methodik der Produktentwicklung aufgezeigt werden.

Einer dieser Showcases ist der smart vernetzte Kaffeevollautomat von BSH Hausgeräte aus Traunreut. Die EQ9 wurde mithilfe der PLM-Tools von Siemens Industry Software und ID Consult entwickelt (PLM: Product Lifecycle Management). Diese Software-Tools bilden einen vollständigen Produktentstehungsprozess ab. ID Consult bringt dazu ihr Werkzeug „Metus“ ein, Siemens seine PLM-Suite.
Die Kaffeemaschine adressiert das Premium-Lifestyle-Segment und ist dementsprechend hochwertig ausgestattet. Die Smart-Services-Connect-Variante verfügt über eine Coffee Playlist und kann komplett über eine App vom Smart­phone oder Tablet gesteuert werden.

Entwickelt wurde die EQ9 auf Basis einer modularen Baukasten- und Plattformstrategie. »Sie besteht aus mehr als 700 Einzelteilen«, erklärt ihr Chef-Entwickler Andreas Liebl, Leiter Entwicklung Consumer Products von BSH Hausgeräte. »Alles was sichtbar ist, ist Varianz - das Innenleben ist Standard.« Mit Metus wurde die Produktstruktur entworfen, die Stückliste und das Mapping der von der Differenzierung betroffenen Komponenten. »Die Optimierung des Konzepts hat sowohl Entwicklungsaufwand und die Herstellungskosten gesenkt als auch die Komplexität des Produktes insgesamt«, bestätigt Liebl. Metus wird in der frühen Phase der Produktentwicklung eingesetzt – vom Anforderungsmanagement über die Gestaltung modularer, variantengerechter Produktarchitekturen und Baukästen bis hin zur Kostenoptimierung und dem Aufbau von Supply Chain und Fertigungsprozessen.

Die Partnerschaft zwischen ID Consult und Siemens entstand nach Auskunft von Urban August, CEO von Siemens Industry Software, direkt in der Zusammenarbeit bei einem Kunden. »Wir haben festgestellt, dass unsere PLM-Tools gar nicht so effizient genutzt werden wie möglich und daher entschieden, dass wir unsere Wertschöpfungskette um den Punkt ‚Prozessarchitektur‘ erweitern.« Das, so Urban, bedeute für den Kunden eine klare Verbesserung im Engineering Prozess. »Wenn ich ganz vorne in der Kette klare Strukturen habe, fällt es leichter, die Prozesskette zu implementieren.«