Elektronische Lizenzierung und neue Geschäftsmodelle »Wir sind ein wichtiges Element in der digitalen Transformation«

Industrie 4.0 gibt elektronischen Lizenzierungsmodellen neuen Schub.

»Jetzt entdecken Firmen im Embedded-Systeme-Umfeld und Maschinenbauer die Chancen, die darin stecken, ihre Software zu monetarisieren und im Zuge der digitalen Transformation neue Geschäftsmodelle zu entwickeln«, sagt Sinisa Susovic, Senior Solution Engineer von Flexera Software.

Mark&Technik: Lizenzierungsstrategien und Strategieschutz war bisher vor allem in der Softwarebranche ein Thema. Hersteller von Hardware und Embedded-Systemen haben das bisher eher am Rande betrachtet. Ändert sich das jetzt im Zeitalter von Industrie 4.0 und IoT?

Sinisa Susovic, Flexera Software: Ja, das ist zu beobachten, denn überall wird die Software immer wichtiger. Sie muss geschützt werden und wird zunehmend Teil des Umsatzmodells. Die Nutzung von Baumaschinen etwa – um ein Beispiel zu nennen, das vielen wohl nicht als erstes in den Sinn kommt – kann heute sehr viel flexibler abgerechnet werden: Der Betreiber bezahlt nur für die Funktionen, die er tatsächlich nutzt. Solche Modelle sind für diese Industrie ganz neu, und deshalb kommt Flexera Software jetzt ins Spiel, weil wir schon lange Erfahrungen mit Lizenzierungsmodellen in der Softwarebranche gesammelt haben. Die Anforderungen der neuen Kunden unterscheiden sich natürlich etwas von dem, was wir im klassischen Software-Umfeld bisher gemacht haben. Denn wir haben es jetzt mit Embedded Software zu tun, mit speziellen Betriebssystemen und Firmware. Doch prinzipiell ist es kein Problem, die Modelle ins Embedded-Umfeld zu übertragen.

Wo liegen die besonderen Schwierigkeiten?

Wie gesagt, wir haben es mit besonderen Betriebssystemen zu tun, mit unterschiedlichen Prozessorarchitekturen, mit Firmware und mit Software von Drittherstellern, die ebenfalls in den Embedded-Systemen arbeiten. Teilweise sind die Geräte bereits vernetzt und teilweise nicht oder zumindest nicht permanent. Da ist es natürlich eine Herausforderung, herauszufinden, wie man die Lizenzierungsmodelle unter diesen Bedingungen am besten integriert.

Was kann Flexera tun?

Das Wichtigste ist, die gesamte Digital Supply Chain abzubilden und transparent zu machen – von der Entwicklung bis zur Lokalisation des Endprodukts. Das ist die Basis für die Durchsetzung und Umsetzung von Lizenzierungsmodellen und für die Bereitstellung von Security-Updates. Flexera Software bietet eine Standardlösung für die Umsetzung aller gängigen Lizenzmodelle: eine Technologie, mit deren Hilfe Software- und Firmwareupdates durchgeführt werden können, und eine Backoffice-Anwendung, die für den Hersteller überhaupt erst abbildet, welcher Kunde welche Berechtigungen hat, wofür er also bezahlt hat, und welche Leistungen ihm damit zustehen. Hat er etwa einen unbefristeten Wartungsvertrag oder ist dieser zeitlich begrenzt? Hat er ein Gerät – etwa ein MRT, um ein Beispiel aus der Medizintechnik zu nennen – komplett erworben oder bezahlt er nur per Nutzung? Mit zunehmender Flexibilität der Lizenzmodelle wird die Herausforderung größer, auch die Berechtigungen der Kunden stringent zu verwalten.

Denken die Embedded-System-Hersteller und ihre Kunden jetzt verstärkt daran, ihre Lizenzen besser zu monetarisieren

Es geht zunächst darum, überprüfen zu können, wo Lizenzen anfallen, um sie überhaupt in Rechnung stellen zu können. Es tauchen jetzt aber auch neue Fragen auf, denn im Allgemeinen gehört die Maschine dem Endkunden, auf Software hat er aber nur ein Nutzungsrecht. Ist das Nutzungsrecht am Ende der Lebensdauer des Geräts beendet oder ist sie auf andere Geräte transportierbar? Und wie kann man diesen Prozess transparent machen? Das geht bis hin zu Gewährleistungsfragen, an die die Gerätgehersteller oft gar nicht denken.

IoT und Industrie 4.0 geben nun also einen kräftigen Schub?

Ja, unter dem Firmen im IoT- und Industrie-4.0-Umfeld ist ein starker Wettbewerb im Gange, die Möglichkeiten der Vernetzung umzusetzen. Keiner will den Trend verpassen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Manuelle Messgeräte für die Luftqualität, die Schornsteinfeger bisher eingesetzt haben, werden durch Sensoren verdrängt, die Schornsteinfeger einfach im Schornstein anbringen. Sie nehmen die Daten auf und übertragen sie in die Cloud, wo sie gespeichert und ausgewertet werden. Wenn nun die Lizenzen übertragen und aktiviert werden sollen, dann kommen wir ins Spiel: Wir stellen sicher, dass das echte Zertifikat und der Aktivierungs-Key verschlüsselt übertragen werden.

Kommen auch neue Geschäftsmodelle ins Spiel?

Ja, die Gerätehersteller können dem Endanwender beispielsweise erlauben, bestimmte Funktionen nur für einen bestimmten Zeitraum freizuschalten. Das ist heute zugegebenermaßen noch nicht weit verbreitet, aber das Interesse daran hat stark zugenommen. Insgesamt sehen sich die Hersteller von Embedded-Systemen zunehmend dem Druck ihrer Kunden ausgesetzt, sich mit solchen neuen Geschäftsmodellen zu befassen. Die Endkunden sollen beispielsweise die Möglichkeit bekommen, die Geräte nicht zu kaufen, sondern zu mieten und je nach Nutzung zu bezahlen. Oder sie bezahlen eine bestimmte monatliche Gebühr für die Geräte und die Software und bekommen je nach Vertrag Updates vom Hersteller oder einen Austausch der Geräte nach einem bestimmten Zeitraum. Im Softwarebereich gibt es solche Modelle schon lange, für Hardware-Hersteller ist es aber neu. Doch der Gerätemarkt holt jetzt sehr schnell auf.