Smarte Roadmap für die smarte SMT-Fertigung »Wir bringen künstliche Intelligenz in die SMT-Fertigung«

Process Expert geht in Richtung Steuerung/Regelung

Seit Jahren gibt es bekanntlich die Diskussion um einen Standard für SMT-Maschinen-Schnittstellen, der aus Kundensicht sinnvoll wäre . . .

Es wird in der Tat immer wieder darüber diskutiert, aber momentan ist ein solcher Standard weiterhin nicht in Sicht.

MES-Systeme sind in der Industrie 4.0 Dreh- und Angelpunkt. Ist die Zusammenarbeit mit MES-Herstellern intensiver geworden?

Die Lösungen werden mehr und mehr gemeinschaftlich entwickelt. Wir arbeiten mit vielen MES-Herstellern zusammen, um deren Lösungen in Kundenprojekte zu integrieren.

Visionär gefragt: Übernimmt das MES durch die zunehmende Digitalisierung künftig das „Heft“ in der SMT-Fertigung und wird regelnd/steuernd in die Prozesse eingreifen?

SMT-Prozesse beherrscht niemand besser als der, der die Maschinen inklusive integrierter Software herstellt. MES-Systeme sind ein wichtiger Baustein, um Fertigungsdaten sammeln, auswerten und analysieren zu können, aber der Fertigungsprozess an sich muss in den einzelnen Maschinen bzw. Linien gesteuert und optimiert werden. Wir haben zur productronica eine neue Lösung vorgestellt, das Expertensystem ProcessExpert, mit der wir einen Schritt in Richtung Regelung/Steuerung gehen: Damit bringen wir eine Art künstliche Intelligenz in die SMT-Fertigung, die selbstregulierende Prozesse anstoßen kann.

Was genau kann dieses System?

Es kann Druckergebnisse nicht nur höchst genau messen und steuern, sondern übernimmt erstmals auch die fortlaufende, automatische Stabilisierung und Optimierung der Druckprozesse. ASM ProcessExpert besteht aus dem präzisen 5D-Solder-Paste-Measurement-System „ASM ProcessLens“ und der Echtzeit-Software „ASM ProcessEngine“ mit Wissensdatenbanken. Mit Spezialfunktionen wie DFM HealthCheck und Fractional Experiments sichert ASM ProcessExpert den Elektronikfertigern deutlich schnellere und zuverlässigere Produktneueinführungen. In der Serienfertigung übernimmt ASM ProcessExpert die Kontrolle der Druckprozesse und steuert pro-aktiv und automatisch die mit dem Expertensystem vernetzten DEK-Schablonendrucker, um mit optimalen Druckprozessen Produktqualität, Yield-Raten und die Produktivität der SMT-Linien deutlich zu erhöhen.

Wäre ein solches System auch für den Bestückprozess denkbar?

Selbstverständlich, das wäre ein weiterer Schritt in Richtung Smart #1 Factory. Hier liegt sicherlich auch einer unserer Vorteile, wir arbeiten heute schon daran.

Einige SMT-Maschinenbauer haben auf der productronica Augmented-Reality-Lösungen vorgestellt, die zum Beispiel über ein Tablet den Blick ins Innere der Maschine ermöglichen. Wie weit ist ASM in dieser Hinsicht?

Solche Lösungen könnten in Zukunft einen breiten Nutzen bieten – vom Service bis hin zum Vertrieb. Wir beschäftigen uns mit diesem Thema und haben bereits Konzept-Studien erstellt. Wir haben zahlreiche Forschungsaktivitäten mit smarten Technologien am Laufen, die wir auch gemeinsam mit unseren Kunden auf ihren Nutzen im Feld testen, so zum Beispiel eine Smart Watch für den Maschinen-Operator: Der Bediener kann alle Funktionen und Aufgaben, die er normalerweise im Set-Up-Center sehen würde, von seiner Smart Watch ablesen. Bei aller Begeisterung für solche smarten Technologien darf man aber auch nicht vernachlässigen, dass die klassische Maschinentechnik weiterhin Dreh- und Angelpunkt der SMT-Fertigung ist und ständig weiterentwickelt und verbessert werden muss.

Zum Beispiel?

Wir haben zum Beispiel mit der Siplace TX neue, extrem kompakte Bestückmodule vorgestellt, die bei zentralen Leistungsdaten wie Bestückleistung, Flächenproduktivität und Bestückgenauigkeit branchenweite Rekordmarken setzen. Die kompakten Module bieten neue Freiheiten bei der Dimensionierung von SMT-Linien und erlauben erstmals die Serienbestückung der neuesten Generation superkleiner 0201-Bauelemente. Mit DEK NeoHorizon und DEK NeoHorizon Back-to-Back haben wir gleichzeitig sehr leistungsfähige, über Module flexibel konfigurierbare Druckerplattformen lanciert. Hinzu kommen Innovationen bei den Druckerschablonen: Die beschichteten DEK-Nano-Ultra-Schablonen verschieben bestehende Grenzen beim Lotpastendruck in Fine-Pitch-Anwendungen: Die Transfereffizienz der Lotpaste steigt je nach Apertur um bis zu 40 Prozent.

Last but not Least: Was erwarten Sie für Ihre Geschäftsbereiche im neuen Jahr?

Die Konkurrenz schläft nicht. Und sicherlich wird 2016 kein leichtes Jahr für uns, denn eine Führungsposition zu behalten, bedarf großer Anstrengungen. Aber ich bin davon überzeugt, dass das gesamte ASM Team mit Innovationskraft und höchstem Engagement an unserer Zukunftsstrategie „Wir wollen der wichtigste Partner und Enabler für unsere Kunden auf dem Weg zu Smart #1 SMT Factory sein“ arbeiten wird.