Von Minus bis Plus ist alles möglich Wie wird das Jahr 2016?

Der deutsche Halbleitermarkt wird in diesem Jahr um 7,2 Prozent wachsen.
Der deutsche Halbleitermarkt wird in diesem Jahr um 7,2 Prozent wachsen.

Das Jahr 2016 wird den meisten Branchen keine gigantischen Wachstumsraten bescheren, aber es wird sicherlich auch nicht als Katastrophenjahr in die Annalen eingehen. Glücklich schätzen dürfen sich die Zulieferer für die bedrahtete Kommunikation, denn dieser Markt soll am stärksten wachsen.

Auf große Probleme müssen sich die Speicherhersteller einstellen: Der Markt soll deutlich schrumpfen.

»Man muss kein Prophet oder Insider sein, um festzustellen, dass Mikroelektronik weiter eine wachsende Rolle spielen wird und die Stückzahlen sowohl in Consumer-nahen Anwendungen als auch in allen Feldern der Industrie weiter deutlich steigen werden – dazu sind die Effekte der Bauelemente auf die Leistungsfähigkeit, Anwendungsmöglichkeiten und Energieeffizienz von Elektroniksystemen einfach zu signifikant«, sagt Georg Steinberger, Vorstandsvorsitzender des FBDi e.V. und Chairman DMASS Ltd. Laut seiner Aussage war 2015 die Bauelementedistribution in Europa stabil, »wenngleich der Druck auf die Profitabilität anhielt und das Geschäftsmodell von Distributoren aller Größen weiterhin herausgefordert wird«.

Für dieses und die nächsten Jahre geht er davon aus, dass dank IoT, Industrie 4.0, Cloud Services etc. noch deutlich mehr Bauelemente gebraucht werden. Wermutstropfen dabei sei aber, dass dieses Mehr auch Preisverfälle zur Folge haben kann.
Ein Bereich, auf den das 2016 nicht zutrifft, sind die Sensoren, denn »deutlich mehr« spiegelt sich auch in guten Umsatzzuwächsen wider. So erklärt Dr. Martin U. Schefter, Vorstand von First Sensor: »Das Marktwachstum lag in der Vergangenheit bei 9 Prozent pro Jahr und dürfte sich auf ähnlichem Niveau fortsetzen.« Mit dieser Wachstumsrate belegen die Sensoren eine Spitzenposition.

Auf der gegenüberliegenden Seite stehen die Speicher: Wenn Dale Fords Prognose als Vice President & Chief Analyst IHS Technology stimmt, müssen sich die DRAM-Hersteller auf ein Umsatzminus von knapp 10 Prozent einstellen. Die meisten anderen Halbleiterkategorien bewegen sich wachstumstechnisch zwischen den Sensoren und den Speichern.

Ob die Umsätze in diesem Jahr schrumpfen oder wachsen, hängt natürlich auch von den bedienten Zielmärkten ab. Auch hier gibt es Gewinner und Verlierer. Glücklich dürfen sich Halbleiterhersteller schätzen, deren Komponenten in der bedrahteten Kommunikation eingesetzt werden, denn dieser Markt soll laut Ford in diesem Jahr mit 8,1 Prozent am stärksten zulegen. Kommunikation kann aber auch anders, denn die Umsätze der Halbleiterhersteller für die drahtlose Kommunikation sollen in diesem Jahr um 5,4 Prozent schrumpfen – der größte Rückgang überhaupt, den Ford prognostiziert. Das zweitstärkste Wachstum dürfte das Industriesegment zeigen: in der Summe um 7,5 Prozent. Der Markt für industrielle Bildverarbeitung soll laut einer Prognose des VDMA-Fachverband Robotik+Automation um 7 Prozent zulegen.

Unsicherheit in der Weltwirtschaft

Wie die Zuwachsraten schlussendlich ausfallen, wird sich zeigen, Unsicherheit besteht immer. So erklärt Dave Cipriani, Vice President und General Manager of Oscilloscopes and Protocol Division von Keysight: »Der bedeutendste wirtschaftliche Faktor, der unseren Markt betrifft, ist die Unsicherheit in der Weltwirtschaft. Negative Auswirkungen sind nicht auszuschließen. Andererseits: Falls sich die Erholung, die 2015 in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum eingesetzt hat, fortsetzt und die wirtschaftliche Lage in Amerika und China stabil bleibt, wird das positive Auswirkungen haben.«