Bausteine zur KI? Wie Kinder die Muttersprache erwerben

Forscher der Universität Konstanz wollen mit dem Babysprachlabor herausfinden wie Säuglinge verschiedene Laute wahrnehmen, wann ein Baby eine Sprache lernt und wann sich eine Muttersprache herausbildet.
Forscher der Universität Konstanz wollen mit dem Babysprachlabor herausfinden wie Säuglinge verschiedene Laute wahrnehmen, wann ein Baby eine Sprache lernt und wann sich eine Muttersprache herausbildet.

Wie hängen Denken und Sprache zusammen, wie erlernt der Mensch Sprache? Können sprechende Maschinen denken? Ein Baby-Sprachlabor könnte Antworten geben.


Plötzlich spricht jeder über künstliche Intelligenz. Die Frage aber, was Denken und Intelligenz ausmacht, ist eng mit der Frage verknüpft, was Sprache ist. Denn Denken und Sprache scheinen in engen Zusammenhang zu stehen. Darüber zerbrach sich schon Platon den Kopf und mit ihm die meisten seiner Nachfolger. Von den christlich geprägten Philosophen des Mittelalters über die Vertreter der Aufklärung, bis in die moderne Zeit, von Kant über Wittgenstein bis zu den analytischen Philosophen. Dann setzten auch die Psychologen und die Naturwissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen ihren Fokus auf die Frage, wie der Mensch Sprache erwirbt und wie die Sprache das Denken bestimmt – oder umgekehrt.

Schon dem Staufer-Kaiser Friedrich II wird ein der Zeit angemessen grausames Experiment zugeschrieben: Um zu ergründen, welches die angeborene Ursprache ist, soll der stupor mundi veranlasst haben, dass Babys in vollkommener Isolation ohne menschliche Ansprache aufgezogen wurden. Doch keines der Kinder habe die grausame Prozedur überlebt, die Ursprache blieb mithin im Dunkeln, falls es denn überhaupt eine geben sollte.  

Heute sehen die Experimente dazu vollkommen anders aus, wenn auch die Fragen ganz ähnliche sind: Wann lernt ein Baby eine Sprache? Wie nehmen Säuglinge die verschiedenen Laute wahr? Und wann bildet sich die Muttersprache heraus?

Das wollen Forscher an der Universität Konstanz jetzt herausfinden – in einem Babysprachlabor.

Dass Henri an diesem Morgen im Dienste der Wissenschaft unterwegs ist, weiß er nicht. Das Baby sitzt auf dem Schoß seiner Mutter, vor ihm zeigt ein Bildschirm ein buntes Muster, von rechts und links erklingen Silben aus einem Lautsprecher. Wenige Minuten dauert der Test im Babysprachlabor der Universität Konstanz. Wenn zu lange die gleiche Silbe kommt, wird dem kleinen Henri langweilig. Sobald er einen neuen Laut hört, schaut er wieder auf den Bildschirm. Eine Kamera zeichnet seine Kopf- und Augenbewegungen auf – Henris Reaktionen helfen Wissenschaftlern dabei, Erkenntnisse zum Spracherwerb von Babys zu gewinnen.