Industrie 4.0 Weiterbildung wird noch stark vernachlässigt

Während die Diskussion um die Integration von Technologien, die unter dem Schlagwort Industrie 4.0 zusammengefasst werden, in vollem Gange ist, wird das Thema der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften noch stark vernachlässigt. Gremien und Initiativen fordern zwar neue Konzepte, von deren Ausarbeitung aber noch wenig zu spüren ist.

"Es zeichnet sich schon länger ab, dass Ingenieure mit interdisziplinären Kenntnissen an der Schnittstelle von Informatik und Mikrosystemtechnik gefragt sind und zunehmend gefragt sein werden" sagt Dr. Tobias Schubert vom Lehrstuhl für Rechnerarchitektur der Universität Freiburg. Für das hiesige Weiterbildungsprogramm Intelligente Eingebettete Mikrosysteme (IEMS) arbeitet der Experte für Eingebettete Systeme an der Entwicklung neuer Weiterbildungskurse und -konzepte und setzt sich für den Wissenstransfer zwischen Hochschule und Wirtschaft ein. Bis bestehende Ausbildungskonzepte an die aktuellen Entwicklungen angepasst sind und erste Absolventen als Fachkräfte zur Verfügung stehen, ist es jedoch ein weiter Weg. In gezielten Weiterbildungsmaßnahmen sieht Schubert einen guten Weg, einem Fachkräftemangel entgegenzuwirken: "Die wissenschaftliche Weiterbildung bietet Unternehmen und ihren Mitarbeitern die Chance, schon jetzt berufsbegleitend die notwendigen Kenntnisse und Kompetenzen zu erwerben, die die Industrie für ihre Weiterentwicklung braucht."

Das Interesse an den berufsbegleitenden Kursen im Bereich Embedded Systems und am Online-Masterstudiengang "Intelligente Eingebettete Mikrosysteme" zeigt, welche technischen Aspekte der viel diskutierten Industrie 4.0 schon jetzt Anwendung in den Unternehmen finden. Embedded und Cyber Physical Systems sind für viele Unternehmen keine Zukunftsmusik mehr, sondern bereits Grundlagentechnologie. Vor allem für Echtzeit-Anwendungen und die fortschreitende Automatisierung von Produktionsprozessen werden sie benötigt.

Auch und vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen ohne eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die naturgemäß über eine geringere Ausstattung an Ressourcen verfügen, sieht Katrin Weber, Geschäftsführerin des Weiterbildungsprogramms IEMS, in der wissenschaftlichen Weiterbildung eine große Chance: "Die Vorteile sind klar erkennbar: Nicht nur die Inhalte der Kurse sind fachlich auf dem neusten Stand. Auch die Lernformen sind an die Situation unserer Teilnehmer angepasst." Ein Großteil der Lehre laufe dabei online ab, was den Teilnehmern eine freie Einteilung ihres Lernplans ermöglicht und die Vereinbarung von Weiterbildung und Beruf zulässt. "Die Kombination von kurzen Präsenzphasen am Wochenende und praxisorientierten Selbstlernphasen mit intensiver Betreuung durch Fachexperten wird von unseren Teilnehmern sehr geschätzt."

Weber glaubt, dass Unternehmen momentan noch zu wenig in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter in Vorbereitung auf die Industrie 4.0 investieren. "An den Anfragen für unsere Weiterbildungskurse erkennen wir deutlich, dass die Initiative meist von den Arbeitnehmern selbst ausgeht. Sie wollen ihre berufliche Perspektive verbessern und sind an neuen Forschungsergebnissen interessiert, die sie oftmals auch in ihrer täglichen Arbeit anwenden können." Doch nur ein Viertel der Arbeitgeber übernehme aktuell auch die Kosten für die Weiterbildungskurse, Anfragen von Firmen zu Weiterbildungsmöglichkeiten haben Seltenheitswert, so Weber.

Dabei besteht großes Potential für Kooperationen von Unternehmen mit der Universität im Bereich der Weiterbildung. Durch eine intensive Zusammenarbeit lässt sich in Bedarfsanalysen gemeinsam ermitteln, welche der in den Medien stark diskutierten Themenfelder der Industrie 4.0 für die Zukunftsausrichtung eines Unternehmens relevant werden könnte und inwiefern Weiterbildungsangebote dafür entwickelt werden können. Die Ausgangslage an der Universität Freiburg erweist sich dafür als besonders gut: Mit einer bundesweit einmaligen Konstellation eines Instituts für Informatik und eines Instituts für Mikrosystemtechnik innerhalb der Technischen Fakultät, dem "Centre for Security and Society" sowie mit fünf Fraunhofer Instituten vor Ort bietet sie ein ideales Umfeld für die bedarfsgerechte Entwicklung von qualifizierten Weiterbildungsangeboten im Bereich Industrie 4.0. "Wir gehen davon aus, dass künftig vor allem in den Bereichen Security und Big Data ein hoher Bedarf an Weiterbildung entstehen wird", so Dr. Tobias Schubert. Der Schutz von Netzwerken vor Hackerangriffen und auch der effiziente Umgang mit riesigen Datenmengen, die mit der Automatisierung von Prozessen einhergehen, sei auch künftig ein wichtiges Thema, für das Weiterbildungsangebote erarbeitet werden.

Alle Informationen zum Weiterbildungsprogramm Intelligente Eingebettete Mikrosysteme hier.