Synapticon auf Wachstumskurs »Vernetzte Systeme im Ganzen entwickeln!«

Nikolai Ensslen, Synapticon: »Internationale Investoren sehen, dass es hierzulande ein vielversprechendes Potenzial zu heben gibt – und schätzen Start-ups im Industrie-4.0-Umfeld in Deutschland oft als förderungswürdiger ein als heimische Investoren. Das ist schade.«

Embedded-Module und Automationskomponenten aufwändig miteinander zu verbinden, um Steuerungssysteme für komplexe Produkte zu realisieren? Das sei Technik von gestern, erklärt Nikolai Ensslen.

Wie sich vernetzte Systeme für Serienprodukte im Ganzen entwickeln lassen, wie sein Unternehmen wächst und warum Deutschland ein guter Standort ist, erklärt der Gründer und CEO von Synapticon im Gespräch mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Seit 2014 verkauft Synapticon eigene Produkte rund um die SOMANET-Embedded-Plattform. Verdient das Unternehmen damit bereits Geld?

Nikolai Ensslen: Das Geschäft auf Basis unserer Plattform hat schon 2015 einen Umsatz von 2,3 Mio. Euro gebracht. Immer mehr Endprodukte, die sie auf unserer Basistechnologie entwickelt haben, bringen die Kunden nun in die Stückzahlfertigung. Erst vor kurzem wurden etwa auf der Fahrradmesse in Friedrichshafen neue E-Bikes von Bianchi, Focus und Cube vorgestellt, die ein Antriebssystem auf Basis der Technik von Synapticon nutzen.

Wo sehen Sie jetzt vielversprechende Wachstumschancen?

Einer der wichtigsten Bereiche ist auf jeden Fall die kollaborative Robotik, da kommt jetzt viel Neues auf den Markt, und es handelt sich auch um ein Unterthema von Industrie 4.0. Mit unserer Technologie lassen sich solche Lösungen aus Sensorik und hochauflösenden Antrieben optimal realisieren. Die Produktentwicklung wird dadurch schneller und kostengünstiger, meist sogar überhaupt erst finanzierbar.

Können Sie Beispiele nennen?

Auf der Automatica wurden im Juni dieses Jahres zwei kollaborative Roboter gezeigt, die mit unserer Technik arbeiten, ein schweizer und ein kalifornisches Produkt. Der eine wird unter anderem dazu eingesetzt, Bleche herzustellen, aus denen Abluftsysteme entstehen. Der andere eignet sich insbesondere für die Elektrogeräte-Montage. Die Roboter sind durch einfache Programmierung und ihre sichere Interaktionsfähigkeit mit Menschen äußerst flexibel einsetzbar. Sie besitzen quasi Fingerspitzengefühl, das unterscheidet sie von gewöhnlichen Robotern. Durch Techniken wie „Visual Servoing“, also die Positionierung über Kameradaten, lassen sich Abstriche bei der Genauigkeit der Mechanik kompensieren – was einer der Gründe ist, warum diese Roboter oft auch noch günstiger sind als ihre konventionellen Kollegen.

Außerdem arbeiten wir mit zwei der großen europäischen Roboterhersteller zusammen, um unsere dezentrale Niedervolt-Servotechnik als Ersatz für klassische Hochvolt-Antriebe im Schaltschrank zu erproben, also auch für größere, klassische Roboter. Denn SOMANET erlaubt nicht nur den Aufbau von Echtzeit-Steuerungssystemen, in denen mehr Software-Intelligenz direkt an Sensor und Motor ausgeführt wird, sondern kommt auch mit besonders effizienten Verstärkerelektroniken für PMSM- bzw. BLDC-Motoren bis derzeit 5 kW.

Darüber hinaus sind aktuell besonders asiatische Firmen sehr stark daran interessiert, ihren Automatisierungsgrad zu erhöhen und eigene robotische Produkte zu entwickeln. Aus China und Thailand betreuen wir derzeit vier Neuentwicklungen, außerdem eine aus Südkorea. Diese Firmen finden in unserer Technik den Schlüssel, sehr einfach und schnell in die Robotik einzusteigen und zu marktreifen Produkten zu kommen. Das größte Wachstum unseres Industrieroboter-Geschäfts in den nächsten Jahren erwarten wir tatsächlich in Asien.

Konzentration auf professionelle Robotik
 
Das heißt, dass E-Mobility- und Consumer-Märkte als Zielmarkt für Synapticon nicht mehr so stark im Vordergrund stehen?

Unser Ziel besteht zum jetzigen Zeitpunkt darin, mit neunen Investoren in eine neue Wachstumsphase zu starten. Dazu wollen wir uns auf unseren Ursprungsmarkt Robotik fokussieren. Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, um eine neue Generation von Industrierobotern und mobile Robotersysteme für gewerbliche Umgebungen realisieren zu können.

Synapticon will also keine Steuerungen für autonome Rasenmäher und Staubsaugerroboter mehr entwickeln?

In der Kategorie Consumer-Roboter laufen derzeit drei große Projekte. Ein Endprodukt im Bereich Rasenmäher, des Weltmarktführers für batteriebetriebene Gartengeräte, wird nächstes Jahr in Serienproduktion gehen und den Markt dank unserer Hilfe technologisch kräftig aufmischen. Consumer-Anwendungen werden wir auch weiterhin unterstützen, weil sie die Stückzahlen für unsere Chips steigern und die kostenmäßige Wettbewerbsfähigkeit unserer Technologien pushen.

Grundsätzlich sehen wir den professionellen Robotik-Markt aber als wachstumsträchtiger für uns an, weil unsere Technologieplattform hier einfach den größten Hebel bietet. Auch wenn wir Aufträge aus anderen Märkten wie der E-Mobility nicht ablehnen werden, konzentrieren wir unsere Entwicklungsressourcen auf den professionellen, industrie