Digitaler Intelligenzspeicher Statistische Analyse von Kryptowährungen

Was Tulpen von Bitcoins unterscheidet – der digitale Intelligenzspeicher

Es hat in der Wirtschaftsgeschichte schon viele Blasen gegeben, von den holländischen Tulpen bis zu Dotcom 2000/1. Wegen der Vernetzung (IoT), dem Sammeln riesiger Datenmengen, ihrer Analyse und KI. Warum ist diesmal also alles anders?

KI ist nur eine Frage der Zeit. Selbst wenn die Alpha Go-Durchbrüche in die Stagnation eines erneuten AI winters führen sollten, was ich nicht glaube, bedeutet dies nur, dass künstliche generelle Intelligenz etwas später kommen wird, solange globale Katastrophen ausbleiben.

Selbst wenn dieses Ereignis mit etwas Verspätung eintritt, wird dies trotzdem das bedeutendste Ereignis in dem uns bekannten Universum sein. Das Entscheidende bei genereller künstlicher Intelligenz ist nicht der genaue Zeitpunkt ihres Aufkommens, sondern ihre Unvermeidlichkeit für menschlich relevante Zeithorizonte, für deren Gegebensein nur relativ schwache Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Bei Kryptowährungen wird es Phasenübergänge und Katastrophen geben und welche Währungen am Ende des technologisch-evolutionären Prozesses übrigbleiben, wird sich zeigen. Ich möchte hier auch mal ein mögliches Szenario skizzieren, ohne diesem eine bestimmte Wahrscheinlichkeit zuweisen zu wollen. Es könnte auch einen Übergang in der Wahrnehmung geben, der darin besteht, dass Kryptowährungen in Zukunft als das vertrauenswürdigere Geld erscheinen, gerade weil sie Vertrauen durch Code weitestgehend obsolet machen. Der Umstand, dass klassisches Fiatgeld nicht code-basiert ist – und damit nicht als digitaler Intelligenzspeicher fungieren kann – und zudem Vertrauen in nicht-technologische Maße voraussetzt, könnte es in einer immer digitaler und technologischer werdenden Welt zunehmend wie ein Relikt erscheinen lassen und Vertrauen in dieses sukzessive unterminieren.

Wie würden Sie definieren, was Kryptowährungen sind?

Wenn ich von Kryptowährungen spreche, meine ich immer auch die dazugehörige Technologie. Grundsätzlich denke ich, dass die zentrale Frage jene nach dem zukünftigen Zusammenhang von Intelligenz und Kryptotechnologie ist.

Die physikalische Intelligenztheorie von Alexander Wissner-Gross definiert Intelligenz entropisch als die Maximierung zukünftiger Freiheitsgrade für Handlungsräume. Kryptowährungen lassen sich möglicherweise abstrakt definieren als Instrumente für intelligente Systeme, um mit diesen die Freiheitsgrade von zukünftigen Handlungsräumen mit erhöhter Sicherheit durch Kryptographie und Dezentralisierung zu maximieren. Negativ ausgedrückt sind Kryptowährungen also Cyberspace-basierte Exit-Technologien.

Beim Nachdenken über Kryptowährungen kann es hilfreich sein, positive und negative Definitionen, sowie sich gegenseitig ausschließende Szenarien durchzuspielen, ohne sich zu früh für oder gegen eine Definition oder ein Szenario zu entscheiden, solange diese physikalisch möglich sind.

Darauf hat einer der bedeutendsten Kryptotheoretiker, Nick Szabo, hingewiesen und diesen Modus des Denkens »quantum thought« genannt. Auf längeren Zeithorizonten konvergieren Intelligenz und Kapital möglicherweise zu autonomem und intelligentem Kapital. Mögliche Vorläufer davon sieht man aktuell schon in der gehäuft auftretenden Buzz-Word-Kombination von AI- und Blockchain-Technologie und konkret in der DAO-Organisation, SingularityNET und Estlands Kratt-Gesetz. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die Identifikation und Antizipation von zeitlichen Mustern in diesem Prozess einen entscheidenden zukünftigen Wert haben. Jedem Nutzer steht es natürlich frei, unser System auf eigenes Risiko für Investitionen mit dem Ziel der Kapitalvermehrung zu nutzen, gleichzeitig kann man – besonders, wenn man eher abstrakte kognitive Tendenzen hat – unser System aber auch als eine Art Observatorium nutzen, mit welchem man den Prozess des Intelligentwerdens von Kapital indirekt beobachten kann.

Wie sieht der Zeitplan für die kommenden Monate aus?

Aktuell befinden wir uns noch in der Beta-Phase. Wir wollen noch mehr statistische Verfahren bieten und die Anzahl der verfügbaren Kryptowährungen erhöhen. Zudem wollen wir einige Verfahren automatisieren und Benachrichtigungen bereitstellen, beispielsweise wenn bei der automatisierten Analyse von Zeitreihendaten mögliche Frühindikatoren für Phasenübergänge identifiziert werden.

Die zusätzliche visuelle Inspektion kann dann direkt auf der Benutzeroberfläche erfolgen. Somit sind die automatisiert produzierten Ergebnisse vollkommen replizierbar und visuell vertiefbar. Auch ist uns bewusst, dass es für viele Verfahren noch umfassenderer Erklärungen und Interpretationshilfen bedarf.

Noch einmal zurück zu den Kryptowährungen. Was sehen Sie als eine Bedrohung für diese Währungen an?

Die Bedrohung kommt primär von technologischer Seite. Von staatlicher Seite wird es Versuche der Einschränkung geben, wie aktuell in China und Südkorea zu beobachten, aber Intelligenz kann man maximal mittelfristig kontrollieren. So gehen beispielsweise die führenden Forscher im Bereich der KI-Sicherheit davon aus, dass AI containment – die Kontrolle künstlicher Intelligenz – langfristig für Systeme, die deutlich intelligenter als Menschen sind, unmöglich ist.

Für manche Kryptowährungen geht möglicherweise – und nur unter bestimmen Umständen – eine Bedrohung von unerwarteten Fortschritten im Bereich der Quantencomputer aus. Wenn hier, wie bei Google Deepmind’s Alpha Go im Bereich der künstlichen Intelligenz, ein Fortschritt erreicht wird, den Experten erst in 10 Jahren prognostiziert haben, könnten Währungen mit veralteten Hashalgorithmen darunter leiden, aber auch nur dann, wenn sie keine Vorlaufzeit haben, um ihre Algorithmen anzupassen.

Die zentrale Gefahr für Kryptowährungen sind aber andere, technologisch überlegene Kryptowährungen, die möglicherweise aufgrund ihrer hohen Evolvierbarkeit sogar von Bedrohungen profitieren. Wenn die relativ hochfrequente Nennung von Kryptowährungen und Bedrohungsszenarien in der Realität eine Entsprechung hat, könnte dies auch eine untechnische Beschreibung einer technologisch-digitalen Umwelt mit einem besonders hohen Selektionsdruck sein. Sollte dies so sein, könnte sich damit zumindest eine substanzielle Wahrscheinlichkeit verbinden, dass dabei in naher Zukunft etwas Spannendes entsteht.