Kommentar Schreckgespenst Massenarbeitslosigkeit

Heinz Arnold, Chefredakteur, HArnold@markt-technik.de

Werden Industrie 4.0 und IoT zu Massenarbeitslosigkeit führen?

Nicht wenige sind davon überzeugt, und selbst Konzernlenker – sicherlich keine Anhänger sozialistischer Utopien – machen sich Gedanken darüber, ob der Staat einfach „negative Steuern“ verteilen soll, um denen, die keine Arbeit haben, ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

Die Argumentationskette ist einfach: Computer, Roboter und all die schönen neuen Maschinen tragen viel mehr als bisher zur Wertschöpfung bei, Menschen sind zum größten Teil überflüssig. Es wird also Geld verdient, es kommt nur darauf an, es gerecht zu verteilen. Doch woher soll das Geld kommen, das gerecht verteilt werden soll?

Der nächstliegende Gedanke ist, eine Maschinensteuer einzuführen, um Geld für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu sammeln. Wer jedoch genauer drüber nachdenkt, wird feststellen, dass eine solche Maschinensteuer Investitionen und Innovationen verhindert. Eine Volkswirtschaft mit derartigen Steuern würde im Wettbewerb eher verlieren. Dann gäbe es leider nichts mehr zu verteilen. Ein zweiter Gedanke wäre, sich von der bösen Welt und dem Wettbewerb ganz abzuschotten: Wenn schon keine massiven Mauern, so zumindest Mauern aus Zöllen aufzurichten. Im eigenen Land könnte man dann bequem nach den eigenen Regeln leben. Doch die Erfahrung zeigt: Wer sich abschottet – ob wirtschaftlich, technisch oder kulturell –, verliert auf Dauer immer.

Ganz abgesehen davon, dass die Welt dann noch gefährlicher wird, als sie sowieso schon ist. Bemühungen, internationale Organisationen aufzubauen, fanden meist nach großen Kriegen statt, weil die Menschen aus den schrecklichen Erfahrung lernen wollten (leider lässt der Lerneffekt anscheinend von Generation zu Generation nach, weshalb die Geschichte die Tendenz zeigt, sich zu wiederholen). Wenn also die Abschottung auch kein gangbarer Weg ist, was wäre zu tun? Zunächst einmal zu untersuchen, ob die Prämisse stimmt: Werden die Industrie 4.0, IoT, Künstliche Intelligenz, Virtual Reality usw. tatsächlich zu eine Arbeitslosigkeit bisher nicht bekannten Ausmaßes führen?