Handel und Verkehr profitieren Reutlingen wird Smart-City

In den Fokus rückt Roland Berger die drei Hauptbereiche Anwendungsfelder, strategische Planung und IT-Infrastruktur sowie eine Vielzahl von Einzelaspekten. Besondere Bedeutung haben dabei die sechs ineinandergreifenden Anwendungsfelder öffentliche Verwaltung, Gesundheit, Bildung, Energie und Umwelt, Gebäude sowie Mobilität.
Das Konzept einer Smart City. Reutlingen probiert das im Rahmen eines Forschungsprojekts aus.

Reutlingen experimentiert mit Smart Urban Services: Einfach die App «smaRT City» öffnen und schon zeigt das Handy Sehenswürdigkeiten, Läden und Restaurants.

Wegen des heißen Wetters schickt ein Café das Angebot des Erdbeerbechers aufs Display der Nutzer in der Innenstadt. Wer das Handy quer kippt, wird vom Programm direkt zu seinem Ziel geführt, beispielsweise ins Café oder ins Museum. Und nach dem Bummel leitet einen das Handy sogar zurück zum Auto.

Die App für Verbraucher ist ein Teil eines bundesweiten Forschungsprojektes, bei dem die Städte Reutlingen und Chemnitz die modernste Technik ausprobieren dürfen. Mit drei Millionen Euro fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Projekt.

»Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts«, sagt der Reutlinger Wirtschaftsförderer und Ideengeber Markus Flammer. Er hat das Projekt mit angestoßen, das nun vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation und vom Institut für Arbeitswissenschaften und Technologiemanagement der Universität Stuttgart geführt wird. Für Reutlingen sei es ein Glücksfall, Forschungsobjekt zu sein, sagt Flammer.
Das Ziel: Mit Hilfe gesammelter Daten soll der Handel als Publikumsmagnet in der Innenstadt gestärkt, das Stadtbild verbessert und die Verkehrsbelastung gesenkt werden. Der Projektleiter von der Universität Stuttgart, Martin Feldwieser, hält es für realistisch, diese Ziele zu erreichen. Und das nicht nur in Stuttgart. Das Konzept Smart City lasse sich auch auf andere Standorte anwenden.

Sensoren in Mülleimern

Im Projekt zur Smart City läuft viel mehr, als der Verbraucher sieht. Zur Verbesserung des Stadtbildes wurden an den Mülleimern in der Stadt Sensoren eingebaut, erklärt Feldwieser. Sie zeigen den Stadtreinigern künftig schon am Rechner im Büro an, wo sie dringend hinfahren und die Eimer leeren sollten.

Keine Suche nach freien Parkplätzen

Durch die Verkehrs- und Parkplatzsensoren sollen die in Reutlingen häufig überschrittenen Grenzwerte für Luftschadstoffe künftig eher eingehalten werden. »Parksuchverkehr macht 30 bis 40 Prozent des Verkehrs in der Stadt aus«, sagt Wirtschaftsförderer Flammer.

Wer die App nutzt, sieht dort in Zukunft freie Parkplätze am Straßenrand und kann sie gezielt ansteuern. Eine weitere Idee: Die Ampelsteuerung könnte auf den in Echtzeit gemessenen Verkehr in der Stadt angepasst werden. Über 40 Sensorknoten mit unterschiedlichen Messgeräten wurden eingerichtet.