Kommentar productronica 2017: digitale Impulse

Heinz Arnold, Chefredakteur, HArnold@markt-technik.de

Die digitale Transformation und Industrie 4.0 behrrschen die productronica nicht nur, weil sich die Branche selber digitalisieren muss, sondern weil sie für alle die Voraussetzung dazu schafft.

Die Welt wächst im Zeichen von IoT zusammen: verschiedene Technologien verschmelzen. Partnerschaften sind erforderlich, sowohl in vertikale Richtung quer durch die Wertschöpfungskette als auch horizontal: Kooperationen und Wettbewerb schließen sich nicht aus, sondern sind gefordert.Für IoT und Industrie 4.0 liefern die Hersteller bereits hochkomplexe ICs. Damit die Baugruppen von den erstaunliche Performance-Fortschritten der IC-Hersteller profitieren können, muss das Silizium im richtigen Chipgehäuse sitzen, das die Signale schnell auf die Leiterplatte leiten, wo sie von Chip zu Chip und von Leiterplatte zu Leiterplatte rasen. Das gelingt nur, wenn IC-Technik, Gehäusetechnik und Leiterplattentechnik zusammenwachsen: Die Verbindungstechnik führt früher brav getrennte Bereiche zusammen. Wer was in der Wertschöpfungskette übernimmt, verschiebt sich.

Bestes Beispiel dafür: In diesem Jahr findet zum ersten Mal parallel zur productronica 2017 die SEMICON Europa auf dem Messegelände in München statt. Beide Messen ergänzen sich auf dem Gebiet der Verbindungtechnik, die Firmen, die sich mit Backend-Themen der IC-Fertigung beschäftigen und die Hersteller der traditionellen Verbindungstechnik, der Leiterplatten und die EMS-Firmen können viel voneinander lernen. IoT und Industrie 4.0 führen aber auch dazu, dass sich die darüber liegenden Ebenen verändern: Um die Leiterplatten effizient bestücken zu können, müssen die Maschinen genauso vernetzt werden, wie die EMS-Firmen mit ihren Zulieferern und Kunden. Die Chip-Schmieden sind auf diesem Weg schon ein gutes Stück vorangekommen, nun sollten die EMS-Hersteller in ihre Fußstapfen treten.

Offenbar ist das gar nicht so einfach, denn dies war schon ein Thema auf vorausgegangenen productronicas gewesen. Auf dieser werden sie im Mittelpunkt stehen und wir dürfen gespannt sein, ob auf der productronica 2017 Weichen gestellt werden. Vernetzung benötigt eben Standards, erst wenn sich solche in der Produktion zumindest de facto durchgesetzen, können die Themen angegangen werden, die jetzt drücken: Von der Entwicklung über die Beschaffung der Bauelemente, deren Auswahl nach verschiedensten Kriterien bis zum Obsolescence-Management. IoT und Industrie 4.0 betrifft deshalb nicht nur die technischen Ebenen, sondern die gesamte Organisationsform der Firmen, einschließlich der Arbeitsplätze: Denn auch die Anforderungen an die Mitarbeiter und die Art und Weise, wie sie ihre Arbeitskraft in die Unternehmen einbringen, wird sich ändern.

Aber erst wenn die digitale Transformation auch in den Fertigungsunternehmen gelingt, werden die Milliarden vernetzter Dinge Realität, die die Augen aller Beteiligten in Erwartung brillanter Geschäfte schon heute leuchten lassen. Dazu wird die Messe in München wertvolle Impulse geben.