Digitale Transformation bei Kärcher Mit Hochdruck in die Wolke

Bei Kärcher ist die Digitale Transformation schon Realität: Mittels »Kärcher Fleet« übermittelt der Weltmarktführer Daten von Reinigungsgeräten an Kunden, die ihre Bestände ortsübergreifend verwalten können.

Für die Verarbeitung der Informationen aus dem Internet of Things (IoT) nutzt Kärcher die Dienste von Amazon Web Services.

Um sich im Markt zu differenzieren und seinen Kunden einen besonderen Mehrwert bieten zu können, hat Kärcher ein neues Geschäftsmodell in die Tat umgesetzt: Mit dem IoT-basierten Service „Kärcher Fleet“ übermittelt das Unternehmen aktuelle Daten der Reinigungsgeräte an seine Kunden. Wartungs- und Ladungszustand, Einsatzzeiten und Standort der Maschinen lassen sich damit online von autorisierten Nutzern einsehen. Das sind beispielsweise Facility-Manager, die ihre Reinigungsflotte professionell betreuen und über PCs, Notebooks oder mobile Geräte auf die web-basierte Lösung zugreifen möchten. So können etwa Unternehmer ihre Geräte in Hotels, Gaststätten oder großen Büros zentral und komfortabel überwachen.

Das technische Prinzip: Jedes Gerät ist mit einer Vodafone-SIM-Karte ausgestattet, die die Daten direkt an die Cloud-Umgebung sendet. Zur Speicherung und Aufbereitung der Daten greift Kärcher auf die Services von AWS. Für die Rechenkapazitäten ist der anpassbare Web-Dienst „Amazon Elastic Compute Cloud“ (Amazon EC2) zuständig. Nachdem die Daten in Instanzen verarbeitet wurden, sind sie über eine Website für den Kunden von überall aus zugänglich.
Eine Implementierung im eigenen Rechenzentrum kam für Kärcher schon aus Gründen der Skalierbarkeit nicht infrage. »Weil wir uns in einem Wettbewerbsmarkt befinden, müssen wir schnell agieren können. Wir brauchten einen Service, mit dem wir unsere Web-basierten Lösungen schnell in dutzenden Ländern weltweit ausrollen können«, so Professor Dr. Matthias Mehrtens, Vice President Information Systems bei Kärcher.
Allerdings war Kärcher vor der Markteinführung noch nicht klar, wie die verschiedenen Standorte die Flottenmanagementlösung aufnehmen würden. Auch in diesem Zusammenhang ist auf AWS Verlass: Stößt die Lösung etwa bei Kunden in Asien auf hohe Akzeptanz, kann Kärcher schnell skalieren und hat mit AWS die Gewissheit, die Kapazität auch in Zukunft nach Bedarf anpassen zu können. Gleichzeitig müssen bei niedrigerer Nachfrage keine unnötigen Rechenressourcen vorgehalten werden.

Benötigte der Reinigungsspezialist für die Bereitstellung neuer Services in der eigenen Infrastruktur früher noch Monate, lässt sich ein großes Projekt mit AWS heute innerhalb weniger Tage realisieren – Grund genug für Kärcher, AWS zukünftig verstärkt zu nutzen, um weitere Geräte an das IoT anzubinden und zusätzliche interne Systeme zu betreiben.

Die AWS IoT-Plattform

Das Aufsetzen und Verwalten von IoT-Lösungen ist oft mit sehr viel Aufwand verbunden. Mit diesem Feedback aus dem Markt hat AWS seine IoT-Plattform entwickelt. Kunden wie Kärcher erhalten Zugriff auf eine verwaltete Cloud-Plattform, die für das einfache Vernetzen von Geräten wie etwa Sensoren und Aktoren konzipiert wurde. Die daraus resultierenden großen Datenmengen lassen sich sammeln, speichern und analysieren, um gezielt Maßnahmen zu ergreifen. Skalierbarkeit ist dabei ein wesentlicher Aspekt der Plattform: Hat ein neu implementierter Service Erfolg, lässt er sich schnell ausrollen, und die Infrastruktur kann anhand der Nachfrageschwankungen flexibel gestaltet werden.

Smarte Transformation

Auf der Basis individuell definierbarer Geschäftsregeln können Anwender Daten schnell filtern, transformieren und als Grundlage für weitere Aktionen nutzen. Eine Regel kann beispielsweise festlegen, dass eine Information abgesetzt wird, sobald ein festgelegter Wert eines Gerätes einen bestimmten Schwellenwert überschreitet. Die Verantwortlichen haben zudem die Möglichkeit, Regeln jederzeit zu aktualisieren, etwa um neue Geräte und Anwendungsfunktionen zu implementieren.
Die Plattform unterstützt verschiedene Protokolle wie HTTP, MQTT und WebSockets und bietet Authentifizierungs- und Autorisationsfunktionen. Eine Device Registry ermöglicht es, Informationen wie die Firmware-Version oder die Seriennummern der verbundenen Geräte zu speichern. Das ermöglicht eindeutiges Identifizieren und Pflegen.

Mit der „Management Console“ bietet AWS eine webbasierte Schnittstelle zum Abrufen und Verwalten sämtlicher IoT-Ressourcen. Unternehmen wie Kärcher können damit einfach und sicher neue „Dinge“ einbinden, Zertifikate zuweisen, Nachrichten veröffentlichen und Aktionen definieren. Zudem lässt sich mit so genannten „Schattengeräten“ eine dauerhafte, virtuelle Version jedes Geräts in „AWS IoT“ erstellen, die den letzten Status abbildet. Cloud- und Mobilanwendungen können damit interagieren, Daten abfragen sowie Befehle und Nachrichten senden – selbst wenn die Geräte offline und nicht mit dem Internet verbunden sind.

Digital abgesichert

Neben Funktionalität und Wirtschaftlichkeit von Cloud-Infrastrukturen spielen die Aspekte Sicherheit, Datenschutz und Compliance eine zentrale Rolle. So können Anwender wie Kärcher in der AWS-Cloud arbeiten, ohne auf Sicherheit verzichten zu müssen. Die Cloud-Infrastrukturen bieten höheres Sicherheits- und Compliance-Niveau als manch firmeneigenes Rechenzentrum. Der Reinigungsexperte hat außerdem die Kontrolle darüber, welche Inhalte er in die Cloud stellt und wie er sie verschlüsselt. Kärcher behält zudem die vollständige Kontrolle über seine Daten. Das heißt, er entscheidet, in welcher Region seine Informationen physisch gespeichert werden. Das Erfüllen regionaler Compliance- und Data Residency-Anforderungen wird so deutlich einfacher.

Die digitale Zukunft

Beispiele wie Kärcher zeigen: Durch die Anbindung von Lösungen an das Internet können Unternehmen große Workloads im Tera- und Petabyte-Bereich sammeln, effizient auswerten und besser planen. Die angesammelten Datenmengen machen einerseits immer fundiertere Entscheidungen möglich – andererseits haben Unternehmen die Möglichkeit, ihren Kunden näherzukommen und Feedback für eine verbesserte Gerätenutzung zu erhalten. Die Cloud-basierte Plattform vereinfacht den Einstieg ins IoT. Unternehmen können sich auf ihre Kernkompetenz fokussieren und ihre Services in den digitalen Bereich erweitern.