Cloud-MES für Industrie 4.0 MES ist auch in der Wolke sicher!

Itac Software hat kürzlich das erste Cloud basierte Manufacturing Execution System vorgestellt. Damit wird ein MES auch für einen typischen »5-Mann-Betrieb« nicht nur erschwinglich, sondern er kann damit auch beim Thema Industrie 4.0 mitspielen. Aber: Ist so ein System auch sicher?

Das ist in Zusammenhang mit der Cloud wohl die am häufigsten gestellte Frage. Dieter Meuser, CTO von iTAC, zerstreut die Bedenken: »Wir sichern unsere Cloud-basierte MES-Lösung selbstverständlich nach allen Regeln der IT-Kunst ab. Ein absoluter Grundsatz unseres Hauses ist es, dass wir industrietaugliche Applikationen auf kommerziellen IT Standards realisieren.«

Einfach zusammengefasst heißt das: Die Daten werden zwischen MES-Client und MES-Applikationsserver über HyperText Transfer Protocol Secure – kurz: HTTPS abgesichert. Die Absicherung des Datenverkehrs zwischen MES-Client und MES-Applikationsserver erfolgt über einen Reverse Proxy Server und die iTAC.ARTES Middleware. Als Cloud-Provider hat iTAC Software die Fujitsu Technology Solutions (FTS) ausgewählt. Die Datenbank- und Applikationsserver der Cloud-based MES-Lösung sind in einem zentralen Rechenzentrum der Fujitsu Technology Solutions angesiedelt. Der MES-Kunde braucht also selbst keine Server-Infrastruktur.
 
Mit der Cloud Industrie-4.0-fit

Die Vorbehalte oder zumindest die Vorsicht, die Anwender aus der Fertigung gegenüber der Cloud mitbringen, kommen nicht von ungefähr. Das Design klassischer MES-Systeme ist normalerweise darauf ausgelegt innerhalb des lokalen Netzwerks (LAN) einer Fertigung zu laufen. »Das ist historisch durch einen Fokus auf die Anbindung lokaler Produktionsanlagen bedingt«, erläutert Meuser. Moderne MES-Systeme sind mittlerweile auch für standortübergreifende Maschinenankopplungen aufgestellt. Diese Systemfunktionalität wird schon seit Jahren von den First Tier Automotive Supplier gefordert. Daher betreiben immer mehr First Tier Supplier und OEMs ihr MES als Private Cloud Anwendung in zentralen Rechenzentren.

»Daneben gibt es eine verstärkte Marktdurchdringung von MES-/Tracebility-Lösungen bei KMUs aufgrund erhöhter Kundenanforderungen der OEMs, first- als auch Second-Tier Supplier an die KMUs«, betont der iTAC CTO. »Diese Tendenzen führen dazu, dass die in den zentralen Rechenzentren bewährten Technologien auch für den Aufbau von Cloud-basierten MES-Infrastrukturen für KMUs eingesetzt werden.«

Was in der klassischen IT längst zum Alltag gehört, ist allerdings für die industrienahe IT noch Zukunftsmusik. »Die industrienahe IT hinkt teilweise immer noch 20 Jahre hinter der kommerziellen IT hinterher«, bringt es Meuser auf den Punkt. Zu Tage tritt diese Tatsache vor den aktuellen Diskussionen rund um die Industrie 4.0. Denn ohne Cloud, wird sich eine global vernetzte Produktionskette, so die Vision der Industrie 4.0, nicht umsetzen lassen. Besonders schwierig war es bislang vor allem für kleine Unternehmen, hier mitzuspielen, denn die Anschaffung und der 24/7 Betrieb einer eigenen Server-Infrastruktur ist teuer.

»Als kleines Unternehmen brauchen sie so eine Plug & Play Möglichkeit, wie wir sie bieten, um in der Kette mitspielen zu können«, gibt Meuser zu bedenken. Fertigungsanlagen des kleinen Zuliefer-Betriebs können auf diese Weise in die Fertigungswertschöpfungskette der großen Unternehmen integriert werden. Einen ersten KMU-Kunden hat iTAC für sein Cloud-based MES auch bereits gewonnen: Die MID-TRONIC Wiesauplast produziert u. a. für die Automobilindustrie Elektronikkomponenten für einen Gangsteller, die in eine Spritzgusskomponente bei   der Muttergesellschaft von MID-TRONIC einem Automobilzulieferer,  integriert werden.

Für ein Industrie 4.0 Szenario muss aber nicht nur das MES Cloud-fähig sein auch die Fertigungsmaschinen müssen die Voraussetzungen mitbringen, um über das Internet kommunizieren zu können. Ein Problem sieht Meuser hier vor allem noch in den proprietären Schnittstellen der Fertigungsmaschinenbauer. Bei MID-TRONIC kommt eine Siplace SX 2 der ASM Assembly Systems zum Einsatz. ASM  bietet eine standardisierte Maschinen-Schnittstelle, den sogenannten SIPLACE OIB (Operations Information Broker), zur Integration seiner Anlagen an. Diese Schnittstelle ist aktuell allerdings nicht Cloud-fähig. Gelöst hat iTAC diese Herausforderung über ein OIB-Gateway, über das die Maschine online über das Internet kommunizieren kann. »Wir haben zu allen wichtigen SMT-Anlagen-Herstellern Schnittstellen aufgebaut und sind damit in der Lage auch diese Anlagen übers Internet anzubinden«, erklärt Meuser. So könnte zum Beispiel der Tier 1 die Produktinformationen bei MID-TRONIC abrufen, um seine Anlagen vollautomatisiert zu parametrisieren und autonom zu betreiben.  

Der iTAC-seitige Dienstleistungsaufwand zur Einführung der Cloud-basierten iTAC.MES.Suite liegt für eine standardisierte SMD-Fertigungsanlage bei 15 – 20 Manntagen. Monatlich kommen noch weitere Gebühren hinzu, je nach dem wie viele Linien integriert sind. Bei einer typischen SMD-Linie mit Einlaufscanner, Siebdrucker, SMD-Bestückautomat, SMD-Reflow-Öfen und AOI liegen die monatlichen Kosten laut Meuser unter 1000 Euro. Diese Miete beinhaltet die komplette Wartung und laufenden Betrieb der MES-Infrastruktur im zentralen Rechenzentrum: »Sie benötigen keine Datenbankspezialisten, Applikationsserverspezialisten oder  Netzwerkspezialisten, bekommen alle Security Updates, Betriebssystem-Patches usw. und  können davon ausgehen, dass die Infrastruktur nach den neuesten Sicherheitsrichtlinien gewartet und aufgesetzt ist«, so Meuser.

.