Industrie 4.0 war gestern Künstliche Intelligenz – der nächste Multimilliardenmarkt

Künstliche Intelligenz lässt die Paradgimen der Industrie 4.0 fast schon wieder obsolet erscheinen: Künftig werden mit Hilfe ausgeklügelter Algorithmen und selbstlernenden Systemen aus smarten Fabriken kognitive Fabriken, das stellt Andrea Martin in Aussicht, Chief Technology Officer von IBM.

IBM dringt mit seinen Watson IoT Services in neue Welten vor und schafft bisher ungeahnte Möglichkeiten für den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Ende Februar eröffnete dazu das „Watson IoT Center“ in den weithin sichtbaren „Highlight Towers“ im Norden Münchens – eine der exponiertesten Lagen der Stadt.

»Mit diesem Standort hat IBM das erste Headquarter einer Unit außerhalb der USA eröffnet«, verkündet Niklaus Waser, Vice President und Chef des Watson IoT Centers von IBM. »Für uns ist das ein wichtiger Schritt und ein klares Bekenntnis zum europäischen Markt.«

Rund 200 Mio. US-Dollar hat IBM bislang in den münchener Standort investiert. Warum München? „Wir haben uns von verschiedenen Kriterien leiten lassen. Ein entscheidender Punkt war, dass Süddeutschland ein Hotspot für die Zukunftsmärkte Maschinenbau, Automotive und Industrie ist. Wenn man sich ansieht, wo sehr viel gestaltet wird in diesen Branchen, dann landet man sehr schnell in Europa und hier vor allem in Mitteleuropa und dem süddeutschen Raum.« Besondere Vergünstigungen der Stadt München habe es nicht gegeben, unterstreicht Waser: Dass die Wahl auf München fiel, liege auch daran, dass die Stadt über eine sehr gute Fluganbindung verfüge und ein exzellentes universitäres Umfeld biete. Derzeit arbeiten 300 Mitarbeiter im Watson IoT Center, mittelfristig sollen es 1000 werden, verteilt auf 15 Etagen.

Co-Location für „Co-Laboration“

Dabei ist das neue Center nicht „irgendein“ weiteres Office von IBM, sondern geht neben seiner Funktion als Headquarter auch strukturell neue Wege. Mit der Eröffnung des Centers fiel auch der Startschuss für das IBM-Innovationsökosystem, zu dem auch das „Watson IoT Industry Lab“ gehört.

»Wir sind hier als Co-Location aufgestellt. Das heißt, wir haben hier am Ort ein umfassendes Partnernetz aus Spezialisten versammelt, um gemeinsam an Projekten zu arbeiten«, erklärt Waser. So werden in so genannten Collaboratories – eine Zusammensetzung aus „Collaboration“ und „Laboratories“ – IBM-Experten gemeinsam mit Kunden, Partnern und Forschungseinrichtungen an neuen kognitiven Technologien und Geschäftsmodellen arbeiten. Mitglied dieses Ökosystems ist unter anderem BMW. Das Unternehmen wird einen Teil seiner Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in eines der neu geschaffenen IBM Industry-Collaboratories in das IoT-Center verlagern.

Partner sind auch die europäische Technologie-Initiative EEBus, BNP Paribas, Capgemini, Tech Mahindra und der Distributor Avnet. Und Arrow, die Start-up-Plattform Indiegogo, Bosch, Visa und Ricoh haben Joint Partner Labs im Watson IoT Center. Dabei habt Waser die Partnerschaft mit Arrow und Indiegogo besonders hervor: »Wir legen großen Wert darauf, auch neuen Unternehmen und Start-ups die Möglichkeit zu geben, sich in diesem Bereich zu entwickeln. Wir werden demnächst auch Start-ups hier im Haus haben und sehen einen großen Mehrwert darin, kreativen Jung-Unternehmern zu helfen. Vor Projektanfragen kann sich das Watson IoT Team jedenfalls kaum retten: „Mittlerweile haben wir in unserem Geschäftsbereich weltweit über 6000 Kunden und Partner, von denen sehr viele mit uns im Watson IoT Center zusammenarbeiten wollen«, berichtet Harriet Green, General Manager, IBM Watson IoT, Cognitive Engagement and Education.