Industrie 4.0 IT und Automatisierung raufen sich zusammen

Auf der Hannover Messe wurde offensichtlich: Große Player wie Siemens, SAP, IBM, Microsoft und Cisco schlagen Brücken in die jeweils andere »Welt« und demonstrierten die Konvergenz zwischen IT und Fertigung bzw. Automatisierung für die smarte Fabrik.

Die lange geforderten interdisziplinären Allianzen zwischen Automatisierern und der IT-Welt prägten in diesem Jahr die Hannover Messe: Unter dieser Prämisse nahm auch das Leitungsgremium der neuen Plattform Industrie 4.0 auf der HMI offiziell seine Arbeit auf. Es besteht aus Unternehmensvertretern von Siemens, SAP, Telekom und Festo und untermauert damit den Schulterschluss der drei Disziplinen Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik/Elektronik und ITK. »Das ’Digital Enterprise‘ ist für uns längst keine Vision mehr«, erklärte Klaus Helmrich, Mitglied des Siemens-Vorstands, kürzlich auf der Pressekonferenz zur Hannover Messe.

»Schon heute verkaufen wir wichtige Bestandteile davon an unsere Kunden.« Zu diesem Zweck schloss Siemens vor der Hannover Messe eine Kooperation mit SAP für datenbasierte Services, die der Konzern unter dem Namen »Plant Cloud Services für die Industrie« vermarktet. Sie beruhen auf einer offenen Cloud-Plattform mit SAP-Hana-Technologie. Siemens-Kunden sollen sie nutzen können, um Apps in der Cloud zu entwickeln, zu erweitern und zu betreiben. Digitalisierung bedeute auch, Daten zu sammeln, Inhalte zu analysieren, daraus Schlussfolgerungen abzuleiten oder völlig neue Geschäftsmodelle zu entwickeln – und somit letztlich erheblichen Wert zu schaffen, so Helmrich weiter. »Nur wer in der Lage ist, die großen Datenmengen intelligent zu nutzen, sichert den entscheidenden Mehrwert für seine Kunden.«

In dieser Hinsicht unterstützt auch Cisco seine Kunden aus dem Produktionsumfeld: Cisco hat gemeinsam mit azeti Networks eine Lösung für die zentrale Überwachung und Steuerung verteilter Infrastrukturen über das Internet entwickelt. »Dabei werden in einem Router die Daten aus Sensoren und Kameras ausgewertet. Durch »Fog Computing« findet die Analyse der Sensordaten schon auf den Netzwerkgeräten statt, auf denen die azeti-Software installiert ist. Bereits dort werden auch Entscheidungen getroffen und Steuerbefehle abgesetzt. Damit ist die Lösung unabhängig von einer durchgängigen Internetanbindung und benötigt auch keine große Bandbreite, weil nur noch die nötigsten Daten das lokale Netz verlassen«, beschreibt Dr. Bernd Heinrichs, Managing Director Internet of Everything EMEAR von Cisco, das Prinzip. Der Kunde gewinne dadurch sowohl an Sicherheit als auch an Effizienz. Zudem hat Cisco mit Bosch und ABB das Joint Venture »mozaiq« gegründet. Es dient der Entwicklung einer einheitlichen Softwareplattform für das Smart Home, die die Interoperabilität verschiedener Geräte und Prozesse sicherstellen soll. Dabei handelt es sich um eine für alle Hersteller offene Plattform, damit die Nutzer von Smart-Home-Systemen möglichst einfach und reibungslos Anwendungen und Geräte unterschiedlicher Marken miteinander verbinden und zentral verwalten können.