Kommentar Intel und AI – ist diesmal wirklich alles anders?

Wenn es nach Naveen Rao geht, auf jeden Fall. Intel befinde sich bereits in einem Transformationsprozess in Richtung Artificial Intelligence. Wirklich?

Naveen Rao möchte aus Intel am liebsten eine Firma machen, die nicht mehr als weltgrößter Prozessor-Hersteller für PCs bekannt ist, sondern als größter Anbieter künstlicher Intelligenz. Das möchte sein Chef Brian Krzanich auch.

Schon Ende letzten Jahres hatte er darauf hingewiesen, dass Artificial Intelligence (AI) die gesamte Industrielandschaft umwälzen werde. Und Intel sollte nach seinen Worten zu denen gehören, die umwälzen und nicht zu denen, die umgewälzt werden.

Deshalb folgen nun den Worten Taten: Intel ruft eine ganz neue Geschäftseinheit ins Leben, die Artificial Intelligence Products Group, die Naveen Rao führen soll.

Aber ist das so neu? Schon der Name der Einheit lässt aufhorchen. Ist „Products“ wirklich cool in der neuen Welt von IoT, Digital Transformation und Industrie 4.0? Fliegen uns denn nicht täglich „Solutions“ um die Ohren, denn die modernen Firmen wollen ja seit Jahren statt einfach nur Produkte komplette Lösungen bieten.

Allerdings ist in Intel zumindest der zweite Teil von AI schon seit Gründung tief verwurzelt, leitet sich der Name doch von Intelligent Electronics ab. War also die künstliche Intelligenz und damit die AIPG schon in den Genen des Unternehmens angelegt?

So sieht es nicht aus. Denn was tat Naveen Rao, bevor er zum AIPG-Leiter avancierte? Der Computerarchitekt und Neurowissenschaftler war CEO und Mitgründer von Nervana, die 2014 das Licht der Welt erblickte – und die Intel 2016 kaufte. Dies war nur einer von vielen Zukäufen, die Intels Position im Umfeld von Deep Learning und AI stärken sollte und in der Übernahme von Mobileye Anfang des Jahres gipfelte. Da lässt sich schon erahnen, auf welchem Feld Intel sich besondere Chancen ausrechnet: In der Mobilität.  

Nun beschreitet das Unternehmen mit den Übernahmen einen Weg, der steinig ist, besonders wenn Intel ihn geht. Denn mit der Integration aufgekaufter Firmen hatten die Kalifornier nie ein wirklich glückliches Händchen. Hierzulande ist der Kauf der Handy-Chip-Sparte von Infineon noch in guter Erinnerung. Infineon dürfte der Verkauf kaum gereut haben, doch ob Intel seine Ziele damit erreicht hat?
 
Nicht immer also führen Übernahmen zum ursprünglich anvisierten Ziel. Dass mit Naveen Rao „frisches Blut“ sogar in die Top-Etage von Intel Einzug hält, sei positiv bemerkt. Eine Garantie für den Erfolg ist das nicht.

Denn jetzt sieht es eher so aus, als sollten in der AIPG die diversen Zukäufe im Umfeld von AI zu einem Ganzen zusammengefasst werden. Die AIPG wäre dann aber nicht aus Intel selbst geboren, sondern bildet eher eine Einheit, die – jetzt fällt mir kein besseres Wort ein – künstlich ist. Ob daraus eine erfolgreiche Abteilung für künstliche Intelligenz wird, bleibt abzuwarten.
 
Doch langsam wird es ernsthaft Zeit für Intel, die teuren Übernahmen – alleine Altera und Mobileye schlagen mit rund 30 Mrd. Dollar zu Buche – durch Ergebnisse zu rechtfertigen. Ein Reinfall rund um AI dürfte selbst für Intel dramatisch werden.

Aber vielleicht überrascht Intel uns ja alle, vielleicht stellt sich heraus, dass AIPG doch schon irgendwie immer in den Genen des Unternehmens angelegt war und Intel gelingt die Transformation. Dann hätte Intel zwar – wie schon so oft zuvor – viele teure Unternehmen aufgekauft. Aber diesmal wäre dann alles anders – wirklich!