Kommentar Industrie 4.0 zwischen NSA und Patriot Act

Karin Zühlke, Markt&Technik
Karin Zühlke, Markt&Technik

Die Industrie 4.0 Bestrebungen der Bundesregierung zur Standortsicherung sind aller Ehren wert. Die NSA Enthüllungen der letzten 12 Monate könnten allerdings die Umstzung der Industrie 4.0 ernsthaft bedrohen.

Dass Generalbundesanwalt Harald Range nun in Sachen NSA nur im Fall des abgehörten Handys der Kanzlerin ermitteln will, nicht aber wegen des generellen Ausspähens von Bundesbürgern, ist beunruhigend, weil es Späh-Aktionen zum Kavaliersdelikt herunterspielt. Nicht nur Bürger sondern auch Unternehmen sind darüber wenig erfreut, weil sie ihr geistiges Eigentum gefährdet sehen.

Besonders delikat ist diese Entscheidung vor dem Hintergrund der immerhin von der Bundesregierung mit initiierten Industrie 4.0 Bestrebungen, die ja bekanntlich eine vollumfängliche Vernetzung der Lieferkette und ihrer Produkte zum Ziel haben. Wer möchte sich schon global vernetzen, wenn er damit Tür und Tor für »Späher« öffnet?

Sicherlich sind die NSA-Enthüllungen - oder weniger die Enthüllung als die Tatsache an sich -, dass die NSA auf breiter Front Bürger ausspäht, nicht gerade förderlich für die Industrie 4.0. Die Vorbehalte gerade was die Datensicherheit in der künftigen Industrie 4.0 anbelangt , waren bei vielen Unternehmensvertretern sowieso schon sehr groß. Immerhin können die USA schon seit Längerem unter Berufung auf den »Patriots Act« quasi auf Zuruf jederzeit auf Daten zugreifen, die bei US-amerikanischen Firmen hinterlegt sind. Als Microsoft und Google im Sommer 2011 kommunizierten, dass sie aufgrund des Patriot Acts Daten aus EU-Rechenzentren an US-Behörden weitergeben müssen und das auch bereits erfolgt sei, löste das viel Unmut und Unbehagen aus. Seitdem sind deutsche Unternehmen verunsichert. Passiert ist aber bisher nichts.     
Dabei würde dieser Missstand doch eine riesen Chance  für deutsche und europäische IT- und Netzwerk-Firmen bieten, sich in einem Feld zu positionieren, das bis dato komplett US-dominiert und damit unberechenbar ist.

Die Bundesregierung – am besten gemeinsam mit der EU – müsste genau dafür Sorge tragen und die Gründung einer deutschen bzw. europäischen Industrie 4.0 Netzwerkinfrastruktur für Produktionen und Produktionsdaten forcieren und – auch finanziell – fördern. Ansonsten bleibt die Industrie 4.0 Initiative halbherzig und die Akteure sich selbst überlassen.