Hannover Messe 2017 Industrie 4.0 wird schneller als erwartet Realität

Die Cloud war eines der großen Themen auf der diesjährigen Hannover Messe – unter anderem im wolkenförmigen Showroom von Amazon auf der Südseite des Convention Centers.
Die Cloud war eines der großen Themen auf der diesjährigen Hannover Messe – unter anderem im wolkenförmigen Showroom von Amazon auf der Südseite des Convention Centers.

Die Hannover Messe 2017 hat es gezeigt: Der Weg in Richtung „Integrated Industry“ – nicht von ungefähr zum fünften Mal hintereinander Leitthema - ist größtenteils geschafft, zumindest was die Möglichkeiten angeht.

Auf der Messe war so ziemlich alles zu begutachten, was erforderlich ist, um die Vision Industrie 4.0 konkret umzusetzen. Der Begriff selbst war weniger häufig zu hören und zu lesen als in den Vorjahren – ein Zeichen dafür, dass sich das Thema verästelt und professionalisiert hat, das Lösungsangebot immer vielseitiger wird und die Umsetzung in den Unternehmen voranschreitet. Industrial Internet of Things, Cloud Services, Big Data Analytics, Predictive Maintenance und kollaborative Robotik – so lauteten die großen Themen der Messe. Und die fortschreitende Verschmelzung von IT und OT (Operational Technology) zeigte sich an Ausstellern wie Amazon, Cisco, IBM und Microsoft.

Unternehmen, die ihren momentanen Stand in puncto digitale Transformation einschätzen und eine individuelle Roadmap für die nächsten Schritte erarbeiten wollen, können dies jetzt anhand des „Industrie 4.0 Maturity Index“ tun. Der von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften auf der Hannover Messe vorgestellte Reifegradindex bildet entlang eines sechsstufigen Reifegradmodells eine Richtschnur für die Industrie-4.0-Strategie. Er betrachtet Unternehmen aus technischer, organisatorischer und kultureller Perspektive. Ein neu gegründetes „Industrie 4.0 Maturity Center“ in Aachen soll Unternehmen bei der Anwendung des Indexes beraten und unterstützen. Entstanden ist der Index in einem interdisziplinären Konsortium aus Forschungseinrichtungen und Unternehmen unter dem Dach von acatech.

Kaum zu übersehen war auf der Hannover Messe der Trend zur Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK): Sie hält in immer mehr Fabrikhallen Einzug, und immer mehr kollaborative Roboter mit immer ausgefeilteren technischen Konzepten kommen auf den Markt. Der Roboter „Franka Emika“ des gleichnamigen Münchner Unternehmens beispielsweise hat sieben Gelenke mit Drehmomentsensoren und lässt sich grafisch programmieren, indem der Anwender Apps verdrahtet, die jeweils eine Roboterfunktion darstellen. Zu haben ist der Roboter schon für 10.000 Euro. Wie dynamisch sich der Markt für kollaborative Roboter entwickelt, zeigt das Pionierunternehmen Universal Robots: »Wir haben seit der Firmengründung im Jahr 2005 mehr als 12.000 Roboter weltweit verkauft«, berichtete Helmut Schmid, General Manager Western Europe des Unternehmens, auf der Hannover Messe. »Aktuell erzielen wir pro Jahr ein Umsatzwachstum von 60 bis 70 Prozent.« Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz 662 Mio. Dänische Kronen (etwa 94 Mio. Euro).

Nicht nur bei den MRK-fähigen Robotern tut sich Einiges, sondern auch bei den dazugehörigen Greifern. Ausgerechnet ein Greiftechnik-Hersteller, nämlich Schunk aus Lauffen am Neckar, gewann den Hermes Award 2017, und zwar für den Greifer „Co-act JL1“. Die in dem intelligenten Greifmodul verbaute Sensorik registriert Annäherungen von Menschen und ermöglicht eine situationsabhängige Reaktion, ohne dass Mensch und Roboter sich berühren. Die Sicherheitsaura ist in den Greifer integriert und ermöglicht damit einen flexiblen Handhabungs- und Montageprozess mit Parallel- und Winkelgreifen beliebiger Geometrien. Die Greiferfinger bieten Kraftmessbacken und taktile Sensoren und unterstützen damit adaptive Greiferoperationen. Zwei Kamerasysteme zeigen das Umfeld im 3D-Format und unterstützen die Detektion zu greifender Teile.

Obwohl die Cloud auf der Hannover Messe viel größere Aufmerksamkeit auf sich zog, tut sich auch bei der Kommunikation auf der Feldebene Einiges – nicht nur in puncto TSN, OPC UA und MQTT, sondern auch auf dem letzten Meter hinunter zum Sensor: Für die bidirektionale Sensor/Aktor-Punkt-zu-Punkt-Verbindung IO-Link gibt es jetzt die Safety-Variante „IO-Link Safety“. Sie ist wie schon IO-Link Feldbus- und System-unabhängig, was durch die Umsetzung der am Markt verfügbaren Safety-Protokolle zu IO-Link Safety im Master erreicht wird. Die IO-Link-Safety-Devices bleiben damit weltweit einheitlich. Eine IO-Link-Safety-Lösung umgesetzt und auf der Hannover Messe vorgestellt hat Balluff aus Neuhausen auf den Fildern: Sie heißt „Safety over IO-Link“ und beruht auf dem Safety-Profil Profisafe. Balluffs sicheres E/A-Modul „Safety-Hub“ ist an einen IO-Link-Master angeschlossen; die sichere Kommunikation mit der Steuerungsebene erfolgt via Profisafe/Profinet. Sicherheitsrelevante Daten gelangen dabei mittels Tunneling über den Master direkt an die sichere Steuerung. Ein Sicherheitsniveau bis PLe / SIL 3 ist möglich.