Die Suche nach neuen Geschäftsmodellen Industrie 4.0 wird die Lieferkette durcheinander wirbeln

Eine Expertenrunde diskutierte auf Einladung der Markt&Technik die Herausforderungen und Chancen von Industie 4.0.

Im Idealfall bedeutet Industrie 4.0 eine durchgängige Vernetzung in der Lieferkette, angefangen beim Kundenauftrag über die – verteilte – Produktion bis zur Auslieferung an den (End-)kunden. Welche Folgen hat das für die Lieferkette und wo ist künftig die Kundenverbindung bzw. Kunden-Ownership verankert?

Dieser Frage ging das Forum Industrie 4.0 auf den Grund, zu dem sich Vertreter der IT-, Elektronik- und Automatisierungsbranche auf Einladung der Markt&Technik trafen.

Die Produktivitätssteigerung einerseits und die Möglichkeit, individuelle Produkte in Losgröße 1 zu fertigen, andererseits sind die Haupttreiber für Industrie 4.0. Der Drang nach individuellen Produkten könnte künftig die Lieferkette deutlich verändern, weil sich damit ganz neue Geschäftsmodelle etablieren werden, wie Oliver Winzenried, Vorstand von Wibu-Systems, erläutert: »Zwischenhändler könnten eventuell sogar ganz wegfallen, wie schon jetzt einige Beispiele aus der Consumer-Welt zeigen: Die Lufthansa beispielsweise belegt die Zwischenhändler mit Gebühren, und Apple verkauft die iWatch direkt. Bringt der Zwischenhändler keinen Mehrwert mehr, kann es passieren, dass er aus der Kette herausfällt.« Und genau das könnte Industrie 4.0 in Zukunft bewirken. Denn während die Industrie  4.0 im industriellen Umfeld erst am Anfang steht, hat der Konsument schon längst die Weichen in diese Richtung gestellt, wie Friedrich Vollmar, Manager Technical Sales and Solutions bei IBM Deutschland, erklärt: »Es scheint eine gewisse Änderung im Konsumverhalten vonstatten zu gehen: Der Verbraucher möchte sein Produkt aus einem Baukasten selbst zusammenstellen, wie er es zum Beispiel beim Autokauf schon tun kann.«

Setzt sich dieser Ansatz in der Breite durch, käme die ganze Relation der Massenfertigung des 20. Jahrhundert ins Rutschen, so Vollmar. Und damit würde Industrie 4.0 dem Attribut »revolutionär« wahrlich gerecht werden und einen radikalen Paradigmenwechsel einläuten. Fest steht – und darin sind sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde weitgehend einig: »Wir haben heute noch gar keine Vorstellung darüber, wie Industrie 4.0 in der Endausbaustufe aussehen wird, weil wir uns diese Geschäftsmodelle noch nicht vorstellen können«, bringt es Erich Brockard, Director Application Central Europe von EBV Elektronik, auf den Punkt, »auch Steve Jobs wusste damals nicht, welche Geschäftsmodelle aus seinen Geräten entstehen werden«. Brockard plädiert wie viele seiner Mit-Diskutanten am runden Tisch dafür, nicht zu lange abzuwarten und sich nicht zu intensiv darum zu kümmern, was die anderen machen und ob sich bestimmte Standards etablieren.