Kommentar Industrie 4.0: Harmonie oder Dissonanz?

Karin Zühlke, Markt&Technik
Karin Zühlke, Markt&Technik

Nach der Plattform Industrie 4.0, dem US-amerikanischen IIC, Industrie 4.0 Bestrebungen in China und der französischen Industrie du Futur hat jetzt auch Japan das Thema für sich entdeckt und munter spielt jedes Land sein eigenes Konzert.

»Wir haben mit Industrie 4.0 einen weltweiten Schlager geschaffen«, erklärte Friedrich Vollmar von IBM vor Kurzem im Markt&Technik-Expertengespräch.

Nun hat es ein Schlager so an sich, dass auch andere versuchen, die Melodie schlecht oder recht nachzupfeifen. So verwundert es also nicht, dass derzeit allerorten fleißig an Industrie 4.0 gestrickt wird. In Europa gibt es mit »Industrie du Futur« nun Industrie 4.0 auf Französisch, die mit dem hehren Ziel antritt, die Marktführerschaft zu diesem Thema zu übernehmen.

Auch in Japan hat man inzwischen die Industrie 4.0 für sich entdeckt. Dort haben sich im Juli die großen japanischen Player wie Mitsubishi, Fujitsu, Nissan, Panasonic auf eine Industrial Value Chain Initiative geeinigt. Viele Informationen dazu gibt es allerdings aus erster Hand nicht, denn die Webseite der Initiative ist leider nur auf Japanisch gehalten. Aus Sekundär-Quellen ist aber zu erfahren, dass es die Japaner durchaus ernst nehmen mit ihrer Initiative: Immerhin zwei Jahre lang hat Japans Industrie das deutsche Vorbild Industrie 4.0 beobachtet und studiert. Jetzt soll die Initiative japanische Industriestandards weltweit verbreiten.

Nun sind das nur zwei aktuelle Beispiele. Bekanntlich gibt es auch in den USA durch das IIC und in China ähnliche Ansätze. Gemeinsam ist all diesen Initiativen, dass erst einmal nicht die übergreifende Vernetzung in der Lieferkette als vorrangiges Ziel formuliert wird, sondern jeweils nationale Interessen kolportiert werden, wie „Marktführerschaft erreichen“ oder „eigene Standards weltweit verbreiten“ etc. Das wiederum konterkariert den Ursprungsgedanken der Industrie 4.0: Vernetzung über die gesamte Supply Chain – und wird daher so kaum zielführend sein oder, um zum Anfangsbild zurückzukehren: Ein Chor, in dem jede Stimme pfeift, was sie will, kann nicht harmonisch zusammenklingen. Nationale Alleingänge bringen uns bei Industrie 4.0 jedenfalls nicht zum eigentlichen Ziel, sondern sorgen lediglich für Dissonanzen und mehr Wettbewerb. Sinnvoll ist anders ...

Ein Update zu Industrie-4.0 und seinen Facetten Big Data, Kommunikation und Vernetzung, Strategien, Normung und Geschäftsprozesse, Steuerungstechnik und Engineering sowie Arbeitswelt 4.0 vermittelt nun bereits zum dritten Mal in Folge unser „Industrie 4.0 & Industrial Internet Summit“ am 20. und 21. Oktober in München.

Und genügend Raum für informelle Gespräche und kontroverse Diskussionen gibt es beim After-Summit Get-together!