Bleibt der Mittelstand draußen? Industrie-4.0-Förderung fast nur für die Großen

Knapp eineinhalb Jahre nach der Verkündigung der Industrie 4.0 durch die Bundesregierung auf der Hannover Messe 2013 macht sich im Mittelstand Ernüchterung breit. Denn die sprichwörtlichen süßen Früchte - alias Fördertöpfe - fressen fast nur die großen Tiere. Wo bleibt der Mittelstand?

Industrie 4.0 ist essenziell für den Standort Deutschland. Mit dieser hehren Aussage läutete die Bundesregierung vor zwei Jahren offiziell auf der Hannover Messe das Industrie-4.0-Zeitalter ein. Die Industrie umkrempeln wolle man und vor allem auch die kleinen und mittelständischen Firmen ins Boot holen und fördern, so die medienwirksamen Versprechungen der Bundesregierung.

Eineinhalb Jahre später ist bei einigen Mittelständlern Ernüchterung eingekehrt, denn von den 200 Mio. Euro aus den Fördertöpfen des Bundes hat vor allem die deutsche Großindustrie profitiert – und Firmen, die sich zwar zum Mittelstand zählen, weil sie noch inhabergeführt sind, umsatztechnisch aber längst bei den Großen mitspielen. Der echte KMU – wie er laut EU definiert ist: zwischen 10 und 250 Mitarbeitern und zwischen 2 und 50 Mio. Euro Umsatz – kommt bei der Vergabe der Fördermittel schlecht weg.

So wurde denn auch die Smart Factory KL auf der diesjährigen Hannover Messe ohne die Beteiligung eines KMUs auf die Beine gestellt. Mit dabei waren die großen Player, darunter Siemens, Cisco, Festo, Phoenix Contact und Hirschmann.

Diese Konstellation ist exemplarisch für die Entwicklung, die die Industrie 4.0 hierzulande nimmt: geradewegs vorbei an den KMUs. Und dabei war diese Smart Factory noch nicht einmal besonders innovativ und bei Weitem noch kein reales Szenario. Delikat ist vor dem Hintergrund des NSA-Abhörskandals, dass auch Cisco als amerikanischer Konzern in deutsche Industrie-4.0-Projekte eingebunden ist. Cisco liefert für die HMI Smart Factory, die IT-Technik zur Remote-Überwachung und Wartung der Produktionsanlage.   

Der echte Mittelstand benachteiligt

 »Werfen wir einen Blick in den echten Mittelstand, so zeigt sich, dass der bei der Industrie-4.0-Förderung nicht die gewünschte Berücksichtigung findet«, erklärt Dieter Meuser, CTO des Software-Unternehmens itac. Und er weiß wovon er spricht: »Wir haben gemeinsam mit drei Konsortien und etablierten Forschungsinstituten Anträge gestellt, die professionell von einer Unternehmensberatung aufgesetzt wurden. Dennoch erhielten letztlich nur die Global Player den Zuschlag«, so Meuser. Dass die besagten Projekte als nicht förderungswürdig erachtet wurden, liegt laut Meuser nicht an deren Inhalt, sondern daran, dass der Mittelstand es schwer habe, selbst bei professioneller Abwicklung des Antrags und innovativen Konzepten zum Zuge zu kommen. Nur wenn ein Big Player im Konsortium mit im Boot ist, hat auch ein Mittelständler Chancen, an die Industrie-4.0-Fördertöpfe des Bundes zu kommen.

Schon die Tatsache, dass es nötig ist, eine Unternehmensberatung für den Förderantrag zu engagieren, die – im besten Fall – weiß, wie das Lobbying in Berlin funktioniert, ist fragwürdig. Damit sind die K-Unternehmen aus den KMUs von vorne herein benachteiligt, weil sie weder das Personal, noch die finanziellen Mittel haben, um so einen Antrag zum Erfolg zu bringen.

itac engagierte sich schon lange bevor die Bundesregierung ihren alten Wein in neuen Schläuchen präsentierte im Themengebiet der Industrie 4.0 und hat viele Global Playern mit seinem MES-System ausgestattet und damit die Basis für deren Internet-of-Things-Fähigkeit gelegt. Gemeinsam mit dem mittelständischen Auftragsfertiger Limtronik ist itac dabei, ein bislang einzigartiges Smart-Factory-Projekt aufzusetzen:

Die beiden Firmen zeigen mit weiteren mittelständischen Partnern (wie der in-integrierte informationssysteme GmbH und DUALIS GmbH IT Solution) wie die MES-Umgebung zur »Big Data Schaltzentrale« einer Smart.Electronic.Factory werden kann. Sie bauen in der Limburger Fabrik von Limtronik eine Evaluationsumgebung auf: Maschinen sollen über Algorithmen aus Fehlern lernen, sich selbst zu optimieren und autark zu produzieren.