Kommentar Industrie 4.0 - die smarte Revolution?

Karin Zühlke, Markt&Technik
Karin Zühlke, Leitende Redakteurin, Markt&Technik

Smarte Produkte, smarte Maschinen und smarte Fabriken, die über das »Internet der Dinge« miteinander kommunizieren: Wenn es nach der HighTech Initiative »Industrie 4.0« geht, wird der Produktionsstandort Deutschland bis zum Jahr 2020 »smart«.

Und so soll die smarte Fertigung in Zukunft funktionieren: Ein Produkt erzählt seine Historie vom CAD-Layout bis zur Firmware, zum Beispiel gespeichert auf einem RFID-TAG. Die Fertigungsanlagen müssen in der Lage sein, diese Informationen auszulesen und die Daten fabrikübergreifend weiterzuverarbeiten. Auf diese Weise könnten ausgehend von Deutschland weltweit vernetzte Lieferketten entstehen und der Weg eines elektronischen Produktes ließe sich von der Leiterplatte bis zum Recycling exakt nach verfolgen. - Also, läutet die Industrie 4.0 eine smarte Revolution für die deutsche Industrie ein? Zumindest könnte der Ansatz dazu beitragen, die Fertigung unabhängiger von den Lohnkosten zu machen. Dadurch, so hoffen die Experten, könne Deutschland als Produktionsstandort deutlich wettbewerbsfähiger werden und sich gegen die Billigkonkurrenz aus Osteuropa und Fernost behaupten. Für den Erfolg der Industrie 4.0 hat die Bundesregierung sogar milliardenschwere Fördertöpfe lockergemacht.

Ganz neu ist der Gedanke der Industrie 4.0 nicht: Schon in den 1980er Jahren startete die Industrie mit dem Computer-Integrated-Manufacturing (CIM) ähnliche Versuche. Damals scheiterte CIM daran, dass die Daten-Systeme mitsamt der Sensorik, Aktuatorik und der Funktechnik noch nicht vorhanden oder leistungsfähig genug waren. Auch setzten die Verfechter des CIM damals auf eine menschenleere Fabrik – Maschinen, die sich wie von Geisterhand eigenständig organisieren und kontrollieren. Dass so eine Vorstellung eher für Abneigung als für Akzeptanz sorgte, liegt auf der Hand. Die Industrie 4.0 will es jetzt jedenfalls besser machen: Sämtliche Experten werden nicht müde zu betonen, dass der Mensch eine sehr wichtige Rolle in der Industrie 4.0 spielen wird.

Soweit zum Hintergrund der vierten industriellen Revolution. Stehen wir nun erst am Anfang oder sind wir schon mittendrin? Ich würde sagen: beides. Anlagen und Systeme, die innerhalb einer Fabrik miteinander sprechen, gibt es zwar längst. Die Industrie 4.0 muss aber noch viele Hürden meistern, denn was im Kleinen längst gelöst ist, funktioniert selten im weltweiten Makrokosmos von Werk zu Werk - auch nicht bei den großen OEMs. Im Grunde steht und fällt der Erfolg der Industrie 4.0 damit, dass die Konvergenz zwischen Automatisierung, Elektronik und IT gelingt. Die drei Disziplinen müssen enger zusammenwachsen und besser interagieren als bisher. Und das ist an und für sich schon eine große Herausforderung, weil hier unterschiedliche Welten aufeinander treffen, die oft nicht dieselbe Sprache sprechen.

Mehr zu Strategien, Technologien und Best-Practise rund um das Thema »Industrie 4.0« erfahren Sie auf dem Markt&Technik Summit Industrie 4.0 am 16. Oktober in München. Noch bis zum 16. April haben Sie die Möglichkeit, das Programm inhaltlich mitzugestalten. Details zum Call-for-Papers finden Sie unter www.industrie4-summit.de. Wir freuen uns auf Ihre Vortragsvorschläge!

Ihre
Karin Zühlke