Avnet Abacus' neuer CE-Director »Ich sehe große Chancen in IoT und Industrie 4.0«

Marc Reiterer, Avnet Abacus: »Wir werden im Geschäftsjahr 2016, das zum 30. Juni endet, aller Voraussicht nach wieder zweistellig zulegen können. Um diesem gesunden Wachstum Rechnung zu tragen, werden wir in neues Personal investieren.«
Marc Reiterer, Avnet Abacus: »Wir werden im Geschäftsjahr 2016, das zum 30. Juni endet, aller Voraussicht nach wieder zweistellig zulegen können. Um diesem gesunden Wachstum Rechnung zu tragen, werden wir in neues Personal investieren.«

Als Regional Director Central Europe für Avnet Abacus trat Marc Reiterer zum 1. 7. 2015 die Ruhestands-Nachfolge von Michael Knappmann an. Ihm will er es zumindest in einem Punkt gleichtun: »Gesund so weiterwachsen, wie wir das bislang gemacht haben.«

Avnet Abacus schreibt seit Jahren eine schöne Wachstumsgeschichte. Worin sehen Sie im Moment die Herausforderungen?
Wachstum muss natürlich auch personell unterfüttert sein. Wir sind eine relativ junge Firma, in der sich erst gar kein "Wasserkopf" angesammelt hat. Unsere Orderbücher sind langfristig gut gefüllt. Weil ich nicht davon ausgehe, dass wir unsere Wachstumsgeschwindigkeit verlassen werden, besteht für uns wohl die größte Herausforderung derzeit darin, weiter in den Ausbau unserer personellen Ressourcen zu investieren.

Das klingt ja erfreulich optimistisch - haben Sie keine Bedenken, dass China die sprichwörtliche Suppe versalzen könnte?
Was mit China passiert, werden wir sehen. Welchen Einfluss die Entwicklung dort auf uns in Europa hat, ist momentan noch nicht abzuschätzen. Aber umgekehrt gibt es für uns auch positive Einflüsse aus Richtung China: Die Kunden sehen den Preisvorteil nicht mehr. Wir stellen beispielsweise den Effekt fest, dass einige Kunden aus China nach Europa zurückkommen, weil die Produktion nicht mehr günstiger ist als in Osteuropa.

Oft beklagt wird allerdings von europäischen Kunden, dass die Bauteile in China billiger sind als in Europa...
Punktuell gibt es das, aber die Hersteller arbeiten daran, da gleichzuziehen. Den Einfluss halte ich daher für relativ gering. Ich glaube nicht, dass die Preise pauschal dort wesentlich günstiger sind. Umgekehrt tun Hersteller, die aus Asien kommen und aktuell noch nicht auf dem europäischen Markt Fuß gefasst haben, alles dafür, um ihre Ware hier an den Markt zu bringen und sind deshalb nicht daran interessiert, ihre Produkte hier teurer anzubieten.

Wie beurteilen Sie die Lage in der Schweiz?
Wir verzeichnen schon eine Abwanderung ins europäische Nachbarland. Gut für uns ist, dass ein Großteil zur Produktion nach Deutschland verlagert wird. Für den Schweizer Markt bleibt es selbstverständlich eine Abwanderung, im Kontext "Avnet Abacus Zentraleuropa" ist es glücklicherweise eine Umsatzverlagerung innerhalb der Vertriebsregion. Das Geschäft in der Schweiz selbst liegt für uns immer noch über den Erwartungen unter den gegebenen Umständen. Was uns in der Schweiz stark macht, ist ein sehr hoher Anteil an Projektgeschäft, das aus unserer intensiven Design-in-Arbeit mit dem Kunden resultiert. Die Schweizer Kollegen sind sehr aktiv und stehen in sehr engem Kundenkontakt. Wir setzen nach wie vor auf den Schweizer Markt, der wichtig für uns ist!

Also insgesamt betrachtet: Daumen hoch für Europa?
Ja, absolut. EMEA ist der Markt, der sich weiterhin positiv entwickelt. Die USA sind stabil - Asien hingegen ist rückläufig. Die Hersteller sind also darauf bedacht, in EMEA zu investieren.

Was heißt das für die Distribution - sprich den DTAM?
Das ist schwer zu beantworten. Ich sehe momentan nicht die Tendenz, dass sich die Hersteller mehr aus dem Direktgeschäft zurückziehen. Es gibt aber durchaus in einigen Fällen die Möglichkeit, dass ehemaliges Direktgeschäft über die Distribution abgewickelt wird, weil wir durch die Logistik enorm punkten können. Mehr als 50 Prozent in Zentraleuropa werden über kundenspezielle Logistikmodelle abgewickelt. Gerade die Logistik im IP&E - Interconnect, Passiv, Elektromechanik - ist essenziell für den Erfolg. Avnet Abacus hat zwei eigene Lager in Europa - in New Castle, England, und Tongern, Belgien. Wir haben 2015 immerhin über 10 Milliarden Bauteile verschickt. Ich denke, das spricht für sich.