Internationalisierung von Industrie 4.0 Fünf Millionen Euro für den Industrial Data Space

Gründung des Industrial Data Space e.V. in Berlin: (v.l.n.r.) Markus Vehlow, PwC; Dr. Ralf-Peter Simon, Komsa; Dr. Robert Bauer, Sick; Heike Niederau-Buck, Salzgitter; Dr. Ralf Brunken, Volkswagen; Prof. Dr. Boris Otto, Fraunhofer IML; Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Fraunhofer-Gesellschaft; Dr. Reinhold Achatz, ThyssenKrupp und Ulrich Ahle, Atos
Gründung des Industrial Data Space e.V. 2014 in Berlin: (v.l.n.r.) Markus Vehlow, PwC; Dr. Ralf-Peter Simon, Komsa; Dr. Robert Bauer, Sick; Heike Niederau-Buck, Salzgitter; Dr. Ralf Brunken, Volkswagen; Prof. Dr. Boris Otto, Fraunhofer IML; Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Fraunhofer-Gesellschaft; Dr. Reinhold Achatz, ThyssenKrupp und Ulrich Ahle, Atos

Der Industrial Data Space, ein virtueller Datenraum für den sicheren und standardisierten Datenaustausch soll mithilfe einer neuen Finanzierungsrunde durch das BMBF in die internationale Verbreitung.

Im Industrial Data Space entscheiden steuern und kontrollieren Teilnehmer souverän, wer ihre Daten erhält und wozu diese genutzt werden dürfen. Weitere fachliche Details zum IDS gibt es im Markt&Technik Interview mit Lars Nagel, Geschäftsführer des IDS.

Mit einer Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in Höhe von fünf Millionen Euro geht die Initiative nun in die zweite Phase. Das Ziel: Die Architektur soll international verbreitet werden.

Daten gewinnen für Unternehmen zunehmend an Bedeutung und stellen eine strategische Ressource für den Geschäftserfolg dar. Je mehr sie an Wert gewinnen, desto höher ist der Bedarf, sie zu schützen und zu kontrollieren – eine Krux, wenn gleichzeitig die immer komplexer werdenden Leistungsangebote und neuen digitalen Geschäftsmodelle einen fortlaufenden Austausch von Daten erfordern. Vor diesem Hintergrund arbeiten zwölf Fraunhofer-Institute bereits seit zwei Jahren an einer Lösung: dem Industrial Data Space. Das erste Etappenziel ist nun erreicht: Unter Verwendung modernster IT-Technologien ist eine Architektur für einen sicheren Datenraum entstanden, erste branchenübergreifende Use Cases sind bereits implementiert. Das vom BMBF geförderte vorwettbewerbliche Forschungsprojekt geht mit einer Förderung in Höhe von fünf Millionen Euro nun in eine zweite Runde.

»Deutschland muss bei systemrelevanten Innovationen eine Spitzenreiterposition einnehmen. Wir haben hier und jetzt eine echte Chance, aus Deutschland heraus einen wesentlichen Standard für die Digitalisierung der Wirtschaft zu setzen, der europa- und sogar weltweit Akzeptanz findet«, so Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. »Datensouveränität ist für Unternehmen ein entscheidender Erfolgsfaktor. Unsere Initiative schafft die idealen Voraussetzungen dafür.«

»Unsere deutschen und europäischen Unternehmen sollen sich sicher sein, dass ihre Daten mit dem Konzept des Industrial Data Space in guten Händen sind. Wenn es uns gelingt, dies zu einem internationalen Standard zu machen, ist das auch ein Vorteil für die deutsche Wirtschaft«, betont Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka. Das Ziel der kommenden Förderphase: Den Industrial Data Space im Zusammenspiel internationaler Architekturansätze positionieren, wie sie derzeit etwa vom Industrial Internet Consortium aus den USA oder der Industrial-Value-Chain-Initiative aus Japan erarbeitet werden – denn Daten machen in der global vernetzten Wirtschaft nicht an Landesgrenzen halt. Daher brauchen Unternehmen Lösungen aus einem Guss.

»Der Industrial Data Space ist in zahlreichen Workshops und Gesprächen im Rahmen der G20-Präsidentschaft Deutschlands auf enormes Interesse gestoßen. Datensouveränität ›Made in Germany‹ kommt gut an«, erklärt Prof. Boris Otto, Forschungschef der Initiative Industrial Data Space und Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST. »Wir stehen in Gesprächen mit Partnern aus beispielsweise Argentinien, China, Indien, Japan, Mexiko und den USA, um den Industrial Data Space international zu etablieren.«

Damit das Zusammenspiel mit diversen internationalen digitalen Standards passt, entwickelt das Projekt technische Lösungsmuster für Datensouveränität. In enger Kooperation mit dem Anwenderverein, der Industrial Data Space Association, setzen Fraunhofer-Forscher die Ergebnisse dann direkt bei Partnerunternehmen in Use Cases um.

Über den Industrial Data Space

Der Industrial Data Space wurde Ende 2014 von der Fraunhofer-Gesellschaft initiiert und gemeinsam mit Wirtschaft und Politik ins Leben gerufen. Das Ziel: Die Etablierung eines Architekturmodells für den Industrial Data Space und seine anschließende Nutzung auf internationaler Ebene. Die Initiative umfasst ein Forschungsprojekt und einen Anwen-derverein. Das Forschungsprojekt der Fraunhofer-Gesellschaft wird als vorwett¬bewerbliche Vorbereitung des Aufbaus des Industrial Data Space vom BMBF gefördert. Ergänzend hierzu wurde im Januar 2016 die Industrial Data Space Association ins Leben gerufen, um die Anwenderinteressen zu bündeln und die Standardisierung der Ergebnisse des Forschungsprojekts zu fördern. Mit inzwischen 74 Mitgliedsunternehmen aus 13 verschiedenen Ländern wächst der Verein auch international weiterhin stark. Neben Bosch, der Deutschen Telekom, Siemens oder Volkswagen sind so auch Unternehmen wie Huawei aus China und Forschungspartner wie die Nieder¬ländische Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung TNO im Verein vertreten. Die Arbeiten der Industrial-Data-Space-Initiative erfolgen in enger Abstimmung mit den Aktivitäten der Plattform Industrie 4.0.