Industrie 4.0 auf französisch Frankreich bläst zur »Industrie du Futur«

Andreas Barth, Dassault: "Themen wie die Vernetzung der Produktionswelt und die verstärkte Nutzung von Technologien wie Robotik, Big Data, Cyber-Sicherheit und Augmented Reality gehen Hand in Hand mit den technologischen Innovationen von Dassault Systèmes."

Die von Frankreich ausgerufene »Industrie der Zukunft« ist ein Pendant zu Industrie 4.0 und strebt nicht weniger als die Marktführerschaft Frankreichs in diesem Segment an. Die Hintergründe erläutert Andreas Barth, Managing Director Euro Central von Dassault, das die Co-Präsidentschaft der Initiative innehat.

Markt&Technik: Industrie 4.0 hierzulande wird ja sehr stark durch die Bundesregierung als Imageprojekt getrieben. Inwieweit steht die französische Regierung hinter der französischen Initiative?

Andreas Barth: Die Initiative wurde von der französischen Regierung ausgerufen. Das Komitee, dem auch Dassault Systèmes angehört, wird von Emmanuel Macron geleitet, der dem Ministerium für Wirtschaft, Industrie und Digitales vorsteht.

Welche Ziele verfolgt die französische Initiative »Industrie der Zukunft?«

Andeas Barth: Die Initiative ist ein Zusammenschluss von Vertretern aus Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft. Ziel ist es, Unternehmen zu ermutigen, die Modernisierung und Digitalisierung ihrer Prozesse voranzutreiben, das Engagement für Industrie 4.0 und deren Umsetzung in Frankreich zu verdeutlichen und den Wirtschaftsstandort Frankreich weltweit zu stärken.

Auf welche technologischen Ebenen erstreckt sich die Industrie-der-Zukunft-Allianz?

Im Rahmen der Initiative sollen für kleine und mittelständische Unternehmen Programme entwickelt werden, um ihnen bei der Integration von Elektronik und Informationstechnologie zur Automatisierung ihrer Prozesse zu helfen. Im Wesentlichen sind drei Technologiebereiche identifiziert, um die Marktdominanz oder gar Marktführerschaft von Frankreich in den kommenden drei bis fünf Jahren zu erreichen: Additive Manufacturing, Virtual Plant und Internet-of-Things und Augmented Reality.

Inwieweit gibt es Kontakt zwischen der französischen Initiative und der deutschen Industrie-4.0-Plattform?

Die Französische Botschaft in Berlin hatte beispielsweise am 6. Juli 2015 deutsche Industrie- und Behördenvertreter zu einer Diskussionsrunde anlässlich der Vorstellung von »Industrie du Futur« eingeladen. Die Initiative plant den Aufbau strategischer europäischer und internationaler Partnerschaften, insbesondere mit Deutschland. Auch ist eine technologische Kooperation mit Deutschland und eine Schnittstelle zur deutschen Industrie-4.0-Plattform angedacht. Diese Kooperation soll durch gemeinsame Pilot- und Technologienprojekte realisiert werden, die im Rahmen des europäischen Investitionsplans von Industrie du Futur vorgestellt werden. Wir sehen in der Zusammenarbeit viel Potential für gemeinschaftliche Aktionen und entsprechend positive Ergebnisse für die deutsche und französische Wirtschaft.

Dassault Systèmes ist ja nicht nur aktiver Partner von Industrie du Futur. Bernard Charlès, President und CEO von Dassault Systèmes, hat zudem deren Co-Präsidentschaft übernommen. Warum engagiert sich Dassault Systèmes so umfassend in dieser Initiative? 

Themen wie die Vernetzung der Produktionswelt und die verstärkte Nutzung von Technologien wie Robotik, Big Data, Cyber-Sicherheit und Augmented Reality gehen Hand in Hand mit den technologischen Innovationen von Dassault Systèmes. Seit über 30 Jahren entwickelt der Konzern Technologien und Lösungen, die die digitale Transformation in den jeweiligen Branchen fördern – von der Automobilindustrie über den Maschinen- und Anlagenbau bis hin zur Medizintechnik. Dassault Systèmes weiß um die Bedeutung und das Potenzial, das die virtuelle Welt zur Belebung der Wirtschaft in der realen Welt besitzt. Zudem hat der Konzern durch eigenes Wachstum und durch strategische Übernahmen ein umfassendes Portfolio aus digitalen Werkzeugen aufgebaut, die durchgängige industrielle Prozesse unterstützen.

Welche Erwartungen hegen Sie für Ihr Unternehmen durch Industrie 4.0 oder Industrie der Zukunft?

Dassault Systèmes ist führend bei Lösungen und Services, die eine durchgängige Nutzung digitaler Daten und deren tiefe Integration über alle Prozesse ermöglichen. Wir möchten daher aktiv an den Initiativen und deren Projekten mitwirken, um die Vision der digitalen Transformation in der Industrie zu unterstützen. Dazu gehören die Definition des technologischen Angebotes der Initiativen und die Entwicklung gemeinschaftlicher F&E-Projekte sowie der Aufbau und die Förderung grenzüberschreitender industrieller Vorzeigeprojekte in Bereichen wie Additive Manufacturing, agile Lieferketten, Werkstoffwissenschaften, Automatisierung und anderen. Auch die strategische Beratung von kleinen und mittelständischen Unternehmen, um deren digitale Transformation voranzutreiben, sowie Schulungs- und Bildungsmaßnahmen sind zentraler Bestandteil unserer Bemühungen.

Wird der Bedarf an virtuellen Werkzeugen und Simulations-Tools, wie Sie sie bieten, im Zuge der „Smartisierung“ der Produktion weiter zunehmen?

Die Digitalisierung schreitet voran und damit auch die Nachfrage an Werkzeugen zur virtuellen Konzeption, Konstruktion, Herstellung und Prüfung. Die Einsparpotenziale für Unternehmen sind enorm und gerade im Hinblick auf die Experience-Ökonomie, also die frühe Einbindung des Endkunden in die Entwicklung, nicht mehr wegzudenken.