IDS für neue Geschäftsmodelle Ein Marktplatz für den Handel von Daten

Prof. Dr. Boris Otto, Fraunhofer ISST: »Wir können uns vorstellen, dass über den IDS eine Art Marktplatz für Daten entsteht, in dem Unternehmen mit Daten handeln.«
Prof. Dr. Boris Otto, Fraunhofer ISST: »Wir können uns vorstellen, dass über den IDS eine Art Marktplatz für Daten entsteht, in dem Unternehmen mit Daten handeln.«

Die Maschinenbauer müssen lernen, nicht nur Maschinen zu bauen, sondern zu Software-Herstellern zu werden.

»Erst dann kann sich das Know-how in neuen Geschäftsmodellen niederschlagen. Teilweise haben sie das bereits gelernt«, sagt Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer Gesellschaft.

Damit der Lernprozess schneller voranschreitet, hat die Fraunhofer-Gesellschaft auf der HMI das Referenzarchitekturmodell Industrial Data Space (IDS) entwickelt und jetzt auf der HMI vorgestellt. Dass Daten eine interessante Ressource sind, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und Geld zu verdienen, ist nicht neu. Allerdings könnte das nicht funktionieren, wenn jedes Unternehmen die Daten nur für sich alleine sammelt. Vielmehr kommt darauf an, umspannende Partnerschaften über die Supply-Chain zu bilden: Zwischen Hersteller, Zulieferern, Dienstleistern, Logistiker, Kunden und allen weiteren Beteiligten muss der Datenaustausch stattfinden.

»Mit dem IDS haben wir die Hürden für den Austausch zwischen Unternehmen beseitigt, die der gemeinsamen Nutzung entgegen standen«, sagt Prof. Boris Otto, Forschungschef des Industrial Data Space und Institutsleiter am Fraunhofer ISST. Damit sei das große Ziel erreicht: »Wir können uns vorstellen, dass über den IDS eine Art Marktplatz für Daten entsteht, in dem Unternehmen mit Daten handeln.«

Allerdings: »Je öfter die Daten getauscht werden, umso mehr steigt ihr Wert«, erklärt Prof. Boris Otto. Das ist paradox: Denn je wertvoller die Daten werden, umso weniger will sie der Besitzer hergeben. »Wir brauchen also eine Technik, die die Datensouveränität durchsetzt.« Wenn alle beteiligten Geschäftspartner zum gegenseitigen Nutzen ihre Daten austauschen, dabei aber die Kontrolle über ihre Daten behalten, wäre das Ziel erreicht: Ein gemeinsamer, geschützter Datenraum, in dem die Daten nach bestimmten Spielregeln ausgetauscht und gemeinsam genutzt werden.

Genau das will die Fraunhofer Gesellschaft mit dem IDS bieten: In den geschützten Datenraum dürfen nur zertifizierte Teilnehmern eintreten, deren Identität vorher geprüft wurde. Jedes Unternehmen legt von vorne herein fest,  wie seine Daten von wem genutzt werden dürfen. So bleibt jedes Unternehmen der Souverän über seine Daten. Damit dies gelingt, hat das Fraunhofer-Institut AISEC in München eine spezielle Software entwickelt, Konnektoren genannt, die den Datenaustausch organisieren und die Sicherheit gewährleisten. Damit bilden sie das Herz des IDS.