Digital-Konferenz Münchner Kreis Digitalisierung fordert Coopetition!

Für Unternehmen kann es gefährlich werden, sich auf „Wachstum ohne Digitalisierung“ auszuruhen. Raus aus dem Silo und ausloten, wie und mit wem man in der Lieferkette zusammenarbeiten kann, war daher der Tenor der Digital-Konferenz des Münchner Kreises.

Obwohl sich die länderspezifischen Schwerpunkte bei der Umsetzung der Digitalisierung industrieller Produktionsprozesse derzeit noch unterscheiden, waren sich Unternehmensvertreter aus Deutschland, China, Japan und den USA auf der vom Münchner Kreis und acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften – veranstalteten Fachkonferenz „The Digital Transformation of Manufacturing Industries“ einig, dass die Zukunft der Fertigungsindustrien in Kooperationen liegt. Der Weg für globale Standards muss geebnet und derzeit noch bestehende Barrieren im „Industrial Internet of Things“ abgebaut werden.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist die seit Anfang 2016 bestehende Zusammenarbeit zwischen dem Industrial Internet Consortium (IIC) aus den USA, das einen vertikalen Ansatz über verschiedene Branchen verfolgt, und der deutschen Plattform Industrie 4.0, die sich der Fertigungsindustrie widmet. Aber auch wenn nach anfänglichem Konkurrenzgebahren beide Organisationen seit einiger Zeit produktiv zusammenarbeiten wollen, besteht durchaus die Gefahr, dass die deutsche Industrie der Lieferant bleibt und die USA das Modell definiert.

»Wir brauchen die Gigabit-Gesellschaft«
 
Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, forderte deshalb, Deutschland müsse eine zentrale Rolle bei der Digitalisierung in Europa spielen. Er plädierte dafür, eine „Digitale Union“ zu schaffen und eine gemeinsame digitale Sprache zu finden, die in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten gesprochen wird: Europäische Projekte, wie grenzüberschreitende Testfelder für die Bereiche Automobil und Transport, sind für diese Ziele ebenso zentral wie Investitionen in die Infrastruktur, Cyber-Security-Maßnahmen, Forschungsprojekte und die Frage nach der Qualifizierung und Ausbildung von dringend gesuchten Fachkräften. Oettinger kündigt bis 2022 eine flächendeckende 5G-Versorgung in Europa an. Allerdings plant beispielsweise Südkorea bereits bis 2018 einen solchen Ausbau.

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Industrie 4.0 in Fertigungsunternehmen ist das Aufbrechen von Silo-Denken und die Veränderung der Business-Modelle. Eine „Willingness to Change“ muss in der Unternehmenskultur verankert werden – angefangen bei der Bereitschaft, eigene Prozesse kritisch zu hinterfragen und Disruption zu wagen, bis hin zur Erwägung einer Kooperation mit Wettbewerbern, die Prof. Dr. Michael Dowling, Vorstandsvorsitzender des Münchener Kreises, als Coopetition bezeichnet. Dowling fordert entschlosseneres Handeln seitens der Unternehmen bei Transformationsprozessen. Die große Menge an Daten biete heute ein enormes Potenzial. Plattform-Strukturen, in denen die vertikale und die horizontale Dimension verbunden sind, gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung. Dr. Jesse Jijun Luo, Director Solution Management and Marketing bei Huawei, betonte, dass Unternehmen aus der Fertigungsindustrie heute auch dem Endkonsumenten dienen müssten. Industrial Internet im Manufacturing stehe demnach für einen B2B2C-Ansatz.