Mehr Arbeit Digitalisierung belebt Standort Deutschland

Dr. Markus Beukenberg, WILO: »Die Digitalisierung erlaubt es uns, in Dortmund Potenziale in der Größenordnung von 15 bis 30 Prozent zu heben. Das wäre weit mehr als über die Reduzierung der Lohnkosten zu erwarten wäre.«
Dr. Markus Beukenberg, WILO: »Die Digitalisierung erlaubt es uns, in Dortmund Potenziale in der Größenordnung von 15 bis 30 Prozent zu heben. Das wäre weit mehr als über die Reduzierung der Lohnkosten zu erwarten wäre.«

Die Unternehmen investieren wieder mehr in den Standort Deutschland, 3 Prozent verlagern die Fertigungen sogar nach Deutschland zurück. Warum wohl?

Der erste Erklärungsversuch liegt auf der Hand: Verlagert wurde häufig, um den hohen Lohnkosten hierzulande zu entgehen. Nun führt aber die Digitalisierung zu einer Steigerung der Arbeitsproduktivität, die Lohnkosten spielen also keine so große Rolle mehr. In der Tat haben Betriebe, die in der Digitalisierung fortgeschritten sind, zehnmal häufiger Teile ihrer Fertigung rückverlagert, als Betreibe, die keine Digitalisierungstechniken verwenden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die der VDI in Zusammenarbeit mit der Hochschule Karlsruhe und dem Fraunhofer Institut ISI erstellt und auf der HMI vorgestellt hat.

Das bestätigt Dr. Markus Beukenberg, CTO von WILO, die Werke an 17 Standorten weltweit betreibt und 7.500 Mitarbeiter beschäftigt: »Der Anteil der Lohnkosten beträgt bei einer High-Tech-Fertigung nur mehr unter 10 Prozent.« Das ist ein Grund, warum der Pumpenhersteller sein neustes Werk für rund 100 Mio. Euro in Dortmund und nicht irgendwo anders auf der Welt baut.

Allerdings klingen die 3 Prozent der Unternehmen, die bisher tatsächlich zurückverlagert haben, nicht gerade nach einem Trend. »Für das gesamte verarbeitende Gewerbe bedeutet dies allerdings 500 bis 550 Rückverlagerungen pro Jahr«, sagt Ralph Appel, Direktor des VDI. Das sei dann doch nicht zu vernachlässigen.

Dafür stehen neue Aspekte im Vordergrund, die über die Lohnkosten hinausgehen. Gerade die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten in Hinblick auf die individualisierte Produktion bis hin zur Stückzahl 1 machen es stärker als bisher wünschenswert, in der Nähe der Kunden zu produzieren. Das spricht stark dafür, vermehrt in den Aufbau der Produktion vor Ort zu investieren.

Genauso sieht es auch Dr. Markus Beukenberg. Denn für die Entscheidung, in Dortmund zu investieren, haben viele Gründe zusammengespielt und das Unternehmen hat sich die Entscheidung laut Beukenberg nicht einfach gemacht, sondern über zwei Jahre auch mit Hilfe von externen Beratern die Optionen durchgespielt. Ein Faktor, der besonders ins Gewicht fiel: »Die Digitalisierung erlaubt es uns, in Dortmund Potenziale in der Größenordnung von 15 bis 30 Prozent zu heben. Das wäre weit mehr als über die Reduzierung der Lohnkosten zu erwarten wäre.«