Exkurs Digitale Transformation in der Werbebranche

Im Jahr 2011 sind drei Gründer angetreten, um den Markt für Werbebuchungen mit einer digitalen Lösung zu revolutionieren.

Das Geschäft mit den Werbebuchungen in Deutschland floriert: Mehr als 30 Milliarden Euro umfasste das Marktvolumen im Jahr 2016, mit einem Wachstum von fast 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei ist es noch immer ein analoges Modell, das den Prozess der typischen Werbebuchung beschreibt. Entweder besuchen Anzeigenverkäufer ihre Kunden persönlich, notieren im Gespräch ihre Verkaufserfolge und beginnen anschließend im Büro eine umfangreiche Kommunikation per Telefon, per E-Mail und teilweise sogar noch per Telefax, um Aufträge zu bestätigen und umzusetzen. Oder aber eine spezialisierte Mediaagentur verwaltet das Werbebudget eines Unternehmens und wickelt den administrativen Aufwand gegen eine prozentuale Beteiligung am Auftragsvolumen ab – effizienter als beim Werbetreibenden selbst funktioniert das in der Regel nicht, da durchgängige digitale Prozesse nicht existieren.

Im Jahr 2011 wagten sich die drei Gründer Maximilian Balbach, Thomas Masek und Matthias Völcker in München an die Aufgabe, das zu ändern. Dabei war Internet-Gigant Google zuvor bereits mit einer ähnlichen Lösung gescheitert: „Google Print Ads“, „Google Radio Ads“ und „Google TV ads“ waren der Versuch, das Geschäft mit Werbeanzeigen und Spots ins Internet zu verlagern. So gab Google im Jahr 2009 nach gerade einmal zwei Jahren die verschiedenen Projekte auf, nachdem es trotz Investitionen in Millionenhöhe gerade einmal 800 Zeitungen gebunden hatte. Im Vergleich dazu war crossvertise bereits mit mehr als 12.000 Printtiteln und rund 25.000 Ausgaben gestartet.

Einfache Marktplatz-Lösung

Die crossvertise-Gründer gehen mit der Unterstützung durch Investoren einen anderen Weg. Auf einer digitalen Plattform, die wie ein Marktplatz konzipiert ist, bündeln sie mittels einer Datenbank die Media-Informationen (Reichweite, Kosten, Erscheinungshäufigkeit, Zielgruppe etc.) von mehr als 90 Prozent aller in Deutschland verfügbaren Werbemedien. Neben den klassischen Medien Print, Radio, TV, Plakat und Kino sind auch gängige Online-Kanäle von Anfang an integriert. Auch ausgefallene Werbeformen wie beispielsweise Bike Cards (an Fahrradlenker gehängte Flyer), digitale Spiegelflächen für Toiletten oder Golflocheinsätze gehören zum Angebot oder werden auf Anfrage ermöglicht. Für Nutzer der Plattform – in der Regel werbetreibende Unternehmen und Agenturen – ist die Lösung kostenfrei. Mit wenigen Klicks lassen sich komplette Werbekampagnen zusammenstellen – auf Wunsch auch crossmedial – und direkt online buchen. Spezielle Rabatte zwischen crossvertise und den Werbemedien ermöglichen dabei in vielen Fällen deutlich günstigere Preise, als dies bei Direktbuchung möglich wäre. In jedem Fall sparen sich die Nutzer viel Zeit und haben die volle Kontrolle über ihre Werbekampagnen. Für weniger versierte Werbekunden bietet crossvertise außerdem eine persönliche Beratung an, die in der Regel bei Buchung ebenfalls kostenfrei ist.

Sechs Jahre nach dem Start ist crossvertise-CEO Matthias Völcker mit dem Erreichten mehr als zufrieden, auch wenn sich nicht alle ursprünglichen Visionen realisieren ließen. »Am liebsten hätten wir eine Real-Time-Plattform geschaffen, bei der durch ein unmittelbares Bieterverfahren eine dynamische Preisfindung möglich geworden wäre. Doch dafür war der Markt leider noch nicht bereit, die Vermarkter wollten da nicht mitmachen. Fast 50.000 registrierte Nutzer und ein ständig steigendes Buchungsvolumen von derzeit mehr als 2000 Vorgängen im Jahr zeigen uns aber, dass wir auch mit der jetzigen Lösung schon auf einem sehr guten Weg sind«, so Völcker.