Kommentar zu Industrie 4.0 Die Umsetzung ist schon im Gang

Andreas Knoll, Markt&Technik
Andreas Knoll, Markt&Technik

Industrie 4.0 ist nicht nur ein Hype, sondern ein echter Trend. Auch die Mittelständler müssen sich über neue Geschäftsideen im Digitalisierungs-Zeitalter Gedanken machen. Abstrakte Modelle helfen ihnen aber kaum weiter: Sie müssen da abgeholt werden, wo sie sind - mit Use Cases und guter Beratung.

Große Fachkongresse sind nicht nur Informationsquelle und Kontaktbörse, sondern auch Gradmesser: Sie geben den Stand der Diskussion wider und deuten auf aktuelle Entwicklungen hin. Der »3. Markt&Technik Industrie 4.0 & Industrial Internet Summit«, der vor kurzem stattgefunden hat, ist ein gutes Beispiel dafür. Zwei Jahre nach der Premiere des »Markt&Technik Industrie 4.0 Summit« ist der Begriff »Industrial Internet« hinzugekommen, um auch den Entwicklungen jenseits der Grenzen Deutschlands und Europas einen angemessenen Platz einzuräumen. Auch die thematische Ausrichtung hat sich gewandelt. Stand bei der ersten Veranstaltung noch die Frage im Vordergrund, was Industrie 4.0 überhaupt ist und welche Techniken sich dafür eignen könnten, geht es jetzt an die konkrete Umsetzung: Welche Wege führen zu Industrie 4.0? Welche neuen Geschäftsmodelle ermöglicht die Digitalisierung?

Die Entwicklung des Summit spiegelt also die Entwicklungen in der Industrie wider. Sie zeigt, dass Industrie 4.0 nicht nur ein Hype, sondern ein echter Trend ist, der nicht nur Deutschland, sondern die ganze industrialisierte Welt erfasst hat, wie die Anwesenheit eines südkoreanischen Fernsehteams auf dem Summit zeigt. Bemerkenswert ist, dass sich mittlerweile auch in Deutschland, wo Normung und Standardisierung in Gremien traditionell großgeschrieben wird, eine wichtige Erkenntnis verbreitet: Wenn die IT - und das heißt heutzutage: die Digitalisierung - die industrielle Wertschöpfung durchdringt, werden auch die De-facto-Standards der IT dies tun. Welche Standards sich für Industrie 4.0 durchsetzen, dürfte also hauptsächlich der Markt regeln.

Um die Unternehmen auf dem Weg zu Industrie 4.0 zu unterstützen, sind vor allem Referenzlösungen oder Use Cases erforderlich. Entwürfe wie das Referenzarchitekturmodell RAMI 4.0 der deutschen Plattform Industrie 4.0 sind zwar schön und gut, wirken aber so abstrakt und akademisch, dass Zweifel angebracht sind, ob sie den Mittelstand wirklich erreichen können. Für Großkonzerne oder große Familienunternehmen haben sie sicherlich ihre Berechtigung, aber einen kleinen Maschinenbauer oder Automatisierungstechnik-Hersteller mit 50 oder 100 Mitarbeitern dürften sie eher abschrecken. Solche Unternehmen müssen genau dort abgeholt werden, wo sie stehen. Wichtig ist es, ihnen aus ihrer Perspektive neue Geschäftsideen aufzuzeigen und mögliche Wege dorthin zu weisen. Gute und für kleine Unternehmen bezahlbare Beratungsdienstleistungen dürften dafür der Schlüssel sein.

Auch auf der Automatisierungsmesse SPS IPC Drives wird Industrie 4.0 diesmal eine größere Rolle spielen als bisher: In Halle 3A gibt es eine Industrie-4.0-Area mit thematisch passenden Gemeinschaftsständen. Die SPS IPC Drives dürfte also wieder spannend werden – lassen Sie sich überraschen!